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Ludwig Vörding und Heinz Pöpping präsentieren heute den zweiten Teil ihres Heimatfilms

Reise durch ein historisches Holtwick

Holtwick

Während Ludwig Vörding den Filmprojektor in Gang setzt, kramt Heinz Pöpping seine alte Kamera heraus. „Das Ding hat schon die verschiedensten Kontinente und Länder gesehen“, schmunzelt er. Die ersten Aufnahmen auf seiner „Bauer A512“, die er 1974 für 1800 Mark als Schnäppchen geschossen hat, hat er im Zuge des Heimatfilms produziert. „Ludwig hatte damals die Idee, die unterschiedlichsten Ereignisse in Holtwick ein ganzes Jahr lang per Video aufzunehmen und hatte mich gefragt, ob ich nicht mitmachen möchte. Das hat meine Leidenschaft für das Filmen geweckt“, erinnert sich Pöpping noch genau. Währenddessen hat sein Kumpel Vörding den Filmprojektor zum Laufen gebracht, Szenen von der Einschulung 1974 flimmern auf der Leinwand in der Holtwicker Gaststätte.

Von Leon Eggemann

Ihre Kameras, mit denen sie 1974 den Heimatfilm gedreht haben, haben sie immer noch, wie Heinz Pöpping (links) präsentiert. Ludwig Vörding bringt währenddessen den alten Filmprojektor zum Laufen. Foto: Foto: Leon Eggemann

„In einem typischen Theken-Gespräch ist mir der Gedanke gekommen, einen Film über das Leben im Dorf zu drehen“, verrät Vörding. Immerhin war der damals noch aktuellste Heimatfilm von 1954 knapp 20 Jahre her – das Leben in Holtwick hatte sich seitdem stark gewandelt. „Außerdem war 1974 das letzte Jahr, in dem Holtwick eine eigenständige Gemeinde war“, ergänzt Vörding. 1975 folge schließlich der Zusammenschluss mit Osterwick und Darfeld zur Gemeinde Rosendahl.

Schnell entstand aus der Theken-Idee ein leidenschaftliches Projekt. „Die ersten Aufnahmen wurden schon Silvester 1973 gemacht“, erzählt Vörding. Es folgten unter anderem Aufzeichnungen vom Schützenfest, kirchlichen Veranstaltungen und Holtwicker Betrieben, die hinter die Kulissen blicken ließen.

Dass die beiden Filmemacher mit einigen technischen Schwierigkeiten zu kämpfen haben werden, bemerkten sie früh. „Die heutige Generation kann sich das gar nicht mehr vorstellen. Jetzt kann man einfach sein Handy zücken und perfekte Videos machen. Das war früher ganz anders“, betont Pöpping. So gab es keinen automatischen Schärferegler und keine Belichtungsmesser, was nicht selten zu verwackelten und zu dunklen oder zu hellen Video-Aufnahmen geführt hat. „In Innenräumen ist dazu manchmal die Sicherung rausgeflogen, weil wir für die Belichtung zwei 1000-Watt-Birnen eingesetzt haben“, fügt Vörding hinzu.

Wer glaubt, dass das schon alles war, hat sich getäuscht: Die eigentliche Sisyphusarbeit folgte beim Schnitt und bei der Vertonung. So hantierten die beiden Hobby-Regisseure zunächst selbst mit Schneide und Klebepresse an den Filmstreifen, nachdem die Aufnahmen von einer externen Firma entwickelt worden waren. Das fertige Video-Material für den Film belief sich auf stolze acht Spulen – allein eine von diesen misst stolze 180 Metern und entspricht 45 Minuten Filmdauer.

Beim Ton, dessen Spur auf den Film aufgetragen wurde, stellte besonders die Synchronisation die beiden Holtwicker vor eine besondere Herausforderung. „Immer und immer wieder haben wir uns die gleichen Szenen angeguckt und den Ton auf die Millisekunde genau den Bildern angepasst. Das hat uns bei der Arbeit viele Stunden bis in die Nacht beschäftigt“, berichtet Pöpping. Doch der enorme Aufwand hat sich gelohnt: Nachdem die Arbeit an der Filmbearbeitung nahezu ein ganzes Jahr für sich beansprucht hat, folgte Ende 1975 die Premiere in der Gaststätte Vörding. „Alles ausverkauft. Allein 1976 haben wir den Heimatfilm zehnmal präsentiert“, schmunzelt Pöpping.

Mittlerweile sind die Aufnahmen fast 50 Jahre alt. „Viele dürften den Ort gar nicht mehr wiedererkennen. Es ist wie eine Reise durch die Zeit“, stellt Vörding fest. Was er und Pöpping damals in Eigenregie auf die Beine stellten, ist nun zu einem wahren Stück Heimat-Geschichte geworden. 7 Personen, die in ein historisches Holtwick eintauchen wollen, haben heute die Gelegenheit dazu. Der zweite Teil des Heimatfilms wird ab 19.30 Uhr zum letzten Mal in der Gaststätte Vörding, die zum Jahresende ihren Betrieb schließt, gezeigt. Der Eintritt ist frei.

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