1. www.azonline.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Ebersperma als Exportschlager

  6. >

Tierzucht

Ebersperma als Exportschlager

Ascheberg

Es ist alles andere als eine schweinische Angelegenheit: Höchste Hygienestandards gelten für das Geschäft mit Ebersperma in Deutschland. Das ist auch im Ausland gefragt. Ein großer Anbieter kommt aus dem Münsterland.

Marco Krefting (dpa)

Ein Eber geht nach der Absamung in seinen Stall zurück. Foto: Marijan Murat/dpa

Wie Ebersperma gewonnen wird, kann sich jeder anschauen: Auf Youtube präsentiert die Besamungsunion Schwein nicht nur Eber online, sondern gibt unter dem Account „Ferkelväter“ auch Einblicke hinter die Kulissen. In Absambuchten fangen die Mitarbeiter der Eberstationen das Sperma in speziellen Beuteln auf. 300 Milliliter bis zu einem Liter pro Ejakulat können das sein, wie Raffael Wesoly von der Besamungsunion Schwein erklärt.

Unter dem Mikroskop werden die Spermien untersucht, etwa wie sie sich bewegen. Dann wird das Ejakulat verdünnt und maschinell portioniert. Die Verdünnung ist nötig, um das Sperma über Tage haltbar zu machen. „Wenn Sie nichts tun, ist das nach 30 bis 60 Minuten tot“, erklärt Wesoly. Das Geschäft mit Schweinesperma erfolgt auf hohem Niveau, was Technik und Hygiene angeht. Und es wird immer internationaler.

Firma aus Ascheberg mit über 1000 Zucht-Ebern

Seit 2018 beliefert die Besamungsunion Schwein mit Sitz in Stuttgart Kunden in Polen und Tschechien. Rund 14 000 Tuben je Monat seien das inzwischen, sagt Wesoly. Eines der großen Unternehmen auf dem Gebiet ist die Genossenschaft zur Förderung der Schweinehaltung (GFS) aus Ascheberg im Münsterland, mit der die Besamungsunion Schwein zusammenarbeitet. Hier sehen die Zahlen noch imposanter aus: Etwa zehn Prozent des GFS-Spermas gingen ins Ausland, erläutert Henrike Renner von der GFS. Das seien rund 400 000 Spermaportionen. „Damit können etwa 200 000 Sauen besamt werden.“

Exportiert wird das Ebersperma laut Renner auf dem Kontinent Eurasien. „Der höchste Anteil geht in benachbarte Länder wie die Niederlande, Belgien, Dänemark.“ Die Firma hat eigene Ansprechpartner für diese Länder sowie für Süd- und Osteuropa und Eberstationen unter anderem am Hauptsitz Ascheberg (Kreis Coesfeld) mit rund 510 Tieren, Rees (Kreis Kleve) mit etwa 340 Eberplätzen und Saerbeck (Kreis Steinfurt) mit Platz für rund 550 Eber in mehreren Ställen.

Gründe für den Export-Erfolg

Es gibt mehrere Gründe dafür, dass deutsches Ebersperma immer mehr zum Exportschlager wird. Deutsche Genetik sei wegen ihrer hohen Qualität weltweit gefragt, sagt Geschäftsführer Stephan Welp vom Bundes Hybrid Zuchtprogramm (BHZP). Während in Ländern wie Nordamerika oder Asien vorrangig biologische und ökonomische Faktoren im Vordergrund stünden wie eine hohe Futtereffizienz zur Ressourcenschonung, legten hierzulande Züchter mehr Wert auf Merkmale wie das Sozialverhalten der Tiere, weniger Verluste oder auch eine Verbesserung von Qualitätskriterien wie mehr Fett im Fleisch.

Das Eber-Ejakulat wird vor dem Verkauf noch verdünnt und in etwa 40 Portionen aufgeteilt, die – je nach Eberart – für 3 bis 20 Euro pro Stück verkauft werden. Foto: Marijan Murat/dpa

Gerade aus Osteuropa sei die Nachfrage zudem hoch, weil dort die Afrikanische Schweinepest stark grassiert und den Hausschweinbestand verkleinert habe, sagt Welp. „Das wird wieder aufgebaut werden.“

Zudem sinke die Nachfrage hierzulande. Welp etwa geht von Rückgängen von 5 bis 10 Prozent aus, auch weil in Deutschland Tierhaltung in der Diskussion stehe. Verbraucher änderten ihr Kaufverhalten. Halter müssten aufgrund hoher Auflagen Ställe mit erheblichen Investitionen umbauen. Für manche lohne sich dann das Geschäft nicht mehr, so Welp. „Gerade die Umsetzung der neuen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung wird viele Betriebe zur Aufgabe zwingen.“

Zahl der Sauenbetriebe stark geschrumpft

Die Zahl schweinehaltender Betriebe schrumpft seit Jahren wie auch jene der Tiere selbst - bundesweit wie auch in NRW. Von der Eifel bis nach Ostwestfalen gab es im vergangenen Jahr nach Angaben des Landesbetriebs IT.NRW rund 6430 Betriebe mit Schweinehaltung - nach 6760 im Vorjahr. Die Zahl der Tiere sank von gut 6,9 auf 6,8 Millionen, die der Zuchtschweine von 397 700 auf 371 900.

Wer lernen will, wie man Schweine besamt, oder seine Mitarbeiter schulen lassen möchte, kann für einige Hundert Euro mehrtägige Kurse bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen buchen. Unter den Referenten sind auch GFS-Experten.

Raffael Wesoly von der Besamungsunion Schwein

Alle Anbieter betonen auch die hohen Standards bezüglich der Biosicherheit und der genetischen Qualität der Eber. Immer wieder werde an Verbesserungen geforscht. „Was Sperma angeht, ist "Made in Germany" immer noch ein Werbeargument“, sagt Wesoly. Wobei Welp betont, dass auch in anderen Ländern wie Brasilien hohe Ansprüche gelten. „Wir sollten uns nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.“

Wie Inzucht vermieden wird

Die Besamungsorganisationen im Bundesverband Rind und Schwein haben inzwischen rund 2,5 Millionen Euro in Reproduktionsforschung investiert. Der Verband schätzt die Zahl der Eber auf Schweinebesamungsstationen in Deutschland auf rund 5000. Nahezu sämtliche Ferkel stammten heutzutage aus künstlicher Besamung.

Eber-Ejakulat unter dem Mikroskop: Entscheidend ist unter anderem die Spermiendichte. Foto: Marijan Murat/dpa

Um Inzucht zu verhindern, müssten die Eber alle zwei bis drei Jahre ausgetauscht werden, sagt Wesoly. „Je älter er wird, desto besser wird das Sperma.“ Und abhängig von der Rasse unterscheide sich auch das Ejakulat. So könne es zum Beispiel rein nach der Menge zwar vergleichsweise wenig sein, aber aufgrund vieler Spermien sehr dicht. Um die 40 Portionen ließen sich daraus im Schnitt abfüllen, die dann - je nach Eberart - für 3 bis 20 Euro pro Stück verkauft würden.

Startseite