1. www.azonline.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Rosendahl
  6. >
  7. Mit Aufklärung zu weniger Wildunfällen

  8. >

Aktion „Safer Sex“ der Polizei auf der L 555 zwischen Darfeld und Osterwick

Mit Aufklärung zu weniger Wildunfällen

Rosendahl

Was hat bitte „Safer Sex“ mit einer Geschwindigkeitskontrolle der Polizei zu tun? Eine ganze Menge. Schließlich ist aktuell der Bock hinter der Ricke her. „Die Rehe sind liebestoll und achten daher weniger auf den Straßenverkehr“, informiert Polizeidirektor Thomas Eder. Mit dem Aktion „Safer Sex“ sollen Autofahrer auf die derzeitige Blattzeit, also die Paarungszeit des Wilds, aufmerksam gemacht werden. Aus diesem Grund haben am Donnerstagmorgen mehrere Beamte Geschwindigkeitskontrollen auf der L 555 zwischen Darfeld und Osterwick durchgeführt.

Von Leon Eggemann

Von den insgesamt 1216 Fahrzeugen, deren Geschwindigkeit auf der L 555 zwischen Osterwick und Darfeld kontrolliert wurde, waren 53 zu schnell unterwegs. Foto: Foto: Leon Eggemann

Dass ausgerechnet diese Strecke ausgewählt wurde, ist kein Zufall. „Allein auf der L 555 hat es im vergangenen Jahr 28 Wildunfälle gegeben“, schildert Eder. Darüber hinaus stünden 27 Prozent der Verkehrsunfälle in Verbindung mit Wild. Um die Anzahl an Vorfällen zu mindern, sollen die Autofahrer über den richtigen Umgang mit Wildwechsel informiert werden. „Oberste Priorität hat dabei das Einhalten der vorgegeben Geschwindigkeit, um im Falle eines Wildwechsel noch reaktionsfähig zu sein“, betont Franz-Josef Schulze Thier, Vorsitzender der Jägerschaft des Kreises Coesfeld. Er war gemeinsam mit Josef Diekamp, Forstamtsleiter des Grafen Droste zu Vischering sowie Stephan Niesert von der Kreisjägerschaft ebenfalls vor Ort, um Aufklärungsarbeit zu leisten. Schließlich müssten für eine erfolgreiche Reduzierung der Wildunfälle neben der Polizei auch weitere Akteure wie Landwirte oder die Straßenverkehrsbehörde miteinander kooperieren. „Ein größerer Faktor ist unter anderem, dass Blühstreifen, die den Tieren als Nahrungsquelle dienen, nicht direkt an vielbefahrenen Straßen gepflanzt werden sollten“, nennt Niesert ein konkretes Beispiel. Andernfalls könne aus einem gut gemeinten Blühstreifen schnell ein Todesstreifen werden.

Ab 5.30 Uhr in der Früh waren die Beamten bereits in Höhe der Jägerheide positioniert. Immerhin ist in der Dämmerung die Aktivitäten der Rehe besonders hoch. Das Tempo von insgesamt 1216 Fahrzeuge ist bis in den Vormittag kontrolliert worden. Von diesen waren 53 zu schnell unterwegs, 51 Fahrern winkt ein Verwarnungsgeld, zwei erhalten eine Ordnungswidrigkeitenanzeige, fasst es die Polizei in ihrer Bilanz zusammen. Stichprobenartig wurden die Temposünder dann aus dem Verkehr gezogen. Es folgte ein aufklärendes Gespräch mit den Polizeibeamten über die Risiken des Wildwechsels und das richtige Verhalten im Ernstfall. „Der Großteil hat Verständnis für die Aktion gezeigt“, resümiert Dirk Maier vom Verkehrsdienst Dülmen.

Noch bis Mitte August gilt für die Autofahrer, besondere Vorsicht im Hinblick auf Wildwechsel walten zu lassen. Immerhin befinden sich die Rehe bis dahin noch in der Paarungszeit. „Laut Statistik kommt es zwischen Juli und August nach dem April und Oktober zu den meisten Wildunfällen“, weiß Maier. Neben der Überschneidung von Dämmerung und Rush-Hour im Straßenverkehr kann dies im Oktober mit der Maisernte begründet werden. „Die Felder dienen den Tieren als Lebensraum. Oft landen sie bei der Suche nach Ersatz auf der Straße“, so der Polizeibeamte. Damit es in zwei Monaten nicht erneut zu vermehrten Unfällen kommt, sollen die Autofahrer mit Aktionen wie „Safer Sex“ sensibilisiert werden.

Startseite