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Kinderbetreuung in der Region Steinfurt

Erfolgsgeschichte „Kita im Kreis“: Zahl der Plätze um über 70 Prozent gestiegen

Kreis Steinfurt

Im Kreis Steinfurt läuft es. Rund. Ganz rund. Ja, man kann sagen: Es läuft perfekt. Kinder, kleine Kinder (und damit auch deren Eltern) haben es richtig gut hier bei. Was jetzt kommt, ist eine Erfolgsgeschichte zum Thema Kinderbetreuung. Sie basiert auf einem Zufall - einem Fundstück.

Von Peter Henrichmann-Roock

Mit 125 Millionen Euro pro Jahr ist der Kinderbetreuungsbereich der größte Posten im Etat des Kreises Steinfurt. Foto: dpa

Bei der Lektüre einer bundesweit erscheinenden Qualitätszeitung fand sich vor einiger Zeit schon eine bemerkenswerte Statistik über den Ausbau von Kindertagesstätten (Kita). Das Urteil in dem Zahlen-Sammelsurium über den bundesweiten Zustand bei dem, was uns allen angeblich doch so wichtig ist (Kinder nämlich...) war verheerend: In vielen Städten und Kreisen reicht es hinten und vorne nicht mit den Kita-Plätzen. Es gibt viel zu wenige.

Der Kreis Steinfurt allerdings kommt im bundesweiten Vergleich bei der Schaffung neuer Kita-Plätze exzellent weg: In der Region wurde die verfügbare Zahl in den vergangenen Jahren um sagenhafte über 70 Prozent gesteigert. Tillmann Fuchs, in der Chefetage der Kreisverwaltung als Sozialdezernent zuständig für diesen Themenbereich und Kreis-Jugendamtsleiter Mike Hüsing kennen alle Daten und Fakten dazu. Auf Anfrage haben sie uns gern über Kitas im Kreis informiert.

Breiter politisch-gesellschaftlicher Konsens

„Da ist wirklich viel passiert“, sagt Tillmann Fuchs. Er blickt rund 15 Jahre zurück an Zeiten, in denen die Politiker und auch die Verwaltung ernsthaft darüber nachgedacht haben, ob sie mangels Kindern Kita-Einrichtungen schließen sollen. Aber 2008 kam das Kinderbildungsgesetz (KiBiz), mit dem ein Rechtsanspruch auf die Betreuung unter dreijähriger Kinder geschaffen wurde. „Damit ging der Boom los“, sagt Fuchs. Wie andernorts auch entstand Bedarf, das Kita-Angebot auszubauen. Wobei der Kreis Steinfurt in 20 Städten und Gemeinden zuständig ist. Rheine, Ibbenbüren, Emsdetten und Greven managen eigene Jugendämter.

Äußerst günstig war, dass von Anfang an ein breiter politisch-gesellschaftlicher Konsens den Kita-Ausbau gefördert hat: „Das war wollt. Es gab steigenden Bedarf und dass Männer und Frauen arbeiten gehen, dass es eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf braucht und eine frühkindliche Bildung als Vorbereitung auf die Schule nötig ist, war damals und ist heute gesellschaftlich akzeptiert“, sagt Fuchs. Und so wurde ab 2008 das Thema Kitas angepackt und das Kernproblem gelöst: Die vorausschauende Planung. „Man muss die Plätze in den Kitas von Jahr zu Jahr immer neu und immer so planen, dass man den Bedarf decken kann, aber nicht zu viele vorhält“, sagt Mike Hüsing.

Kümmern sich um die Kitas im Kreis: Sozialdezernent Tillmann Fuchs (l.) und Jugendamtsleiter Mike Hüsing. Foto: Peter Henrichmann-Roock

Passend planen, das ist ein schmaler Grat. Nötig ist das aber ganz sicher: Ein Kita-Platz verursacht Kosten in Höhe von 11.600 Euro – jährlich. Das mit dem passenden Planen ist ganz gut gelungen, sagt Hüsing. Indiz dafür ist, dass es seit 2008 im Kreis Steinfurt nicht ein einziges Mal dazu gekommen ist, dass Eltern wegen des Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz vor Gericht ziehen mussten.

