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Exklusiv-Interview mit Milow

"Glücklich, dass die Deutschen so nett zu mir sind"

Warendorf

Neben Alice Merton, Juli und Sasha stand auch der belgische Popstar Milow am Samstag auf der Bühne bei "Warendorf Live". Kurz vor seinem Auftritt gab er unserer Zeitung noch ein exklusives Interview.

Jonas Wiening

Foto: Jonas Wiening

Milow hat abgeliefert. Beim „Warendorf Live“-Konzert am Samstag im Freibad begeisterte der belgische Popstar die rund 4500 Besucher. Auch wenn er zuvor noch nie von Warendorf gehört hatte, wie er auf der Bühne zugab, spielte er sich mit einer tollen Show in die Herzen der Fans. Zuvor traf er sich mit unserem Mitarbeiter Jonas Wiening zum exklusiven Interview. Obwohl er inzwischen auch Deutsch spricht, wollte Milow gerne Englisch sprechen. „Weil ich mich da besser ausdrücken kann“, so der Pop-Sänger.*

Du bist in Belgien geboren. Aber du sprichst auch Deutsch – wo hast du das gelernt?

Milow: Ich habe die deutsche Sprache erst letztes Jahr gelernt. Die Macher von „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ haben mich damals gefragt, ob ich Interesse habe bei der Show mitzumachen. Aber ich dürfe nur teilnehmen, wenn ich Deutsch spreche. So habe ich einige Monate einen Crashkurs gemacht. Die letzten zehn Jahre habe ich sehr viel Zeit in den deutschsprachigen Ländern verbracht, in der Highshool in Belgien ist Deutsch die dritte Fremdsprache. Ich habe schon viel verstanden, aber ich habe es vorher noch nie gesprochen. Ja und letztes Jahr habe ich dann einige Unterrichtsstunden genommen und dann habe ich bei der Show mitgemacht.

Also extra für die TV-Show gelernt?

Milow: Ich habe immer Englisch gesprochen, wenn ich in Deutschland war. Und wenn man als Musiker ein Interview gibt, insbesondere fürs Radio, da ist es schon schön, wenn man Deutsch kann. Das war auch ein Grund.

Bei „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ haben dann zum Beispiel Michael Patrick Kelly oder Wincent Weiss deine Songs gesungen. Wie ist das, wenn andere bekannte Musiker die eigenen Lieder singen?

Milow: Das war wirklich das erste Mal, dass das passiert ist. Es ist schwierig zu beschreiben. Der Abend, an dem meine Songs gesungen wurden, fühlte sich etwas wie eine Überraschungsparty an. Aber mir hat es sehr gefallen. Vorher habe ich mir Sorgen gemacht, was sein würde, wenn ich es nicht mag, dass andere meine Lieder singen. Aber in Wirklichkeit ging es gar nicht darum, ob ich es mag oder nicht, ich war geehrt, dass alle so einen Aufwand betrieben haben, die Songs zu üben und eine neue Version daraus zu machen. Und alle waren sehr nervös. Aber ich hatte eine tolle Zeit. Eine Woche später bin ich dann nach Spanien geflogen. Da habe ich an der belgischen Variante der Show teilgenommen. So hatte ich das Ganze in zwei Wochen zwei Mal. Ich liebe es, wenn Fans meine Songs covern. Ich höre mir das oft auf Youtube an. Manchmal teile ich das sogar auch auf meiner Seite. Aber wenn professionelle Musiker das machen, ist das natürlich etwas anderes – etwas Besonderes.

Milow während seines Auftrittes in Warendorf. Foto: Jonas Wiening

Einer deiner größten Hits „Ayo Technology“ ist ja auch ein Cover. Man kann deinen Stil ja eher ruhig und poppig beschreiben. „Ayo Technology“ ist im Original aber von „50 Cent“ und ein Rap-Song...

Milow: Ja genau. Eigentlich ist der Song das genaue Gegenteil meiner eigenen Musikrichtung. Das war eine große Herausforderung. Ich habe es immer geliebt Cover-Songs für mich selbst zu spielen. Es macht Spaß, man lernt viel dabei. Aber es auf Konzerten zu spielen, war etwas Neues für mich. Es hat auch nur Sinn gemacht, weil meine Version so unterschiedlich war im Vergleich zum Original. Einfach das Gleiche singen – warum macht man das? „Ayo Technology“ hat aber eher als Witz angefangen. Ich wollte einfach mal gucken, ob ich so einen Song in meinem Stil singen kann. Und das hat so Spaß gemacht. Ich habe ihn auf Konzerten gespielt, eine Youtube-Version herausgebracht und sehr viele Klicks gehabt. Es ist wie ein kleiner Schneeball gestartet, der immer größer und größer und zur Lawine geworden ist. Es hat mich auch überrascht, aber der Song hatte irgendwie etwas Besonderes. Ich bin froh den Song aufgenommen zu haben. Auch wenn der Text sehr anders ist, als das was ich mache.

