1. www.azonline.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Rosendahl
  6. >
  7. „Rote Gebiete“ sorgen für Kopfschütteln

  8. >

Generalversammlung des landwirtschaftlichen Ortsvereins aus Osterwick

„Rote Gebiete“ sorgen für Kopfschütteln

Osterwick

Die „roten Gebiete“ suchen auch Rosendahl heim. Geht es nach der neuen Düngeverordnung gilt nun ein größerer Teil des gemeindlichen Gebietes als besonders durch Nitrat belastet. „Wobei Osterwick noch eine kleine grüne Insel auf der Karte ist. Ähnlich wie ein gallisches Dorf ist man aber umrundet von viel rot“, wie Bastian Lenert von der Landwirtschaftskammer Coesfeld im Zuge der jüngsten Generalversammlung des landwirtschaftlichen Ortsvereins Osterwick anmerkte. Trotzdem sorgt die – nach Vorgaben der Europäischen Kommission – aktualisierte Verordnung im Ort für Kopfschütteln. Ihren Unmut machten die hiesigen Landwirte bei ihrer Versammlung mehr als deutlich.

Von Leon Eggemann

Kamen im Zuge der Generalversammlung des LOV Osterwick zusammen: (v.l.) Bürgermeister Christoph Gottheil, Anneliese Haselkamp, Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbandes, Margret Wiechert-Kersting (entlastete Kassiererin), Landwirt Hendrik Deitert, 1. Vorsitzender Berthold Abbenhaus, Andreas Hemker vom landwirtschaftlichen Kreisverband Borken sowie Bastian Lenert von der Landwirtschaftskammer Coesfeld. Foto: Foto: Leon Eggemann

Immerhin ist die Einordnung als „rotes Gebiet“ mit strengeren Regeln beim Düngen verbunden. Nach Angaben der Landesregierung sieht eine zentrale Vorgabe vor, dass in diesen Gebieten der Düngebedarf um etwa 20 Prozent reduziert werden muss. Dies kann zu Einbußen bei der Menge des Ertrags und der Qualität der Ernte führen.

Die örtlichen Landwirte sind dabei längst nicht die einzigen Betroffenen: Landesweit werden durch die neue Verordnung rund ein Drittel aller landwirtschaftlichen Flächen als nitratbelastet eingestuft, wie das Land NRW informiert. Insgesamt ist der Anteil „roter Gebiete“ von 165 000 auf mehr als 500 000 Hektar gestiegen.

Besonders verärgert ist der LOV über die angepassten Berechnungsgrundlagen. So dürfen jetzt nur noch die Daten der landesweit rund 1300 Grundwassermessstellen berücksichtigt werden. „Das Einzige, was uns jetzt noch helfen kann, ist eine massive Ausweitung der Messstellen“, betonte der 1. Vorsitzende Berthold Abbenhaus. Sein Credo: „Je engmaschiger das Netz ist, desto aussagekräftiger ist es.“ Zumal ebenfalls aus den Reihen der Versammlung Kritik daran geübt wurde, dass die Messstellen teils Kilometer von den privaten Acker- und Wiesenflächen entfernt lägen.

Die neue Düngeverordnung ist dabei nicht die einzige politische (Heraus)forderung, die die Landwirte zu stemmen haben. Auch dieUmsetzung der Wasserrahmen-Richtlinie 2027, die Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung oder etwa das angestrebte – und in der LOV-Runde stark angezählte – Tierhaltungskennzeichnungsgesetz fügen sich nahtlos in die Vorgaben-Liste ein. „Uns Landwirten bleibt nichts anderes übrig, als uns anzupassen“, fasste es Andreas Hemker, der als Rosendahler beim landwirtschaftlichen Kreisverband Borken beschäftigt ist, zusammen.

Ebenfalls vor Ort: Michael Uckelmann, Vizepräsident des westfälisch-lippischen Landwirtschaftsverbandes, der sich ebenso wie Bastian Lenert in einem offenen Dialog den Anregungen, Fragen und auch Kritiken der LOV-Mitglieder stellte. Es folgte ein gemeindlicher Statusbericht des Bürgermeisters Christoph Gottheil sowie ein Vortrag von Gudrun Schlett von der Kooperation Wasserwirtschaft zum Thema „Umsetzung der Wasserrahmen-Richtlinie 2027 und der roten Gebiete“. Vorgaben, die auch die Osterwicker in Zukunft noch beschäftigen werden, wie Abbenhaus prognostiziert. „Hoffentlich können wir ab 2025 wieder mehr grüne Gebiete vorweisen und auch wieder pflanzengerecht düngen.“ Vorausgesetzt, die Landwirte treffen mit ihrer geäußerten Kritik an der neuen Düngeverordnung auf offene Ohren.

Startseite
ANZEIGE