Der Alltag im eingeschränkten Pandemiebetrieb in den Kindertagesstätten

„Kinder müssen sehr zurückstecken“

Rosendahl. Wie leergefegt seien schon seit Wochen die Flure in der DRK-Kita Panama in Holtwick. „Die Kinder, die zur Betreuung kommen, bleiben ausschließlich in ihren Gruppen und haben untereinander keinen Kontakt“, sagt Einrichtungsleiterin Lea Terwei. Auch die Spielbereiche im Freien seien deshalb abgetrennt. „Das ist schon traurig, wenn die Kinder sich sehen können und miteinander spielen möchten, sie es aber nicht dürfen.“

Leon Seyock

Gemeinsame Aktionen wie auf diesem Archivbild – die Namensgebungsfeier der Kita Panama und dem Gießen der gleichnamigen Rose – sind aktuell in den Kindertagesstätten im eingeschränkten Pandemiebetrieb nicht möglich. Die Kinder, die zur Betreuung in die Kitas kommen, müssen innerhalb ihrer Gruppen bleiben, wie Beteiligte berichten. Foto: Leon Seyock/Archiv

Seit Beginn des Lockdowns gilt in den Kindertagesstätten der eingeschränkte Pandemiebetrieb. Heißt: Kinder sollten nur in die Kita gebracht werden, wenn eine Betreuung im eigenen Zuhause nicht gewährleistet werden kann. Die Schützlinge dürften zudem pro Woche zehn Stunden weniger als die gebuchte Zeit in der Kita verweilen; sind beispielsweise 45 Stunden gebucht, so wird aktuell eine Betreuung von 35 Stunden pro Woche gewährleistet. Wie diese Stundenzahl aufgeteilt wird und an welchen Tagen die Kinder die Kitas besuchen, liege in den Händen der Eltern.

„Wir merken aber, dass es Woche für Woche mehr Kinder werden“, sagt Nina Sonnenfeld, Einrichtungsleiterin des Katholischen Kindergartens St. Nikolaus Darfeld. In vier Gruppen mit festen Erziehern würden die Kinder in der Einrichtung betreut. „Die Arbeit wird dadurch allerdings nicht weniger“, betont sie. Denn auch das gemeinsame Mittagessen sei untersagt, zudem müsse auf die Einhaltung des Hygienekonzeptes geachtet werden. Die Kinder würden den anderen, durch die Pandemie bestimmten Alltag vor allem durch fehlende Angebote bemerken. „Gemeinsame Aktionen, der Besuch vom Nikolaus und auch die Karnevalsfeiern sind nur einige Beispiele von dem, was aktuell nicht möglich ist.“ Basteln, Verstecken, Spiele, Vorlesen – „der normale Ablauf“ – bestimme zur Zeit den Alltag in den einzelnen Gruppen. „Die Kinder vermissen sich untereinander“, so die Bilanz von Sonnenfeld.

Ähnliches berichtet Lea Terwei aus der Kita Panama, die in Trägerschaft der DRK-Kindertageseinrichtungen im Kreis Coesfeld gGmbH geführt wird. „Das Pädagogische fehlt einfach. Aktuell geht es nur um den Aspekt der Betreuung“, sagt sie. Das betont auch Christoph Schlütermann als Geschäftsführer der gGmbH: „In unseren Einrichtungen verfolgen wir offene Konzepte, die wir im Moment nicht realisieren können. Der wichtige Bildungsaspekt fehlt aktuell“, bringt er es auf den Punkt. Terwei ergänzt: „Die Kinder müssen aktuell sehr zurückstecken.“ Die Angebote für die Kinder seien eingeschränkt, die Nutzung der Turnhalle und Außenanlagen müsse abgesprochen werden, dazu komme das Desinfizieren: „Es ist alles mit sehr viel Aufwand verbunden“, so Terwei. Von einem „Kraftakt“ der nun bereits seit mehreren Monaten andauert, spricht Schlütermann diesbezüglich.

Trotz der Auflagen des Landes, die vor Ort in jeder Einrichtung umgesetzt werden müssen, spüre Dominik Erdelkamp als Verbundleiter des Katholischen Familienzentrums Rosendahl eine „hohe Eigenverantwortung bei den Eltern“. Rund ein Viertel bis ein Drittel aller Kinder würden im Durchschnitt in den Kitas der katholischen Pfarrgemeinde betreut. Dass die Zahl langsam zunehme, sei verständlich: „Die Belastung für die Familien wird im Laufe der Zeit immer größer.“ Dennoch sei er froh, wenn den Eltern durch Betreuungsangeboten „Last abgenommen“ werden könne. Erdelkamp betont, dass das Familienzentrum alle Eltern in den Blick nehmen wolle – dazu würden beispielsweise regelmäßig Materialien zur Beschäftigung per Mail in die Familien geschickt.

Schlütermann schätzt, dass aktuell im Schnitt rund zwei Drittel aller Kinder in den DRK-Einrichtungen in Rosendahl betreut werden würden, „die Inanspruchnahme ist groß.“ Aber auch er habe als Geschäftsführer festgestellt, dass die Eltern „sehr verantwortungsvoll“ mit der Situation umgehen und sich „intensive Gedanken“ um die Betreuung ihres Kindes machen würden. „Und wenn wir dann doch aushelfen können, wird unser Angebot auch dankend angenommen“, stimmt er dem Verbundleiter der kirchlichen Einrichtungen zu.

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