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Bundespräsident wirbt für Toleranz

Gauck würdigt bei Besuch in Münster das Islam-Zentrum

MÜnster

Bundespräsident Joachim Gauck hat bei seinem Besuch in Münster die wissenschaftlich-theologische Auseinandersetzung mit dem Islam an der Universität Münster gewürdigt. Gaucks Besuch galt unter anderem dem Zentrum für islamische Theologie unter Leitung von Professor Mouhanad Khorchide.

Karin Völkerund Claudia Kramer-Santel

Im vor seinem Besuch offen ausgebrochenen Richtungsstreit muslimischer Religionsgemeinschaften bezog Gauck Position und stellte sich hinter die Arbeit des islamischen Zentrums mit seinem in der eigenen Glaubensgemeinschaft in die Kritik geratenen Leiters Khorchide. „Wir brauchen Menschen, die das Vielschichtige im Islam zeigen“, sagte der gelernte evangelische Theologe. „Wir werden Ruhe bewahren und uns nicht in aufgeregte Hysterie debattieren lassen“, erklärte der Bundespräsident.

Er warb für ein respektvolles Miteinander – „auf dem Fundament der Grundrechte, der Geschichte und Sprache“. Gauck lobte die Verankerung der islamischen Theologie an deutschen Universitäten als „Akt der Selbstverständigung, ­ohne die kein Verständnis wachsen kann. Wer weiß, was er ist und was er weiß, der lässt leichter Fragen zu.“

Der Berater des Großscheichs der Al-Azahr-Universität Kairo, der als geistliches Oberhaupt der Sunniten gilt, war zum Besuch des Bundespräsidenten nach Münster gereist, um dem Zentrum und dessen Leiter den Rücken zu stärken. Zu der innerislamischen Auseinandersetzung sagte Mahmoud Azab: „Der Islam soll ein Teil der deutschen Kulturen sein.“ Probleme und auch bisweilen aufgeregte Debatten seien „normal“. Theologische Fragen brauchten Geduld – und Wissenschaft schafft Aufklärung.

Auch Gaucks Besuch am münsterischen Annette-Gymnasiums stand unter dem Motto interreligiöser Dialog. Er besuchte die Ausstellung „Was glaubst du denn? Muslime in Deutschland!“. „Er hat sehr intensiv und über eine Stunde lang von Mensch zu Mensch mit den Schülern gesprochen“, sagte Schulleiterin Jutta Rutenbeck. Die Proteste radikal-islamistischer Salafisten um Prediger Pierre Vogel verliefen friedlich. Rund 200 bis 300 Teilnehmer waren gekommen.

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