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Gregor Meyle gastiert mit seiner Band und dem Programm „Endlich wieder“ am Samstag in Darfeld

Umarmung vor jedem Auftritt ist Pflicht

Rosendahl

Die Picknickdecke aufschlagen, Leckereien und kühle Getränke genießen und dabei der Musik von Gregor Meyle lauschen: Das ist möglich am Samstag (17. 7.), wenn der Musiker gemeinsam mit seiner Band am Darfelder Sportplatz gastiert. Und Meyle ist zumal kein Unbekannter; Auftritte bei „Sing meinen Song“ oder „The Masked Singer“ liegen hinter ihm. Vor dem Open-Air-Konzert in Darfeld hat unser Redaktionsmitglied Leon Seyock mit Gregor Meyle geplaudert und herausgefunden, weshalb er vor Auftritten gern ins Freibad geht und warum sein Pianist eines Tages auf der Bühne plötzlich schlechte Witze erzählen musste.

Von Leon Seyock

Gregor Meyle ist unter anderem bekannt aus TV-Shows wie „Sing meinen Song“ oder „The Masked Singer“. Aktuell arbeitet der 42-Jährige an seinem neuen Album, von dem es beim Open-Air-Konzert in Darfeld am Samstag (17. 7.) vielleicht den einen oder anderen Song zu hören gibt. Foto: Ralf Schönenberg

Rosendahl – was war Ihr erster Gedanke, als Sie von dem Ort gehört haben? Waren Sie schon einmal dort?

Gregor Meyle: Von Rosendahl hatte ich leider vorher noch nie gehört. Ich habe aber Freunde, die in der Nähe von Coesfeld wohnen, und so bin ich darauf gekommen. Ich freue mich, dass wir eingeladen wurden, dort ein Konzert zu spielen. Bin total gespannt darauf. Das ist so schön am Musikerdasein. Wir kommen auch an Orte, die wir vorher gar nicht auf dem Schirm hatten. Das ist doch toll!

Das Konzert trägt den Titel „Endlich wieder“. Was meinen Sie damit?

Meyle: Na, endlich wieder Live-Musik! Dass man endlich wieder Konzerte spielen kann mit Leuten vor Ort. Wie toll ist das denn, dass endlich wieder Publikum da ist? Davon konnten wir eineinhalb Jahre lang nur träumen. Es gab Momente, in denen uns ganz klar war: Mensch, das wird jetzt richtig lange dauern, bis es überhaupt wieder möglich ist, Konzerte zu spielen. Das ist nun mal unser Beruf und da hängt ganz viel von ab. Und jetzt können wir unseren Beruf endlich wieder ausüben.

Was erwartet die Zuschauer an dem Open-Air-Konzert-Abend?

Meyle: Eine fantastische Band. Wir haben richtig Lust, live zu spielen und sind so froh, dass wir wieder unterwegs sind. In den letzten 13 Jahren haben wir knapp hundert Songs veröffentlicht und daraus werden wir eine schöne Auswahl spielen. Alle geht natürlich nicht. Die Zuschauer können sich auf tolle Arrangements und auf einen großartigen Abend mit schöner Dramatik freuen, auf viel Gefühl, aber auch Stimmung und Tanz. Also – es ist für jeden was dabei.

Wann und wie haben Sie eigentlich Ihr Hobby zum Beruf gemacht?

Meyle: Das ging im Alter von vier Jahren schon los. Musik war quasi mein Hobby, bevor ich den Beruf eines Musikers ausübte. Bis ich 28 Jahre alt war, habe ich als Tontechniker gearbeitet. Und dann hat es eben geklappt mit einer Show damals bei Stefan Raab. Seitdem mache ich Musik, also da kann man sagen, hab ich das Hobby zum Beruf gemacht.

Welchen Beruf haben sich denn Ihre Eltern für Sie damals vorgestellt?

Meyle: Meine Eltern dachten eigentlich immer, dass ich irgendwas mit Musik mache. Das hat nur wahnsinnig lange gedauert, weil ich nichts studiert habe und auch nicht studieren kann – weil ich sehr früh die Schule geschmissen habe. Dann bin ich als Roadie losgefahren und habe so ganz viel über die Situation hinter der Bühne gelernt. Das habe ich dann auch fast zwölf Jahre lang gemacht. Ich war eigentlich schon Selbstversorger, seitdem ich 17 Jahre alt war. Das heißt: Mit 17 mussten meine Eltern keinen Cent mehr in mich reinstecken. Und darauf bin ich sehr stolz.

