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Osterwicker Falkner Walter Bednarek zu Rettungsaktion am Billerbecker Dom gerufen

Hoffnung auf Rettung der Jungfalken

Rosendahl/Billerbeck

Sofort wusste der Osterwicker Walter Bednarek, um welches Tier es sich handelt, als er vor kurzem einen Anruf von der Polizei in Billerbeck erhielt. Die Beamten hätten ihm mitgeteilt, in der Nähe des Doms einen flugunfähigen Falken gefunden zu haben. Seit mehreren Jahren, berichtet Bednarek, brütet ein Wanderfalke – der im Übrigen der schnellste Vogel der Welt ist und im Stoßflug 500 km/h erreichen kann – am Biller-becker Dom in einem von der Wanderfalkenschutzgemeinschaft (AGW/NABU) aufgehängten Nistkasten. Dass es sich bei dem gemeldeten Tier um den „Domfalken“ handelte, bestätigte sich anhand der Beringung, die der Osterwicker vor Ort begutachtete.

Den verunglückten Wanderfalken vom Billerbecker Dom hat Walter Bednarek in die Tierarztpraxis Hüging und Schulze Vowinkel in Lette gebracht, wo das Tier von Kathrin Hübscher versorgt wurde. Foto:

„Wanderfalken starben 1974 in Nordrhein-Westfalen aus, wie auch schon vorher in vielen Teilen Deutschlands aufgrund von Pestiziden“, schildert Bednarek, der sich mit Leib und Seele für Tiere einsetzt, in einem Pressetext. Nach dem Verbot dieser Gifte und mit Unterstützung von Falknern gezüchteten und ausgewilderten Wanderfalken erholten sich die Bestände und Falken seien heute flächendeckend in Nordrhein-Westfalen verbreitet. „Das wurde unter anderem durch an geeigneten Kirchtürmen und Industriebauten angebrachten Nistkästen erreicht, denn letztlich fehlen natürliche Brutplätze für den Felsenbrüter in der Offenlandschaft“, sagt der Falkner aus Osterwick.

Doch dieser „Nistkastenboom“ der vergangenen Jahre sei sowohl aus der Sicht des Tierschutzes und gesellschaftlicher Akzeptanz nicht ganz unproblematisch, denn es stürzten immer wieder Jungvögel von diesen „unnatürlichen“ Brutplätzen ab und verunglückten dann in den Straßenschluchten. „Auch Altvögel kollidieren auf der Jagd durch Anflüge im Stadt-Lebensraum an unnatürlichen Hindernissen, etwa Drähte oder Scheiben, und verunglücken. Unabhängig davon, dass oft der kleinere, lebhafte und bunte Turmfalke durch den großen Wanderfalken von seinem angestammten Brutplatz vertrieben wird, wie auch in Billerbeck geschehen“, schildert Bednarek weiter.

Auch Taubenzüchter würden diese „künstlich forcierten Ansiedlungen“ kritisch sehen und würden den „Wanderfalkenaktivisten“ sogar mangelnde Empathie gegenüber ihren Gefühlen vorwerfen – wenn durch die Stadtfalken ihre „Lieblinge“ gefangen und getötet werden; denn Brieftauben sind für Wanderfalken eine optimale Beute. „Die Taubenzüchter argumentieren, dass es heute keinen Grund mehr gäbe, die Population künstlich immer weiter zu erhöhen, da – anders als in den 70er Jahren – die Falken seit vielen Jahren nicht mehr bedroht sind“, so Bednarek.

Wenn sich Wanderfalken als Kulturfolger von selbst ansiedeln würden, müsste man damit leben, würden Taubenhalter verständnisvoll sagen, aber hier würde ein Wanderfalkenlebensraum geschaffen, der unbeeinflusst vom Menschen nicht existiere, sodass ein zusätzlicher, unnatürlicher Räuberdruck auf ihre Tauben ausgeübt würde.

Der verunglückte Wanderfalke jedenfalls wurde nach dem Einfangen und einer ersten Begutachtung zur Tierarztpraxis Hüging und Schulze Vowinkel in Lette gebracht, in der in der Vergangenheit wiederholt verunglückte Greifvögel versorgt wurden. In der Praxis wurde der Falke, da flugunfähig und deshalb ein Anflug auf ein Hindernis vermutet wurde, geröntgt, ein Befund sei aber nicht festgestellt worden. Da sich der Zustand des Falken nach einem Tag verschlechterte, wurde er erneut von Walter Bednarek beim Tierarzt vorgestellt und mit Flüssigkeit und Vitaminen behandelt. „Aber auch das schlug leider nicht an, und da der Zustand sich noch weiter verschlechterte, musste der Falke letztendlich leider eingeschläfert werden“, berichtet der Falkner.

Nachdem bekannt wurde, dass der Falke verunglückt war, hat ein Mitglied der AGW/NABU die noch im Brutkasten befindlichen Eier am Billerbecker Dom entnommen und in eine Brutmaschine gelegt – in der Hoffnung, die Brut noch zu retten. Die möglicherweise schlüpfenden Jungfalken werden dann in einem entsprechenden Alter zur Adoption in eine Wildbrut gesetzt.

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