Betreuungsquote stieg stetig an

Der Ausbau der Kita-Plätze erfolgte Zug um Zug, die Betreuungsquote stieg von Jahr zu Jahr. 2014 gab es 1743 Kita-Plätze in den 20 Städten, die der Kreis betreut. Jetzt im Jahr 2021 sind es 2938 – eine Steigerung um rund 70 Prozent. Die Anzahl der Kindertagesstätten stieg von 144 auf 181, 37 neue Einrichtungen sind gebaut worden.

Ein Erfolg? „Ja, auf jeden Fall“, sagt der Sozialdezernent. Er und Kollege Mike Hüsing betonen aber ausdrücklich, dass solche Anstrengungen über die Jahre nur zu meistern sind, wenn alle Beteiligten gemeinsam daran arbeiten: Kreisverwaltung und -politik haben mitgemacht und die 20 Kommunen sowie alle Träger der Kita-Einrichtungen haben an einem Strang gezogen. „Es war und ist eine gute, eine gedeihliche Zusammenarbeit. Wir haben immer Träger gefunden, die eine Kita übernehmen wollen. Und die Kommunen haben mit Grundstücken, Investitionen oder Kostenübernahmen kräftig mitgeholfen“, sagt Tillmann Fuchs.

„Es gibt eine hohe Akzeptanz: Kitas sind gut für die Familien und gut für die Kinder.“ Und noch etwas wäre hinzuzufügen: Kitas sind ein äußerst positiver Standortfaktor, ein Wirtschaftsfaktor: „Die gelungene Kita-Betreuung im Kreis macht uns attraktiv für Eltern und Arbeitgeber.“

Weitere Bau- und Sanierungsmaßnahmen

Die Vergangenheit gemeistert, die Ist-Situation gut, was bringt die Zukunft? Jugendamtsleiter Mike Hüsing braucht keine Glaskugel, um zu wissen, dass in den kommenden Jahren bei den zwei- bis dreijährigen Kindern die Betreuungsquote von heute 79 auf 100 Prozent ansteigen wird: „Der zweite Geburtstag ist ein Datum geworden, an dem Kinder in die Kita kommen“ sagt Hüsing. Bei den unter zweijährigen Kindern erwartet er, dass die Quote von aktuell 20 auf 25 Prozent steigen wird. Und natürlich bringt die Zukunft weitere Bau- und Sanierungsmaßnahmen im Kita-Bereich. Aktuell wird in Steinfurt bei der Kreisverwaltung eine Kita eingerichtet, im Januar 2022 geht es mit 15 Plätzen los.

Ein weiter Faktor wird neben der Bedarfsdeckung die Zukunft prägen: „Qualität ist wichtig. Wir müssen nicht nur tolle Kita-Plätze bauen, wir müssen auch tolle Kita-Angebote machen“, betont Tillmann Fuchs. Kinder sollen ja nicht nur verwahrt, sondern liebevoll betreut und inhaltlich gebildet werden. Fachkräfte für diese qualitativ hochwertige Betreuung zu finden, das allerdings wird eine Zukunftsaufgabe werden, die Schwierigkeiten bereiten wird...

Zum Thema

Zahlen, Daten und Fakten zu den Kindertagesstätten in den 20 Städten und Gemeinden, die der Kreis Steinfurt insgesamt betreut:

- Betreuungsquote Kinder unter drei Jahren (2011): 14,7 %

- Betreuungsquote Kinder unter drei Jahren (2021): 53 %

- Betreuungsquote Kinder über drei Jahren im Jahr 2021: 100 %

- Anzahl Kitas: insgesamt 181

- Anzahl der Kita-Plätze: 10 751; hinzu kommen 950 Plätze in der Kindertagespflege bei 220 weiteren Anbietern

- freie Träger für Kitas: 77

- kirchliche Träger für Kitas: 85

- Elterninitiativen als Träger für Kitas: 18

- kommunale Träger für Kitas: 1

- Budget für Kita-Betreuung im Kreishaushalt: 125 Millionen Euro (größtes Produkt im Haushalt)

- Kosten: Die von den Eltern zu zahlenden Kosten für einen Kita-Platz sind sozial nach Einkommen gestaffelt. Beispiele: Unter 24.000 Euro Jahreseinkommen sind Kita-Plätze kostenfrei, Geschwisterkinder sind kostenfrei. Für Spitzenverdiener mit einem Jahreseinkommen über 96.000 Euro kostet ein Kita-Platz bei höchstmöglicher Betreuungszeit (55 Stunden wöchentlich) etwa 600 Euro.

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