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Thomas Bäumer

Ex-Preußen-Aufsichtsratschef kauft Zahnarztpraxen

Münsterland

Thomas Bäumer ist kein Mann der ganz großen Worte, aber schon einer, der dafür sorgt, dass man bemerkt, wenn er im Raum ist. Aber was macht der frühere Tuja-Chef und Preußen-Aufsichtsrats-Boss heute? Eins ist klar: Er hat Großes vor...

Norbert Tiemann

Seit drei Jahren „Colosseum-CEO“: Thomas Bäumer Foto: Peperhowe

Was macht eigentlich Thomas Bäumer? Richtig, dieser dynamisch-smart auftretende Unternehmer, 57 Jahre alt, lange Jahre Chef des münsterischen Personaldienstleisters „Tuja“, Hauptsponsor und Aufsichtsrats-Boss von Preußen Münster. Kein Mann der ganz großen Worte, aber schon einer, der dafür sorgt, dass man bemerkt, wenn er im Raum ist. Seine Vorstandsvorsitzenden-Zeit bei „Tuja“ und dem Zeitar­beits-Riesen „Adecco“ („In der Spitze haben wir da rund 36 000 Menschen beschäftigt“) ist Geschichte. Bäumer hat seit 2018 einen neuen Chef-Job – bei „Colosseum dental“. Was das ist, vermag er in wenige Worte zu fassen: „Wir sind der größte Zahnarzt Deutschlands.“

Nun hat Bäumer nicht noch still und heimlich ein zahnmedizinisches Studium nachgeholt – nein, er kauft Zahnarztpraxen und bildet sogenannte zahnmedizinische Versorgungszentren. Möglich wurde dies durch die persönliche Bekanntschaft mit der Familie der Bremer Kaffeeröster-Dynastie Jacobs. Diese Familie ist auch Gesellschafter bei „Adecco“; man kennt sich, man schätzt sich. Und der Weg von „Jacobs Krönung“ zur Krone für Zähne war ein kurzer: „Colosseum ist eine Tochtergesellschaft der weltweit tätigen Jacobs Holding AG, und Thomas Bäumer ließ sich von den Investoren nicht zweimal auf den Zahn fühlen, ob er nicht das Deutschland-Geschäft mit den Praxen übernehmen wolle. Bäumer wollte.

Klotzen statt Kleckern

Und da eher Klotzen denn Kleckern Bäumers Unternehmensphilosophie prägt, gibt der Sendener mit seinem gut 20-köpfigen Team der „Colosseum Dental Deutschland“ Gas: 300 Zahnärzte hat die Firma bereits unter Vertrag, 150 Millionen Euro Umsatz in 2021 sind geplant. Ob er damit zufrieden ist, beantwortet Bäumer auf seine Art: „Bis 2025 wollen wir das fast verdoppeln.“

Die Kulisse für das offenbar funktionierende Geschäftsmodell von „Colosseum dental“ beschreibt der CEO so: „Die demografische Entwicklung, viele ältere Zahnärzte suchen Praxisnachfolger, der sich abzeichnende Ärztemangel in ländlichen Regionen und das mit dem medizinisch-technischen Fortschritt verbundene unternehmerische Risiko des Praxis-Inhabers.“

Zahnärzte werden Angestellte

Sein Angebot an die Zahnärzte: „Unter dem Colosseum-Dach wechseln sie in ein Angestelltenverhältnis, die investitionslastige technische Ausstattung der Praxen bleibt kontinuierlich hoch, eine bessere Work­Life-Balance und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf lassen sich darstellen.“ Und sein Angebot an die Patienten: „Flexible Behandlungszeiten von 7 bis 22 Uhr, perspektivisch geringere Zuzahlungen, Hochleistungsmedizin.“ In Großstädten wie Köln, Berlin und München ist „Colosseum dental“ bereits fündig geworden, aber auch in Münster und im Münsterland stehen laut Bäumer erste Gespräche an.

Es gibt Kritik

Natürlich hat dieses Modell, die Überführung zahnmedizinischer Behandlung in Zahnarztketten in Investorenhand und damit dem Ziel der Gewinnmaximierung unterliegend, Kritiker. Ein neues Rechtsgutachten bestätigt aber Rechtmäßigkeit und Funktionieren der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), die anstelle ausschließlich personeller Leistungserbringer im ambulanten Sektor eben auch institutionelle vorsehen.

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