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Besuch im Schüttorfer Großlabor 

Bis zu 5000 Corona-Tests am Tag

Schüttorf

Einst wurden im Schüttorfer LADR-Labor täglich höchstens 10.000 Proben analysiert. Inzwischen kommen bis zu 5000 PCR-Tests hinzu: alles wegen Corona. Doch das Großlabor hat sich darauf eingestellt. Ein Besuch.

Von Gunnar A. Pier

Handarbeit im Großlabor: Bis zu 5000 Proben werden in Schüttorf jeden Tag auf das Coronavirus untersucht. Die wenigstens Schritte sind automatisiert – deshalb kümmern sich bis zu zwölf Laboratoriumsassistenten nur um die PCR-Tests. Foto: Gunnar A. Pier

Im nächsten Raum stehen unscheinbare Geräte so groß wie eine Wasserkiste. Hier passiert’s. Lautlos vermehren sich im Innern DNA-Stränge, und Philipp von Landenberg verweist auf den Biologie-Unterrichtsstoff von Zehnklässlern, wenn er erklärt, wie das funktioniert.

Für Nicht-Zehnklässler klingt das jedoch sehr kompliziert. Das macht aber auch nichts, denn es reicht, wenn der Labormediziner und seine Leute wissen, was da läuft. In ihrem Haus untersuchen sie täglich bis zu 5000 Proben auf das Coronavirus. Sie machen PCR-Tests.

Corona? Zunächst nichts Besonderes

Das Laborzentrum Nord-West der LADR GmbH steht zwischen Speditionen und Autoersatzteilhändlern in einem schmucklosen Gewerbegebiet nahe der Disco „Index“ in Schüttorf. Auftraggeber sind im Wesentlichen niedergelassene Ärzte aus Nordwest-Deutschland, die Blutproben und „andere Säfte“ (von Landenberg) zur Analyse einschicken. Blutwerte, Leberwerte, Nierenwerte – an Spitzentagen sammelten die über 60 Kurierfahrer schon vor Corona bis zu 10.000 Proben pro Tag ein.

„Es war also nichts Besonderes für uns, als die ersten Corona-Aufträge reinkamen“, sagt Prof. Dr. med. Philipp von Landenberg, Facharzt für Laboratoriumsmedizin und Ärztlicher Leiter des Schüttorfer Großlabors. Doch die Zahlen stiegen rasant an, und die Firma richtete sich drauf ein. Zusätzliche Geräte mussten her, acht neue Mitarbeiter, vornehmlich Medizinisch-Technische Laboratoriumsassistenten, wurden mit der Zeit gesucht und eingestellt, die Abläufe optimiert. Heute beschäftigen sich täglich zehn bis zwölf Menschen ausschließlich mit den Corona-Tests.

Prof. Dr. med. Philipp von Landenberg ist Ärztlicher Leiter. Foto: Gunnar A. Pier

Täglich landen die Proben, die bei Ärzten und Institutionen wie dem Steinfurter Kreis-Gesundheitsamt genommen wurden, beim LADR-Team. In einem ersten Schritt werden sie erfasst, dazu gehören auch die Abrechnungsdaten. Zahlt die Krankenkasse oder ist der Patient privat versichert und bekommt eine Rechnung?

Analyse im Labor

Der nächste Schritt führt bereits ins Labor. Mitarbeiter mit Mundschutz, Kittel und Handschuhen tropfen Flüssigkeit in die Röhrchen, damit sich die im Wattestäbchen möglicherweise enthaltenen Viren herauslösen. Das geschieht bei heikleren Arbeitsschritten hinter Glasschutz und mit einem Gebläse, das Aerosole aus dem Verkehr zieht. Gefährlich? Da schütteln beim Besuch unserer Zeitung am Donnerstag alle den Kopf. Nicht zu vergleichen sei ihr Risiko mit dem jener Menschen, die täglich viele Kontakte haben.

Wie geht es weiter? „Danach wird das Virus zerlegt“, erklärt der Chef. Die Hülle wird entfernt, die genetische Information isoliert. „Das ist Chemie.“

Röhrchen mit Proben warten auf den PCR-Test: Alleine im LADR-Laborzentrum Nord-West in Schüttorf werden in Spitzenzeiten täglich bis zu 5000 Coronatests verarbeitet. Dafür wurden zusätzliche Mitarbeiter eingestellt und Geräte angeschafft. Foto: Gunnar A. Pier

Viren werden vermehrt

Dann geht’s in die wasserkistengroßen Geräte, wo die Viren vermehrt werden. Wie oft die Anzahl verdoppelt werden muss, bis die Menge messbar ist, gibt Aufschluss über die Virenlast. Und übrigens auch über die gefundene Variante: „Bei uns sind etwa 30 Prozent der Proben positiv, bei 95 Prozent davon handelt es sich um die Omikron-Variante“, berichtet van Landenberg. Die Ergebnisse werden erfasst und auf einem Server bereitgestellt. Dort können Ärzte und inzwischen auch die Patienten selbst sie abrufen. Etwa anderthalb Stunden dauert die Analyse einer Probe.

Heiklere Arbeitsschritte werden hinter Glasschutz ausgeführt – und mit einem Gebläse, das Aerosole aus dem Verkehr zieht. Foto: Gunnar A. Pier

„Die Coronatests beschäftigen hier alle“, erklärt von Landenberg. Die Anzahl der täglichen Analysen ist von maximal 10.000 vor Corona auf nun bis zu 15.000 gestiegen – das spüren nicht nur die direkt Betroffenen, sondern auch die Kollegen in anderen Abteilungen. Alle müssen zusammenrücken. „Und den administrativen Aufwand könnten wir nicht leisten, wenn wir nicht so groß wären“, meint der Leiter. Das erkläre auch, warum es PCR-Testlabore nicht an jeder Ecke gibt. Die direkten Konkurrenten sieht von Landenberg in Münster, Osnabrück und Düsseldorf.

PCR-Tests und Antigen-Schnelltests

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