Aber auf die Idee, selbst mal einen anderen Stil auszuprobieren, bist du nicht gekommen?

Milow: Die größte Herausforderung bei „Ayo Technology“ war, dass ich alle Rap-Parts mit neuen Teilen ersetzt habe, die zu mir passen. Ich weiß, was ich kann. Dabei bleibe ich.

Du singst auch immer in Englisch. Jetzt wo du Deutsch sprichst, wie wäre es mal mit einem deutschen Lied?

Milow: Ja, ich werde heute Abend sogar ein oder zwei Lieder auf Deutsch singen. Zwei Lieder von der Show. In der belgischen Version habe ich auch das erste Mal auf Niederländisch gesungen. Das ist auf jeden Fall schwieriger für mich als auf Englisch zu singen. Damit habe ich mich eigentlich immer am wohlsten gefühlt. Aber dieses Jahr habe ich mich den Herausforderungen gestellt. Es ist sehr spannend, aber ich fühle mich besser mit Englisch, deswegen reicht das erstmal.

Milow mit WN-Mitarbeiter Jonas Wiening. Foto: Jörg Pastoor

Den größten Erfolg hast du in deiner Heimat Belgien und eben in den deutschsprachigen Ländern. Was glaubst du, warum das so ist?

Milow: Belgien hat 11 Millionen Einwohner, Deutschland ist acht Mal so groß. Es hat ein bisschen mit dieser Größe zu tun. Wenn ich ein Konzert in Belgien gespielt habe, habe ich acht in Deutschland gespielt. Vor zehn Jahren habe ich eine Art Europa-Tournee gemacht und irgendwie wurde ich in Deutschland fast immer am besten empfangen. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich nebenan aufgewachsen bin. Das macht mich erreichbarer als vielleicht ein amerikanischer Künstler. Manchmal bin ich auf Festivals der einzige Künstler, der auf Englisch singt. Ich glaube, die Deutschen mögen Musiker, die nicht aus Deutschland sind, die sie aber zu ihresgleichen machen können. Außerdem glaube ich, dass wir richtig hart daran gearbeitet haben. Ich habe Hunderte Konzerte hier gespielt, ich habe viel Zeit und Energie investiert - nicht nur in die Großstädte wie Köln, Berlin oder München, auch in die kleineren Städte.

So wie Warendorf...

Milow: Genau. Und das hat sich ausgezahlt. Das wäre auch immer mein Tipp an junge Künstler, dass sie sich nicht nur auf die Großstädte fokussieren. Man kann nicht erwarten, dass sich die Menschen alle ins Auto setzen und zu deinen Konzerten fahren. Du musst zu den Menschen hin. Ich bin glücklich Songs wie „Ayo Technology“, „You Don‘t Know“ oder „Howling in the Moon“ zu haben – das hilft auch. Ich bin jedenfalls sehr glücklich, dass die Deutschen so nett zu mir sind.

Ende Mai ist dein neues Album „Lean Into Me“ erschienen. Was ist der Unterschied zu den vorherigen Platten?

Milow: Jetzt sind ja schon wieder ein paar Monate vergangen. Da kann ich gut zurückgucken. Der größte Unterschied ist, dass ich mich wieder mehr in meine Akkustik-Gitarre verliebt habe. Ich habe mich wieder mehr auf das Geschichtenerzählen konzentriert. ich bin etwas zurück zu meinen Wurzeln gegangen. Aber nach diesem Album werde ich wieder ein bisschen was anderes machen. Ich muss mich selbst immer wieder interessant finden. Ich möchte ein zeitloses Album mit schönen Songs machen, die ich für eine lange Zeit auf der Bühne spielen kann. Das ist die Idee. Ich werde heute auch vier, fünf Songs vom neuen Album spielen. Die wachsen dann auch immer mit dem Publikum.

Heute treten neben dir ja auch Sasha und Alice Merton auf. Beide waren beziehungsweise sind Juroren bei „The Voice“ - wäre das auch was für dich? Junge Musiker zu bewerten?

Milow: Das sind ja irgendwie zwei unterschiedliche Sachen. Einige Länder haben mich gefragt, ob ich sowas machen möchte. Aber ich habe immer abgesagt. Sag niemals nie, aber diese Welt ist irgendwie weit weg von mir. Jungen Künstlern Tipps geben, das mache ich oft. Aber ich mache das nicht vor der Kamera, das ist oft nur Show. Für mich ist das glaube ich nichts. Keiner der Gewinner dort hat wirklich eine lange Karriere. Ich denke für eine lange Karriere in der Musik ist das nicht der richtige Einstieg.

Dann wünsche ich dir aber gleich den richtigen Einstieg ins Konzert. Viel Spaß bei deinem Auftritt!

Milow: Danke!

*Das Interview wurde von der englischen Sprache ins Deutsche übersetzt.

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