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Der Landwirtschaftliche Ortsverein Osterwick (LOV) zur aktuellen Lage

Kritische Aussicht selbst für Optimisten

Osterwick

„Selbst Vollblut-Optimisten fällt es derzeit schwer, in die Zukunft zu blicken.“ Prägende und mahnende Worte wählte Berthold Abbenhaus, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Osterwick (LOV) bei seiner Begrüßung zur diesjährigen Generalversammlung. Immer mehr Forderungen, die den Landwirten auferlegt werden, gestiegene Preise und Endkunden, die vermehrt zu günstigen Produkten greifen würden: „Wir müssen viele Baustellen gleichzeitig anpacken“.

Von Leon Seyock

Bilden den Kopf des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Osterwick: (von links) Berthold Abbenhaus (1. Vorsitzender), Margret Wiechert-Kersting (Kassiererin), Luca Schulze Averdiek (2. Vorsitzender) und Martin Feldkamp (Schriftführer). Unterstützt werden sie in ihrer Arbeit von weiteren Mitgliedern, die den LOV in Ausschüssen vertreten. Foto: Foto: Leon Seyock

Zwei Jahre lang musste die Versammlung wegen der Corona-Pandemie ausfallen. „Wir Landwirte haben den großen Vorteil, dass sich unser Leben in dieser Zeit nicht groß verändert hat“, betonte Abbenhaus. Es sei für ihn ein „Privileg“, dass er seine Arbeit ohne Maske ausführen konnte, anders als es in vielen Berufssektoren üblich war und ist. Wenn man der Pandemie etwas Gutes abgewinnen will, dann sei es die Rückbesinnung auf gute Lebensmittel. Aber: Auch wenn die Pandemie nun einigermaßen „im Griff“ sei, ist ein neuer Krisenherd aufgeflammt, der auch die hiesigen Landwirte deutlich treffe: der russische Angriffskrieg. „Weizen, den die Ukraine für den Weltmarkt produziert, ist zu einem der teuersten Rohstoffe geworden“, so der Vorsitzende. Allein durch diese Verknappung würden viele Futtermittel „sehr viel teurer“ werden, was sich dann wiederum auf die Lebensmittelpreise niederschlage. Abbenhaus: „Wir Landwirte stehen mit dem Rücken zur Wand, wenn der Lebensmitteleinzelhandel die Kostenlage nicht an den Endverbraucher weitergibt.“ Neben Planungssicherheit, die die Landwirte bräuchten, sei es die Gewissheit, dass der Endkunde diese höheren Preise auch bezahlt. Bei der derzeitigen Inflation von rund acht Prozent werde aber „leider wieder mehr zu preisgünstigen Produkten gegriffen.“

Der Krieg in der Ukraine mache mehr als deutlich, wie wichtig die heimische Landwirtschaft sei, „um die Abhängigkeit vom Ausland möglichst gering zu halten“, unterstrich der Vorsitzende, der für seine deutlichen Worte Zustimmung aus den Zuschauerreihen bekam.

Neben aktuellen Berichten des Kreisverbandes aus der Vereinsarbeit des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) und der Landwirtschaftskammer trug Dorothea Roters von der Gemeinde in Vertretung für Bürgermeister Christoph Gottheil aktuelle Themen vor, die die Verwaltung aktuell beschäftigen – unter anderem die Kindergartensituation, die Digitalisierung, Windenergie oder die Umgestaltung der Ortsdurchfahrt in Holtwick und Osterwick.

Turnusgemäß standen zudem Wahlen an, Abbenhaus wurde als Erster Vorsitzender, Margret Wiechert-Kersting als Kassiererin und Martin Feldkamp als Schriftführer einstimmig im Amt bestätigt. Für Heinz-Georg Schulze Kalthoff wurde Luca Schulze Averdiek als neuer Zweiter Vorsitzender gewählt. Unterstützt wird der Kopf des LOV von zahlreichen Mitgliedern, die den Verein in Ausschüssen vertreten. Mit frischem Wind will der Vorstand nach der Pandemie wieder durchstarten. „Nur gemeinsam können wir die Zukunft meistern und weiterhin Gutes für Deutschland produzieren. Packen wir es an“, motivierte Abbenhaus.

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