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Ingenieurbüro Rummler + Hartmann schlägt Dyna-Sand-Verfahren als vierte Reinigungsstufe vor

Mikroschadstoffe aus Wasser filtern

Rosendahl. Nur noch bis Ende 2020 darf das Wasser aus der Kläranlage Osterwick in den Varlarer Mühlenbach eingeleitet werden. Dann läuft die wasserrechtliche Genehmigung aus.

Manuela Reher

Die Bezirksregierung Münster wird die Frist nur verlängern, wenn sich die Gemeinde Rosendahl mit dem Thema im Rahmen einer Machbarkeitsstudie befasst. Das machte Bürgermeister Christoph Gottheil in der Sitzung des Ver- und Entsorgungsausschusses deutlich.

Das Havixbecker Ingenieurbüro Rummler + Hartmann hat jetzt die Ergebnisse der Analyse vorgestellt. Es ging vor allem darum festzustellen, welche Mikroschadstoffe in welcher Konzentration nach der Behandlung des Wassers in der Kläranlage noch im Wasser enthalten sind.

Bei den abwasserrelevanten Mikroschadstoffen handelt es sich zum Beispiel um Human-Arzneimittel, Röntgenkontrastmittel, Süßstoffe, Haushaltschemikalien, synthetische Duftstoffe und weitere Industriechemikalien, wie Manfred Rummler erläuterte. Vier der 23 untersuchten Stoffe seien in höherer Konzentration entdeckt worden – darunter das Schmerzmittel Diclofenac.

„Der Rückhalt der Mikroschadstoffe ist innerhalb der Kläranlage in Osterwick nicht ausreichend“, machte der Fachmann deutlich, wenngleich er der Gemeinde bescheinigte, dass die konventionelle Reinigung in der Kläranlage sehr gut funktioniere. Das Lüftungssystem könne aber verbessert werden.

Ziel der Wasserrahmenrichtlinie sei ein guter Zustand der Gewässer. Der ökologische Zustand des Varlarer Mühlenbachs sei unbefriedigend. Daher ergebe sich Handlungsbedarf.

Generell seien kommunale Kläranlagen nicht nach dem derzeitigen Stand der Technik darauf ausgelegt, Mikroschadstoffe herauszufiltern. Die Kläranlagen würden damit einen der Haupteintragspfade in den Wasserkreislauf und somit auch in das Trinkwasser darstellen.

Kai Harmjanßen vom Ingenieurbüro Rummler + Hartmann stellte in der Sitzung ein Dyna-Sand-Verfahren vor, mit dem Mikroschadstoffe aus dem Wasser herausgefiltert werden können. Im Vergleich zu einem Verfahren mit Aktivkohle, die nach der Verwendung verbrannt werden müsste, halte das Dyna-Sand-Verfahren zusätzlich auch Mikroplastik zurück.

Die Kosten für den Bau einer sogenannten vierten Reinigungsstufe in der Kläranlage in Osterwick, die für 13 000 Einwohner ausgelegt ist, würden sich auf 1,7 Millionen Euro belaufen. Falls die Gemeinde diese Maßnahme freiwillig umsetze, sei es möglich, dass diese Investition zu 70 Prozent gefördert werde.

Winfried Weber (Grüne) bezeichnete es als „fast fahrlässig“, wenn nur 23 der insgesamt 642 Mikroschadstoffe aus der aktuellen Liste untersucht würden. Hormone seien ebenfalls Schadstoffe und hätten auch über das Trinkwasser Auswirkungen auf den menschlichen Organismus.

Martin Branse (SPD) regte an, die zu reinigenden Mengen in der Kläranlage zu reduzieren. Durch das historisch gewachsene Mischwasserkanalsystem komme in der Kläranlage neben Abwasser auch jede Menge Niederschlagswasser an. Fachmann Manfred Rummler räumte ein, dass Fremdwasser in Kläranlagen generell ein Problem darstelle.

Nach Durchführung der Machbarkeitsstudie ist die Gemeinde Rosendahl noch nicht verpflichtet, die in der Studie erarbeiteten Maßnahmen durchzuführen. Schließlich gibt es hierfür noch keine technischen Richtlinien sowie keine rechtlichen Mittel.

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