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Dokumente zum Nachweis der Sicherheit müssen erst vorliegen

Kreis nimmt Windkraftanlage vom Netz

Osterwick

Großräumig sind die Wirtschaftswege rund um eine der drei großen Windkraftanlagen im Bergkamp nahe Fenster + Fassaden Wigger abgesperrt. Kaum noch dreht sich die betroffene Anlage im Wind, deren Rotorblätter 240 Meter hoch in den Himmel ragen. „Wir haben die Windkraftanlage außer Betrieb gesetzt“, bestätigt Christoph Hüsing, Pressesprecher der zuständigen Kreisverwaltung, auf AZ-Nachfrage. Bereits im Frühjahr standen die Flügel einige Wochen wegen Reparaturarbeiten still. Zwischenzeitlich drehte sich die Anlage wieder mehrere Monate, ehe sie nun vergangenen Freitag wieder vom Netz genommen wurde. Nach derzeitigem Kenntnisstand seien es ein Reparatur- und ein Prüfbericht vom Hersteller der Anlage, die dem Kreis nicht vorliegen würden.

Von Leon Seyock

Die Kreisverwaltung hat eine der drei großen Windkraftanlagen auf dem Bergkamp nahe Fenster + Fassaden Wigger außer Betrieb genommen. Der gemeindliche Bauhof hat die Wege nahe der Anlage großräumig abgesperrt. Laut Kreis müsse der Betreiber die Sicherheit der Anlagen nachweisen. Foto: Leon Seyock

Betrieben wird die Anlage sowie zwei weitere Typen dieses Modells im Bereich Bergkamp (Midlich/Höven) von der Kuhlenbusch GbR. Einen ersten Vorfall hat es bereits im Februar gegeben, wie Gesellschafter Henrik Althues berichtet. In der Anlage sei ein sensibles Sicherheitssystem verbaut, das eine Unwucht erkannt und die Anlage abgeschaltet hat. „Mit einer Drohne haben wir unsere Anlage untersucht und einen rund 30 Zentimeter langen Riss an der Hinterkante eines Flügels entdeckt“, berichtet Althues. Besonders prekär: Am 2. Januar dieses Jahres ist von einem baugleichen Typ dieser Windkraftanlage in Gronau-Epe ein Flügel abgebrochen.

Bis die Reparatur des „Windrades“ in Osterwick stattfinden konnte, sind wegen des windigen Frühjahrs einige Wochen ins Land gezogen. „Nach Herstellervorgaben“ seien die Reparaturarbeiten schließlich Ende April beendet worden.

Die Anlage ging zurück ans Netz, bis Anfang Juni wieder die eingebauten Sensoren Alarm schlugen. „Die Abweichungen waren minimal, die Toleranz wurde kaum überschritten“, so Althues. Der Hersteller rückte erneut mit einer Drohne an und untersuchte die mittlerweile wieder abgestellte Anlage. Dieses Mal wurden laut Althues allerdings keine Schäden entdeckt – sodass sich die Flügel wieder im Wind drehten. Bis jetzt.

Denn der Kreis war es, der sich am 1. Juli bei Althues meldete und ankündigte, die Anlage unmittelbar zu stoppen. Zur zusätzlichen Sicherung hat der Bauhof der Gemeinde die umliegenden Straßen gesperrt – wegen der Gefahr herabfallender Teile. „Da wird nichts auf den Weg fallen“, versichert der Gesellschafter in Anbetracht der Tatsache, dass bei der jüngsten Untersuchung keine Unregelmäßigkeiten festgestellt werden konnten.

Um die Anlage wieder starten zu können, sei der Betreiber am Zug. Hüsing: „Er muss nachweisen, dass die Anlage ohne Gefahr betrieben werden kann.“ Offenbar geht es dabei um einen Reparatur- und einen Prüfbericht, die die Herstellerfirma zum Vorfall im Februar anfertigen muss. Diese Schreiben würden aber bislang weder beim Kreis, noch bei der GbR vorliegen, teilt Althues mit. Eine Anfrage bei der Hersteller-Firma der Windkraftanlage blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Heute aber sollen die Dokumente laut Althues eintreffen – was auch im Sinne der Betreiber sei: „Der Kreis hat völlig recht. Denn Sicherheit geht vor Ertrag“, unterstreicht der Gesellschafter. Aus diesem Grund habe die GbR selbst einen Gutachter als „doppelte Absicherung“ beauftragt, der sich die Windkraftanlage zeitnah ansehen werde.

+++ UPDATE (Mittwoch, 14 Uhr) +++
Für sechs Tage hatte der Kreis Coesfeld eine der drei großen Windkraftanlagen auf dem Bergkamp nahe Fenster + Fassaden Wigger außer Betrieb genommen. Ab heute Nachmittag sollen sich die Rotorblätter wieder im Wind drehen. Henrik Althues von der Kuhlenbusch GbR, die die Anlagen betreibt, erklärt: „Heute Vormittag lagen die notwendigen Reparatur- und Prüfberichte vor.“ Das Fehlen dieser war offenbar der Grund für den tagelangen Stillstand. Mit den Dokumenten sei laut Althues nun nachgewiesen, dass die Reparaturen im Frühjahr an einem beschädigten Flügel sachgemäß durchgeführt wurden und die Anlage ohne Sicherheitsbedenken wieder ans Netz gehen kann. Nach einer durchgeführten Wartung soll das „Windrad“ heute gegen 15 Uhr wieder angeschaltet werden.

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