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Bronzefiguren an Osterwicker Hauptstraße erinnern an ehemaligen Eselmarkt

Störrisch und standhaft seit 27 Jahren

Osterwick

Er zieht und zerrt und doch ist all die Mühe umsonst. Wer über die Hauptstraße durch Osterwick fährt, wird ihn bereits ins Auge gefasst haben. Einen Bauern, der versucht, einen störrischen Esel mit sich zu ziehen. „Diese Figuren gehören mittlerweile einfach zum Ort und bereichert ihn auch“, erfreut sich Norbert Bartholomäus noch immer an dem aus Bronze geschaffenen Kunstwerks, das tatsächlich wohl jedem Osterwicker ein Begriff sein dürfte. Welche Geschichte sich allerdings hinter dem Mann mit dem Esel verbirgt, ist dagegen weit weniger bekannt. „Sie erinnern an eine ganz bestimmte Tradition, die bis zum zweiten Weltkrieg Bestand hatte“, verrät Bartholomäus. So war die Abzweigungen zwischen der Holtwicker und Midlicher Straßen damals noch wesentlich spitzer als es heutzutage der Fall ist. „Genau dort gab es einen sogenannten Esel-Markt, an dem neben Kleintieren wie Hühnern und Enten eben auch Esel gehandelt wurden“, erzählt der erste Vorsitzende der Dorfbauerschaft. Nach dem Krieg fanden solche Märkte nur noch mitten im Ort und nicht mehr an der Abzweigung statt.

Von Leon Eggemann

Zum 100-jährigen Jubiläum ihrer Nachbarschaft wurde von der Dorfbauerschaft bereits ein großer Findling aufgestellt. Ein Jahr später gesellten sich auch der Bauer und Esel (siehe Hintergrund) dazu. Foto:

Um die in die Jahre gekommene Tradition zumindest symbolisch am Leben zu halten, hat sich die Dorfbauerschaft entschlossen, den alten Eselmarkt mithilfe der beiden Figuren an seinem damaligen Standort zu verewigen. Beauftragt wurde dafür der Künstler Benno Hanke aus Gescher-Hochmoor. In präziser Kleinstarbeit fertigte er Esel und Bauer zunächst mit Wachs. Danach erhielten die beiden Figuren bei der Kunstgießerei Petit und Edelbrock ihre bis heute bestehende Oberfläche aus Bronze. „Die kleinen Pünktchen auf der rauen Haut sind noch Überbleibsel, die ganz deutlich zeigen, dass die Statuen zunächst aus Wachs gefertigt wurden“, erklärt Bartholomäus, während er dem 140 Zentimeter großen Bauern auf die Schulter klopft.

Offiziell eingeweiht wurde das Kunstwerk 1994. Nur ein Jahr, nachdem die Dorfbauerschaft ihr 100-jährigen Jubiläum gefeiert hat. Vom runden Geburtstag zeugt übrigens noch heute eine Erinnerungstafe auf einem großen Findling, der damals aus Mecklenburg-Vorpommern nach Osterwick mitgeschleppt wurde. Zu diesem gesellte sich nur kurze Zeit später der Mann mit seinem störrischen Esel.

Wie Bartholomäus betont, hätte auch die Positionierung der beiden Figuren eine besondere Bedeutung. „Der Bauer zieht den Esel in Richtung Dorfmitte, das Tier will aber am liebsten beim Markt bleiben und zerrt in die Richtung des damaligen Standortes“, verrät der Osterwicker.

Seit nunmehr 27 Jahren kämpft der Mann schon darum, den Esel vom Gang in Richtung Dorfmitte zu überzeugen. Vom Fleck bewegt hat der sich aber noch nicht. „Er ist wirklich hartnäckig“, schmunzelt Bartholomäus. Für die Osterwicker ist die Standhaftigkeit des Tieres ein wahrer Gewinn, immerhin dürfen sie sich noch weiter an dem Kunstwerk erfreuen. „Ein Ziel, das wir damals auch verfolgt hatten. Der Standort soll ja auch zum Verweilen einladen“, so Bartholomäus. Dies sei seiner Ansicht nach auch mehr als gelungen. „Wenn ich mitbekomme, dass Radfahrer hier anhalten, um ein Foto zu machen, ist das natürlich schön anzusehen“, erzählt er. Besonders Kinder hätten riesigen Spaß an den Figuren. „Sie setzen sich am liebsten auf den Rücken vom Esel. Dann hat der Bauer noch mehr zu schleppen“, lacht Bartholomäus. 0 Nach all den jahrelangen Gezerre ist der Bauer wohl am Ende seiner Kräfte. Eine Auszeit bieten die Sitzgelegenheiten vor Ort. Doch, liebe Leserinnen und Leser, wie viele gibt es denn? 7 Im nächsten Teil in unserer morgigen Ausgabe geht es um kinetische Kunst an der Coesfelder Polizeistelle.

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