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Alice Kleyboldt restauriert Christus-Statue aus Holtwick in ihrer eigenen Werkstatt

Regenwasser ist ihr größter Gegner

Rosendahl/Dülmen

Nahezu gleicht es einem Kampf. Ein Kampf, den sie immer wieder aufs Neue eingeht. Ihre Gegner sind Regen, Wind und Wetter – „die typisch westfälische Witterung eben“, sagt Alice Kleyboldt. Mit einem kleinem Skalpell in der Hand steht sie vor einer rund 1,5 Meter großen Christus-Statue, die normalerweise an der Kreuzstraße in Holtwick thront. Vorsichtig schnitzt sie kleine Holzplatten ab, die sie in feine Risse der Statue geklebt habt, um diese zu verfüllen. „Holz im Außenbereich ist besonders anspruchsvoll und benötigt eine besondere Behandlung“, weiß die Restauratorin. Und doch hat sie das Duell gegen die ständige Witterung auch bei dieser Figur angenommen.

Von Leon Seyock

Alice Kleyboldt ist selbstständige Restauratorin mit eigener Werkstatt auf ihrem Hof in Rorup. Aktuell ist sie unter anderem mit der Restaurierung des Holtwicker Kreuzes beschäftigt. Foto: Fotos: Leon Seyock

Der Geruch aus einer Mischung von frischem Holz, Lack und Kleber steigt in die Nase. Die Wände hängen voller Werkzeuge, in Flaschen und Gläsern befinden sich Harze, unterschiedliche Öle, Lösemittel und Farben. Inmitten der Werkstatt präsentiert sich eine große Kommode, dahinter stehen zahlreiche Holzstühle. Aus unterschiedlichen Epochen würden die Dekormöbel stammen. „Und hier“, sagt Alice Kleyboldt, „steht der Altar aus der Kapelle in Visbeck“, sagt sie und schlägt die Decke um, die den Opfertisch bedeckt. Fertig restauriert, bereit zur Abholung. Der Blick schweift weiter durch die Werkstatt, die sich auf dem Hof der Restauratorin zwischen Rorup und Lette befindet, und fällt auf die Christus-Statue, die auf vier Barren liegt. Von der Gemeinde Rosendahl hat sie den Auftrag bekommen, diese zu restaurieren und wetterfest herzurichten.

Dass noch eine Menge Arbeit vor der vierfachen Familienmutter liegt, erklärt sie mit Fingerzeig auf die Statue: „Besonders im Lendenbereich, an den Füßen und am Kopf ist viel Wasser eingedrungen.“ Wasser – das ist der Hauptgegner in diesem Kampf. Sie schildert, dass die Statue damals mit einem Lack behandelt wurde – doch das habe der Figur letztendlich geschadet, denn: „Regenwasser dringt durch kleine Löcher und Risse in die Figur ein, breitet sich aus und kann nicht wieder abfließen.“ Das mache sich nach Jahrzehnten bemerkbar: Die Risse werden größer, und in kleinen Würfeln brechen sichtbar Teile des Holzes ab.

Die Beine der Statue hat Kleyboldt bereits behandelt. Nach der Dokumentation steht im ersten Schritt das Lösen der Lackschicht an. Erst dann bekommt sie auch die tieferliegenden Schäden zu Gesicht und beurteilt, wie sie weiter vorgeht. Bei den Beinen hat sie zu kleinen Holzplättchen gegriffen, die sie mit Leim in die Risse geklebt hat. Mit einem Skalpell schnitzt sie diese ab, sodass eine glatte Oberfläche entsteht. Schwieriger werde es bei größeren Schäden oder unebenen Flächen. Doch auch dafür ist die Restauratorin ausgestattet: Sie geht einige Schritte auf eine Wand voller Schubladen zu. Birke, Mahagoni, Nussbaum: In jedem Fach liegen Stücke unterschiedlicher Holzarten. „Bei der Christus-Statue handelt es sich um Eichenholz“, weiß Kleyboldt und öffnet die Schublade mit entsprechender Aufschrift. „Ich nehme etwas davon Holz und schnitze ein passendes Stück heraus.“

Die Mischung unterschiedlicher Holzarten und die Kunstgeschichte, die hinter den Objekten steckt, ist es, was die Familienmutter in ihrer Arbeit bestärkt. „Ich versuche immer, mich in die jeweilige Zeit hineinzuversetzen.“ Beruflich reist sie so durch die verschiedenen Epochen der Zeit.

Eine gute Zusammenarbeit von Restauratoren, Bauhof, der Kommune und den Heimatvereinen sei unabdingbar für Restaurationen von Kunst im Außenbereich – so wie es auch bei der Christus-Statue erfolgt sei. Nach Abschluss dessen Restauration wird sie mit mehreren Schichten Leinölfarbe versehen. „Jede Schicht muss mehrere Tage trocknen, das wird einige Zeit in Anspruch nehmen.“ Zeit, die sich die Restauratorin gern nimmt. Um den Kampf gegen Wind und Wetter auch bei diesem Objekt zu gewinnen.

- Zur Person:

Dass sie mit Holz werken und später als Restauratorin arbeiten möchte, wusste Alice Kleybdolt schon in jungen Jahren. „Wir haben damals in einem alten Haus im Schwarzwald gewohnt und ich habe mich gerne auf dem Dachboden aufgehalten“, erinnert sie sich. Dort habe sie gern in alten Sachen gekramt und sie hin und wieder sauber gemacht, um ihnen ein neues Leben einzuhauchen. „Das war ein Schlüsselmoment, der mich mein Leben lang geprägt hat“, sagt sie. Nach ihrem Abitur begann sie eine Schreinerlehre, denn eine Ausbildung im Holzbereich sei die Voraussetzung für ein Studium an der Fachakademie zur Ausbildung von Restauratoren für Möbel und Holzobjekte in München. Berufserfahrungen sammelte sie in verschiedenen Museen weltweit, unter anderem in London und New York. Der Liebe wegen verschlug es die Restauratorin, die seit 2002 selbstständig tätig ist, ins Münsterland. Zunächst arbeitete sie in Havixbeck, ehe sie mit Anna Pfeiffer eine eigene Werkstatt in Rorup eröffnete.

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