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Bürgerschützen Holtwick feiern mit König Dirk I. ein ausgelassenes Fest

„Kein Regen – es waren Freudentränen“

Holtwick

Nein, Regen war es nicht, der am Sonntagabend sachte vom Himmel fiel. „Das waren Freudentränen“, korrigiert Dirk I. Vörding. Und die konnte seine neue Majestät auch verdient verdrücken – hatte er doch schon im Vorfeld ein Auge auf die Königswürde geworfen. Über beide Ohren strahlend steht Dirk I. am Montagmorgen in der Kutsche am Kirchplatz. Er nimmt seinen Hut vom Kopf und reckt ihn mit ausgestreckter Hand in die Höhe. Jubelnd und grölend marschieren die Offiziere und Kompanien an ihm vorbei, die ihm zur Kutsche hinauf winken. „Das ist einfach ein tolles Feeling“, beschreibt Vörding.

Von Leon Seyock

Wenn Schützenfest ist, dann ist ganz Holtwick auf den Beinen. Auch die Frauenkompanie mit weit über 100 Damen mischte am Montag das Treiben im Dorf ordentlich auf. Foto: Leon Seyock

Dabei war es von Beginn an gar nicht mal so sicher, dass er derjenige sein wird, der die Holtwicker Bürgerschützen für ein Jahr regieren darf. In einem spannenden Duell mit Oberst Ludger Decking lieferte sich Vörding am Sonntagnachmittag beim Vogelschießen ein Kopf-an-Kopf rennen. „Beide haben wirklich gut geschossen und fast immer getroffen“, kommentiert Präsident Martin Wilde in einem Gespräch am Rande des Bierkönigsschießens am Montag. Umso größer war schließlich die Freude, als Vörding mit dem 193. Schuss das Holzvieh von der Stange holte. „In diesem Jahr hatte ich einfach Bock“, erzählt seine Majestät. Endlich, kann man sagen, denn geplant war sein Vorhaben schon länger – ganz anders sieht es da bei seiner Königin Sina Albers aus. Sie wurde nach dem Königsschuss regelrecht überrumpelt, „aber für seinen Lieblingsnachbarn tut man ja fast alles“, lacht sie. Lange überlegen, ob sie die Würde annimmt, musste sie jedenfalls nicht.

Am Abend durften sie sich dann in der Kutsche thronend vom Holtwicker Fußvolk in der Dorfmitte feiern lassen. „Vor allem beim Zapfenstreich macht sich schon ein besonderes Gefühl breit. Man hat den Eindruck, dass alles nur für einen selbst gemacht wird“, versucht Dirk I. seine Gedanken in Worte zu fassen.

Nicht nur am Samstag, sondern auch am Sonntagabend beim Ball zu Ehren des neuen Königshauses habe man gemerkt, „dass die Holtwicker nach Corona endlich wieder feiern wollen“, urteilt Vorstandsmitglied Christoph Lembeck. Das Zelt sei an beiden Abenden voll gewesen, „überall war ausgelassene und fröhliche Stimmung“, freut sich Lembeck.

Gestern Vormittag war dann erneut scheinbar ganz Holtwick auf den Beinen. Unter zahlreichen Blicken von Zuschauern – unter anderem waren alle Grundschüler gekommen – hatte Martin Wilde alle Hände voll zu tun. Er nahm zig Ehrungen, auch aus den vergangenen beiden Jahren, vor, ehe es erneut per Marsch durchs Dorf in den Schützenbusch ging. Dort schmeckte das Bier, und erstmalig spielte mit einem Platzkonzert die Holtwicker Jugendblaskapelle unter der Leitung von Franziska Stroot auf. Jubeln konnten am Ende der Festtage noch Barbara Kloster und Jan Terwey, die sich die Krone als Bierkönige aufsetzen durften. Ob da auch die eine oder andere Freudenträne verdrückt wurde...?

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