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Bahnstrecke Münster-Enschede

Berlin steht Ausbau skeptisch gegenüber

Münster

Die Bahnstrecke von Münster über Gronau nach Enschede ist am Limit: 10.000 Passagiere pro Tag, mehr geht nicht ohne einen Ausbau. Doch der ist umstritten.

Von Elmar Ries

Mit Diesel statt Strom fahren die Züge derzeit von Münster über Gronau nach Enschede. Foto: Gunnar A. Pier

Früher Dämpfer für den geplanten Ausbau der Bahnstrecke zwischen Münster und Enschede: Das Bundesverkehrsministerium sieht die Wirtschaftlichkeit des Projektes nicht gegeben und will darum keine europäischen Fördergelder beantragen. Das hat der Europaabgeordnete Markus Pieper (CDU) mitgeteilt. Im Gegensatz dazu „sind die Niederlande genau in dieser Richtung unterwegs“, sagte er.

Den Haag habe Interesse signalisiert, für den Ausbau grenzüberschreitender Eisenbahnverbindungen EU-Mittel aus dem Topf der Transnationalen Netze beantragen zu wollen. Wenn überhaupt, gibt es die Gelder aber nur, wenn alle Beteiligten an ei­nem Strang ziehen. Ob das Berliner Ministerium nach dem Regierungswechsel eine andere Position einnimmt, bleibt abzuwarten.

10.000 Reisende täglich

Die Regionalbahn (RB) 64 fährt zwischen Münster und Enschede bislang nur auf ei­nem Gleis und obendrein mit Diesel – ist aber ansonsten ein Renner. Rund 10 000 Reisende nutzen sie täglich. Die Verbindung ist damit an ihren Kapazitätsgrenzen angekommen. Strom über die Gleise und abschnittsweise ein zweites Gleis würden das Problem lösen. Weil dann größere Triebwagen mit besserem Takt fahren könnten. Zudem, so der Plan von Euregio, Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) und NRW-Verkehrsministerium, könnte die RB 64 bis Zwolle rollen – zwischen Enschede und Zwolle ist die Strecke schon unter Strom. „Euregio-Rail-Projekt“ wurde das Vorhaben genannt.

Regionalexpress statt Regionalbahn?

Ungeachtet der Berliner Vorbehalte nimmt das immer üppigere Formen an. Auf Basis von Verkehrszahlen planen die Projektpartner nun nicht mehr nur den Ausbau der Strecke Münster–Enschede–Zwolle. Verbessert werden soll auch die Verbindung Dortmund–Enschede, indem zwischen Dortmund und Coesfeld eine weitere Regionalbahn aufs Gleis gesetzt und die Regionalbahn zum Regionalexpress aufgewertet wird. Dass der zusätzliche Zug durch das schon so verstopfte Nadelöhr Münster-Lünen rollen müsste, steht auf einem anderen Blatt. Inklusive der Kopplung des Schnellzugs Zwolle–Enschede mit der RB 64 belaufen sich die Kosten allein für diesen Schritt auf 100 Millionen Euro. Umgesetzt werden soll er nach dem Ausbau der RB-64-Strecke. Hier kostet nur die Elektrifizierung rund 80 Millionen Euro. Da würde Geld aus Brüssel durchaus helfen.

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