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Erster Informationsabend zur Umgestaltung der Bundesstraße

Holtwick bekommt ein neues Gesicht

Holtwick

Zwei Varianten waren es am Ende, die Vertreter von Straßen.NRW den interessierten Bürgern präsentierten. In ihrer Art, wie die Ortsdurchfahrt in Holtwick künftig aussehen soll, unterschieden sie sich deutlich – eine Gemeinsamkeit wiesen sie aber auf: Für beide Umbaumaßnahmen müssen nahezu alle der rund 40 Bäume entlang der Bundesstraße 474 gefällt werden. „Das Thema Bäume ist immer emotional behaftet, man muss die Situation aber nüchtern betrachten“, unterstützte Bürgermeister Christoph Gottheil die Planungen des Landesbetriebs. Er verwies darauf, dass an zahlreichen Stellen Wurzeln das Pflaster hochdrücken würden, „es gibt Handlungsbedarf.“

Von Leon Seyock

40 Bäume säumen die Ortsdurchfahrt in Holtwick. Im Zuge von Umgestaltungsmaßnahmen sollen diese gefällt werden. Foto: Foto: Leon Seyock

Etwa 50 Interessierte folgten der Einladung der Gemeinde zu einem ersten Informationsabend. Vor allem Anlieger, die von der Maßnahme direkt betroffen sein werden, verfolgten die Vorstellung der Planungen und verschafften sich im Laufe des Abends Gehör bei den Gemeindevertretern. Der geplante Ausbaubereich ist etwa einen Kilometer lang und reicht vom Holtkebach bis zum Ortsausgang Richtung Legden am Netto-Markt. Im Schnitt würden rund 9000 Kraftfahrzeuge (davon 650 Schwerlastfahrzeuge) die B 474 in 24 Stunden nutzen, erläuterte Matthias Eßling die Ausgangslange.

In der ersten der zwei vorgestellten Varianten soll ein auf dem Asphalt aufgemalter Schutzstreifen für Radfahrer entstehen. „Das hat den Vorteil, dass der Radverkehr zügig geführt werden kann und es für Radfahrer bessere Sichtverhältnisse gibt“, stellte Eßling heraus. Allerdings sei dann kein Parken am Fahrbahnrand mehr möglich, „und das Sicherheitsniveau ist schlecht“, wog Eßling ab. Insbesondere – das war bisher in den Planungen noch nicht berücksichtigt – führt eine Bedarfsumleitung der A 31 durch das Handwerkerdorf, „dann nimmt der Verkehr um ein Vielfaches zu, auch im Bereich der Schwerlast“, erörterte der Sachbearbeiter bei Straßen.NRW. Das sei letztendlich auch der ausschlaggebende Grund gewesen, weshalb der Landesbetrieb den Fokus auf eine zweite Variante legte, wonach ein kombinierter Geh- und Radweg entstehen soll. Dadurch könne eine klare Trennung zum Kfz-Verkehr erreicht werden, was „psychologisch wichtig ist“, die Führung der Radler und Passanten sei dadurch sicherer und auch Parken entlang der Straße wäre weiterhin möglich. Ein 50 Zentimeter breiter Schutzstreifen soll die Sicherheit zusätzlich erhöhen.

Dass dafür alle Bäume verschwinden müssten, verheimlichten die Vertreter von Straßen.NRW nicht. „Uns fehlt im Schnitt ein Meter auf dem Gehweg, wenn wir die Bäume stehen lassen würden“, informierte Eßling. Man habe sich angesehen, an welchen Stellen nach Abschluss des Umbaus neue, kleinere Bäume gepflanzt werden könnten. Die möglichen Standpunkte beschränkten sich etwa auf ein Dutzend. Dem Bürgermeister sei bewusst, dass es sich bei der Fällung um „einen erheblichen Einschnitt“ handele. Schaue man in die Baumkronen, frage man sich, weshalb die Fällung sein muss. „Die Antwort weiß man dann, wenn man auf den Boden schaut.“ Einzelne Stolperstellen würden regelmäßig ausgebessert, der „Flickenteppich“ sei aber nichts Dauerhaftes.

Dass jeder Baum einen Wert hätte, warf Winfried Weber ein. Eßling entgegnete, dass es sich „nicht um hochwertigen Baumbestand“ handeln würde – und deshalb auch keine Ausgleichmaßnahme nötig sei. Ein Anlieger befürchtete, dass die Lärmbelastung steigen könne, wenn Bäume als Schallschlucker verschwinden. Das Thema Lärmschutz sei bei den bisherigen Planungen nicht berücksichtigt, „das muss nur bei erheblichen Baumaßnahmen passieren“, so Eßling.

Das Thema Geschwindigkeit sprachen am Abend gleich mehrere Anlieger an. „Vor allem nachts wird das Tempo komplett ausgereizt“, schilderte ein Anwohner seine Wahrnehmung. Ein Starrenkasten, der in beide Richtungen blitzt oder eine optische Verengung der Straße: Die Verantwortlichen wollen die Vorschläge der Holtwicker aufnehmen und bei den weiteren Planungen berücksichtigen.

Im ersten Schritt zu einem neuen Gesicht Holtwicks würden die Bäume ab Oktober dieses Jahres gefällt werden. Der Umbau soll in 2022 durchgeführt werden. Ein exakter Zeitraum konnte noch nicht genannt werden, da auch auf die Versorgungsleitungen ein Blick geworfen werden müsse. Gottheil: „Unser Ziel ist es, die Straße in einen vorzeigewürdigen Zustand zu bringen.“

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