1. www.azonline.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Rosendahl
  6. >
  7. „Keiner weiß, wo die Reise hingeht“

  8. >

Wie Verwaltung und Unternehmen in Rosendahl mit steigenden Energiepreisen umgehen

„Keiner weiß, wo die Reise hingeht“

Rosendahl

Absenkung der Temperaturen in gemeindlichen Gebäuden, Anschaffung von Speichern für Solarstrom oder die Verwendung von Abfallprodukten aus dem eigenen Betrieb fürs Heizen: Die Einsparung von Energie aufgrund explodierter Kosten und gedrosseltem Gasfluss beschäftigt auch Betriebe in Rosendahl. Indikator dafür ist nicht zuletzt der Gas-Notfallplan, den die EU jüngst auf die Beine gestellt hat. Auf den ersten Blick wirkt dieses Wort erschreckend, hinter diesem Titel verbirgt sich eine Einigung, die besagt, dass der Gasverbrauch in den einzelnen EU-Staaten in den kommenden Monaten freiwillig um 15 Prozent gesenkt werden soll. So oder so: Gut beraten ist jedenfalls der, der sich bereits jetzt Gedanken über die kalten Monate macht. Die Gemeindeverwaltung und zwei Unternehmen aus Rosendahl berichten beispielhaft, wie sie sich aufgestellt sehen und welche Wege sie gehen.

Von Leon Seyock

Energieintensiv seien die Gebäude, die der Gemeinde angehören: Schulen, die Lehrschwimmhalle, Feuerwehrgerätehäuser. „Wir überlegen, in unseren gemeindlichen Gebäuden die Temperaturen etwas abzusenken“, teilt Anne Brodkorb mit. Nach den Sommerferien wolle die Verwaltung das Heizverhalten unter die Lupe nehmen und „hausintern abstimmen“, wo Einsparpotenziale sind.

Der Energieverbrauch sei bei Beton Potthoff „ein riesiges Thema“, wie Dieter Volmer von der Disposition berichtet. Die Kosten für Strom hätten sich schon jetzt verdoppelt, bei Gas „weiß keiner, wo die Reise hingeht“. Vor Jahren habe man auf Dächern der Firmengebäude eine Photovoltaik-Anlage installiert, „damit können wir 40 Prozent unseres Stromverbrauchs decken“, so Volmer. Das sei „ein relativ guter Wert“, urteilt er, aber man will noch weitergehen: „Wir möchten Speicher aufstellen, damit wir Energie, die samstags und sonntags produziert wird, auch an unseren Arbeitstagen unter der Woche nutzen können.“ Bei Gas sehe das schon anders aus, „das ist schwieriger zu händeln“, meint Volmer. Gas werde zwar nicht für die Produktion, aber zum Heizen der Hallen und Büros genutzt. In diesen überlege das Unternehmen, die Temperaturen um ein oder zwei Grad abzusenken. „Wir möchten der Allgemeinheit helfen. Was geht, machen wir auch“, sagt Volmer.

Probleme mit gestiegenen Gaspreisen dürfte die Firma Hoffmann Interior nicht haben: „Unser Verbrauch ist gleich null“, sagt Geschäftsführer Guido Kruthoff auf AZ-Nachfrage. Denn: In der Produktion der Möbel fallen jede Menge Holzspäne an, „und die nutzen wir zum Heizen.“ Somit benötige das Unternehmen fürs Wärmen der Arbeitsorte „keine fossilen Energien“, so Kruthoff. Hoffmann Interior arbeite daran, in naher Zukunft komplett CO2-frei zu agieren. In einem ersten Schritt habe man damit begonnen, den Stromverbrauch zu reduzieren – etwa durch die Umrüstung auf LED-Beleuchtung, nennt der Geschäftsführer ein Beispiel. Er gibt allerdings auch zu verstehen, dass es Bereiche in dem Unternehmen gebe, in denen „wir den Energieverbrauch nicht ändern können.“ Dazu zählt etwa die Logistik oder die Montage. Auch die Lastwagen seien ein Knackpunkt: „Diese sind europaweit unterwegs. Wir warten auf neue Möglichkeiten, unsere Flotte effizienter und umweltschonender zu gestalten“, ergänzt Kruthoff.

Startseite
ANZEIGE