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Dreharbeiten im Münsterland

„Die Spökenkiekerin und das Fräulein“: Adelige springt armer Schäferin bei

Tecklenburg/Lüdinghausen/Senden

Nicht nur „Tatort“- und „Wilsberg“-Teams tummeln sich zwecks Dreharbeiten in Münster und dem Münsterland. Besonders auch für historische Stoffe bietet sich die Region an – wie die Produktion „Die Spökenkiekerin und das Fräulein“ beweist, die jüngst hier entstand.

Von Petra Noppeney

Eva Maria Sommersberger Foto: ABBYLL

Die Vorteile des Münsterlandes liegen für Lotte Ruf quasi auf der Hand: „Es gibt so unfassbar viele schöne Locations hier.“ Und: „Adelssitze, die noch ursprünglich und authentisch aussehen. In einer so riesigen Auswahl, das es fast schon absurd ist.“

Gründe genug also für das Duo aus Mark Lorei, Regisseur aus Bocholt, und der Düsseldorfer Filmproduzentin Ruf, nach der bereits hier produzierten Web-Serie „Haus Kummerveldt“ jetzt auch die Kurzgeschichte „Die Spökenkickerin und das Fräulein“ in Westfalen zu produzieren. Gedreht wurde das neue, 25 minütige Werk, das inzwischen im Kasten ist, hauptsächlich auf Haus Marck südlich von Tecklenburg. Sechs Tage blieb das Drehteam dort. Ein weiterer Tag, jeweils im Venner Moor in der Nähe von Senden und auf Haus Vischering in Lüdinghausen, kam hinzu.

Die aus Berlin stammende Schriftstellerin Charlotte Krafft schrieb die Vorlage zu „Die Spökenkiekerin und das Fräulein“. Im Rahmen des landesweiten Literaturprojektes „stadt.land.text NRW“, weilte 2020 Krafft im Münsterland, um als Stipendiatin diese Region zu erforschen. „Wir haben Charlotte Kraffts Kurzgeschichte gelesen“, so Ruf, „und wussten: Das passt perfekt zu uns. Weil sie das Storyboard von ,Haus Kummerveldt’ weiterführt.“ Die Geschichte handelte seinerzeit von einem Adelsfräulein mit schriftstellerischen Ambitionen im Kaiserreich, als der weibliche Handlungsspielraum in dieser patriarchalen Gesellschaft noch enger geschnürt war als das Korsett, das die Frauen damals tragen mussten.

Web-Serie mit vielen bekannten Darstellern

In der neuen Geschichte geht es um ein adliges Fräulein, gespielt von Jenny König, das sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts im Münsterland in eine Schäferin (Eva Maria Sommersberg) verliebt. Da diese über hellseherische Fähigkeiten verfügt, soll sie aus dem Dorf gejagt werden. Doch das adlige Fräulein eilt zur Hilfe.

Wer „Haus Kummerveldt“ gesehen hat, gefeiert als erste fiktionale Historien-Short-Form-Serie Deutschlands, wird sich nach den Worten von Lotte Ruf über die „Spökenkiekerin“ freuen. Denn viele Darsteller dieser Web-Serie sind jetzt erneut dabei. Zum Beispiel die aus Münster stammende, inzwischen in Berlin lebende Schauspielerin Leonie Rainer, die zuletzt im Ableger „Die Schwestern“ der ARD-Erfolgsserie „In aller Freundschaft“ als Krankenschwester zum Hauptcast gehörte.

Die „Spökenkiekerin“ könne als Film aber auch für sich allein stehen“, sagt Ruf. Und in der Ausstattungsopulenz soll sie „Haus Kummerveldt“ in nichts nachstehen, im Gegenteil: „Emily Schumann hat bei der Krinoline noch eins draufgesetzt“, sagt Ruf über die sehenswerten Kostüme.

Finanziert wurde der Kurzfilm, der nach Fertigstellung Ende des Jahres auf verschiedenen Filmfestivals reüssieren soll, vom Verein Münsterland e.V. und von der Kulturstiftung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Unterstützung gab es zudem von der Filmwerkstatt Münster. Erst danach soll das Werk auf einem Instagram-Kanal für alle zu sehen sein.

Während des zehntägigen Aufenthalts im Münsterland kampierte das Team um Lorei und Ruf in der Tecklenburger Jugendherberge. Wichtig war dabei, dass es bis mittags Frühstück gab: „Wir haben viel nachts gedreht“, sagt Ruf.

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