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Anzahl der Teilzeitkräfte verzerrt Besetzungsquote an Paulus-van-Husen-Sekundarschule

Kein Ende des Lehrermangels in Sicht?

Rosendahl

Überall hört man davon, Eltern von Schulkindern haben ihn vielleicht schon selbst erfahren, den Lehrermangel in Deutschland. Die Lage stellt sich laut offiziellen Zahlen der Bezirksregierung Münster vor Ort sehr unterschiedlich dar. Aber nur auf den ersten Blick. Denn fragt man Knut Kasche, Schulleiter der Sekundarschule Paulus van Husen (PvH) mit den Standorten Legden und Rosendahl, ist es nicht immer so, wie es scheint.

Von Laura Schulz-Gahmen

Knut Kasche, Schulleiter der Sekundarschule Paulus van Husen, erläutert, wie es an seiner Schule mit den Anzahl der Lehrkräfte aussieht. Foto:

Zurück zu den Zahlen. Die Bezirksregierung Münster hat für beide in Legden ansässigen Schulen die Besetzungsquoten herausgesucht. Danach unterscheiden sich die Besetzungen der Grundschule und der Sekundarschule enorm.

In der Brigiden-Grundschule sind 86,92 Prozent der Lehrerstellen besetzt. Das ist nicht überraschend, Lehrermangel herrscht ja überall. Da stimmt auch Silvia Florack zu, Schulleiterin der Brigidenschule.

Bestätigen konnte sie die derzeitige Besetzungsquote jedoch nicht: „Zur Besetzungsquote kann ich leider keine Angaben machen. Lehrermangel herrscht nicht nur an der Brigidenschule, sondern in ganz Deutschland“, lautet ihre Antwort auf eine Presseanfrage der Redaktion.

Anders sieht das bei Knut Kasche aus. In der Paulus-van-Husen-Schule sind laut Angaben der Bezirksregierung 126,61 Prozent der Lehrerstellen besetzt. Das klingt nach einem mächtigen Überhang in einer Zeit, in der alle Welt von einem Lehrermangel spricht.

„Auf dem Papier ist das so“, sagt Knut Kasche im Gespräch mit der Redaktion. Lehrerstellen bemessen sich nach den Schülerzahlen. An der Paulus-van-Husen-Schule sind in diesem Jahr mehr Schüler abgegangen, als sich angemeldet haben. Und da die vorhandenen Lehrer nicht einfach weggeschickt werden, gibt es tatsächlich derzeit einen Überhang.

Aber ein weiterer Grund für die hohe Besetzungsquote sind die vielen Teilzeitkräfte, die an der PvH-Schule angestellt sind. „An beiden Standorten – Legden und Rosendahl – haben wir zwar viele Köpfe, aber wenig Stunden“, so der Schulleiter.

Außerdem werden auch Langzeiterkrankte, die mehr als vier Wochen ausfallen, in die Besetzungsquote eingerechnet. „Wer dann den Zettel mit der Besetzungsquote von 126,61 Prozent an der PvH-Schule sieht, der kennt ja das Verhältnis der Erkrankten und Teilzeitkräfte darin nicht“, sagt Knut Kasche.

Trotzdem sagt er, dass es den Lehrermangel gibt, auch wenn es in seiner Schule derzeit diesen Überhang gibt. Vor allem in Fächern wie Chemie, Physik und Englisch gebe es nur wenige Fachkräfte. Man könne den Deutschlehrer nicht auf einmal Sportunterricht machen lassen. Es würden immer wieder Fachlehrer in Wellen eintreffen. Diese würden dann von der Politik verteilt, und danach seien sie wieder weg.

Die Gymnasien seien hingegen überbesetzt, während man an Sekundarschulen und Gesamtschulen auf Fachlehrer warte. Da sei es gut, dass die Lehrer, die derzeit an den Gymnasien zu viel da seien, jetzt auf andere Schulformen verteilt würden.

„Wir haben jetzt eine Kollegin, die vom Gymnasium für 18 Monate zu uns gekommen ist“, sagt Knut Kasche. Sie sei aber freiwillig gekommen, um sich mal eine andere Schulform anzusehen. Silvia Florack sieht erst einmal kein Ende des Lehrermangels, auch wenn es keine speziellen Mängelfächer in den Grundschulen gebe: „Dieser Mangel wird noch länger andauern. Grundschullehrkräfte werden anders im Unterricht eingesetzt als Lehrkräfte an weiterführenden Schulen. Dort muss jedes Fach studiert sein. In der Grundschule wird auch fachfremd unterrichtet. Somit gibt es keine speziellen Mangelfächer.“

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