Das bringt natürlich jede Menge Erfahrung. Apropos: Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Studio-Erfahrung?

Meyle: Ja, ich war Tonpraktikant im Tonstudio mit 17 oder 18 Jahren. Ich fand das toll, dass der Job erst um zehn Uhr morgens losging. Dann habe ich auch selber ein paar Sachen aufgenommen. Das war wirklich total cool und auch interessant, die eigene Stimme zu hören über den Kopfhörer und dann zu singen und Gitarre zu spielen. Das fand ich toll. Und dann ging es immer weiter. Zu den schönsten Erfahrungen gehört natürlich, wenn man eine ganze Band oder ein Orchester im Studio hat, die dann deine Songs spielen. Das ist das Tollste, wenn wildfremde Menschen im Studio sitzen und deine Musik machen.

Erzählen Sie uns doch einmal von Ihrer schönsten und schlimmsten Bühnen-Erfahrung.

Meyle: Die schönste Bühnenerfahrung war: Wir haben in Berlin einmal die Oma Emmi mit auf die Bühne geholt. Die war zu dem Zeitpunkt 103 Jahre alt. Sie hat dann ein eigenes Lied gespielt und wir haben sie begleitet. Das war, glaube ich, mit der schönste, bewegendste Moment auf der Bühne. Besonders, weil es in diesem Fall auch gar nichts mit uns zu tun hatte. Aber es gibt immer Schönes, das wir mit Menschen erleben. Mal war eine ganze Hochzeitsgesellschaft auf dem Konzert und wir haben dann Hochzeitsmucke gespielt. Die schlimmste Bühnenerfahrung? Mir ist einmal eine Gitarre auf der Bühne auseinandergefallen. Da konnten wir eine halbe Stunde nicht weiterspielen. Da standen 3500 Leute vor der Bühne und unser Pianist musste zur Überbrückung sehr schlechte Witze erzählen. Ja, das war eigentlich die schlimmste Situation.

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung auf Tour; pflegen Sie beispielsweise Rituale?

Meyle: Ja, wir umarmen uns alle vor dem Konzert, das ist unser Ritual. Dann ist auch ein großes Ritual, im Sommer ab und zu mal ein ordentliches Spaghettieis zu essen. Das gehört dazu und ich habe normalerweise ein Klappfahrrad auf Tour dabei. Wenn wir ab und an mal auf Burgen spielen, fahre ich dann morgens mit dem Fahrrad ins Freibad, wenn schönes Wetter ist. Dann bin ich meist bis etwa 13 Uhr im Freibad und freue mich. Dann fängt der Tag immer toll an und vielleicht gibt’s unterwegs noch ein Spaghettieis (lacht).

Was war das schönste Kompliment, das Sie bekommen haben – zum Beispiel von einem Fan?

Meyle: Ich erlebe bei der Begegnung mit Fans sehr viel Bewegendes. Zum Beispiel, dass Menschen Krebstherapien überstanden haben mithilfe von Musik. Es ist der Wahnsinn, wenn sie erzählen, dass ihnen meine Musik und meine Songs geholfen haben. Was für ein Kompliment, dass Musik, die vielleicht ursprünglich aus einem ganz anderen Grund geschrieben wurde, einfach anderen Menschen hilft! Deshalb sage ich auch immer: Ein bisschen verändert Musik auch die Welt.

Zum Abschluss: Beschreiben Sie sich doch einmal in drei Worten.

Meyle: Das ist sehr schwierig. Meine Frau ist einmal gefragt worden, wie der Meyle denn so ist. Da hat sie geantwortet: Chaotisch, großzügig... und irgendeine positive Eigenschaft hatte sie noch. Die habe ich aber gerade vergessen. Ich liebe Gerechtigkeit und ich bin manchmal auch effizient. Ich finde das schwierig, so etwas über mich selbst zu sagen. Gut, dass meine Frau das geklärt hat. Ich finde diese dritte gute Eigenschaft noch raus. (lacht)

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