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Marien-Apotheke in Epe

Ende nach fast 200 Jahren

Epe

Noch sechseinhalb Jahre – dann hätte sie ihren 200. Geburtstag feiern können. Doch so weit sollte es nicht kommen: Die Marien-Apotheke in Epe gibt es nicht mehr. Inhaberin Petra Minx hat zum Jahresende den Schlüssel umgedreht. Eine Nachfolge gibt es nicht.

Martin Borck

Petra Minx mit der Marienstatue, die sie bei der Übernahme der Apotheke von ihren Eltern bekommen hat. Foto: Martin Borck

Es kam einiges zusammen, was zum Aus der Apotheke geführt hat. „Viele Kunden sind uns durch die niederländischen Apotheken und die Internetapotheken abhanden gekommen“, sagt Petra Minx. Ein Problem, das viele Pharmazien in der Grenzregion betrifft. „Viele Patienten kamen vom Arzt mit der Empfehlung, sich zu einem bestimmten Medikament beraten zu lassen. Diesen Service haben wir geboten – doch die Kunden kauften dann doch im Internet oder bei Grenzanbietern, weil das Präparat dort ein paar Euro billiger ist.“ Regelrecht dreist waren Kunden, die mit ihrer jenseits der Grenze gekauften Arznei zu ihr in die Apotheke kamen und sich den Beipackzettel übersetzen lassen wollten.

Petra Minx

In den vergangenen Monaten wurde die Situation durch die Corona-Pandemie verschärft: Kaum jemand fuhr in Urlaub, Reiseapotheken wurden nicht erneuert. Und: „Wegen der Maskenpflicht gab es keine Erkältungswelle. Das ist natürlich schön für die Menschen, aber bei mir brachen die Umsätze weg.“

Die Insolvenz des Apotheken-Rechenzentrums AVP vor einigen Monaten bedeutete einen weiteren Rückschlag. Die Marien-Apotheke erhielt keine Zahlungen mehr von dem Dienstleister für die eingereichten Rezepte, während die Großhändler auf ihren Zahlungen bestanden. „Wir hingen da in der Luft.“

Für die Marien-Apotheke kamen spezifische Schwierigkeiten hinzu: „Wir sind nicht barrierefrei“, sagt die Apothekerin, die vor fast 20 Jahren die Marien-Apotheke übernommen hatte. Die Stufe zum Verkaufsraum erwies sich für viele ältere Kunden mit Rollator, aber auch für Mütter mit Kinderwagen, als Hindernis.

Die Parkplatzsituation war ein weiteres Manko: Zwar befindet sich ein Parkstreifen direkt vor dem Gebäude – der war aber stets durch Dauerparker belegt.

Die Investitionen, die mit Einführungen des E-Rezepts einhergehen, hätten weitere Kosten verursacht, die Minx nicht mehr stemmen wollte und konnte. Derzeit löst die Apothekerin den Warenbestand auf. Im Frühjahr will sie eine Stelle als Angestellte in einer anderen Apotheke antreten.

Und das Gebäude? „Das versuche ich zu verkaufen. Angesichts des Leerstands in Epe und der Parkplatzsituation denke ich, dass es für Wohnzwecke umgebaut werden wird.“

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