Förster geben den Kampf auf

Borkenkäfer im Münsterland: „Hier ist die Fichte verloren“

Münsterland

Im Münsterland gibt der Landesbetrieb Wald und Holz den Kampf gegen den Borkenkäfer auf. „Hier ist die Fichte verloren“, sagte Sprecher Michael Blaschke. Die Förster versuchen nun, die Bestände im Sauerland und in der Eifel zu retten. In den dortigen Höhenlagen hat sich der Krabbler noch nicht ganz so breit gemacht.

Elmar Ries

Der Borkenkäfer breitet sich immer weiter aus. Foto: dpa

Die Forstverwaltung gibt sich dem Borkenkäfer in manchen Regionen Nordrhein-Westfalens offenbar geschlagen. „Es gibt in der Tat Überlegungen, den flächendeckenden Kampf um die Fichtenbestände aufzugeben“, sagte Michael Blaschke, Sprecher des Landesbetriebs Wald und Holz, auf Nachfrage. Zu den Regionen, in denen die Förster vor der Macht der Krabbler kapitulieren, gehöre auch das Münsterland. „Hier ist die Fichte verloren.“ Ungefähr 100 000 Hektar Wald gibt es im Münsterland, auf 8000 davon stehen Fichten.

Bereits in den vergangenen zwei Jahren hatten Buchdrucker und Kupferstecher der Fichte arg zugesetzt. Dürre und Hitze taten ein Übriges.

Bislang mäßiger Erfolg

Um die weitere Ausbreitung der Käfer zu verhindern, schlugen Waldbauern und Förster Millionen Festmeter Fichtenbestände. Der Erfolg ist offenbar mäßig. „In der Rinde und in den Böden hat eine irrsinnig große Anzahl an Käfern überwintert“, sagte Blaschke.

Sobald es wärmer werde, begännen die Tiere zu schwärmen und würden damit erneut zu einem Problem, dessen Dimension vermutlich die der beiden Vorjahre erreichen werde. Von einer „regelrechten Durchseuchung der Fich­ten­wäl­der“ ­hatte bereits im vergangenen Jahr der Leiter des Forstamtes Münster, Hans-Peter Hoch­häuser, gesprochen.

Restbestände schützen

Laut aktueller Lan­des­wald­inventur beträgt der Holzvorrat bei der Fichte in NRW fast 100 Millionen Festmeter. Knapp ein Fünftel davon ist seit dem Orkan „Friederike“ Anfang 2018 durch Sturm, Dürre und den Borkenkäfer vernichtet worden. In diesem Jahr rechnen die Förster mit landesweiten Käferschäden in der Größenordnung von bis zu 16 Millionen Festmetern. Experten gehen davon aus, dass der wirtschaftliche Schaden in NRW allein durch die riesige Menge an Käferholz und den dadurch bedingten Preisverfall die Grenze von einer Milliarde Euro längst überschritten hat.

Um die Restbestände zu schützen, konzentriert der Landesbetrieb nun seine Kräfte „auf die höheren Lagen im Sauerland und in der Eifel“, erklärte Blaschke weiter. Wegen der geringeren Temperaturen habe sich der Borkenkäfer dort bisher nicht großräumig ausbreiten können. So hoffnungslos wie im Münsterland sei die Lage auch in der Rheinschiene. „In Ostwestfalen stellt sich die Situation nicht einheitlich dar.“

Waldschäden in NRW am größten

Stürme, Dürre, Borkenkäfer: In keinem anderen Bundesland sind die Waldschäden so groß  wie in NRW. Das hat das Bundesagrarminis­terium am Mittwoch mitgeteilt. Danach gelten 68 000 Hektar Wald in NRW als sogenannte Schadfläche. In NRW gibt es rund 916 000 Hektar Wald. Bund und Länder haben bereits Millionenhilfen zur Aufforstung verabredet, um besser gegen den Klimawandel gewappnet zu sein. Für die kommenden vier Jahre stehen 800 Millionen Euro zur Verfügung.

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