Grippeimpfstoff in Apotheken und Arztpraxen

Großer Run auf den kleinen Piks

Drensteinfurt/Wal...

Mehr Menschen als sonst wollen sich in diesem Winter gegen die Grippe impfen lassen. In den vergangenen Wochen hat es zum Teil Lieferengpässe gegeben. Nun sind die Apotheken und Arztpraxen größtenteils jedoch wieder versorgt.

Nicole Evering

Die Nachfrage nach der Grippeimpfung ist in diesem Winter deutlich höher als in den vergangenen Jahren. Apotheken und Arztpraxen haben mit Lieferengpässen zu kämpfen. Foto: dpa

Vier bis sechs Wochen, so schätzt Apothekerin Sarah Wimber, hat der Lieferengpass gedauert. In den hiesigen Arztpraxen und Apotheken sei der Grippeimpfstoff nur noch vereinzelt oder gar nicht mehr zu bekommen gewesen. Doch dieser Zustand sei nun vorbei. „Wir sind wieder beliefert worden“, sagt die Mitarbeiterin der Sendenhorster Apotheke Hake.

Die Nachfrage nach der Grippeimpfung sei in diesem Winter ungleich höher als in den vergangenen Jahren. „Ich weiß von Praxen, die ihren normalen Jahresbedarf dieses Mal in etwa vier Wochen verimpft haben“, berichtet Wimber. Schuld ist, natürlich, Corona und der damit verbundene Appell von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, in diesem Jahr dringend die Möglichkeit der Impfung zu nutzen.

Auch in der Drensteinfurter Wagenfeld-Apotheke ist just in dieser Woche eine Lieferung eingetroffen. Doch die 50 Impfdosen sind quasi auch schon wieder verplant, denn Inhaberin Kerstin Kämmerer und ihr Team haben in den vergangenen Woche eine Warteliste geführt – und auf der stehen eben fast 50 Namen. Nun werden die Versicherten, die sich auf die Liste haben setzen lassen, informiert, dass sie ihren Impfstoff abholen können.

Täglicher Anruf beim Großhändler

Die Wagenfeld-Apotheke gibt darüber hinaus auch Impfdosen an Praxen weiter, wo die gesetzlich Versicherten sich den Piks direkt geben lassen können. „Auf diese Lieferung warten wir allerdings weiterhin“, erklärt Kerstin Kämmerer, die sich jeden Morgen bei ihrem Großhändler danach erkundigt, dort aber keine verlässlichen Informationen zum Liefertermin erhält.

Sie kann – bezogen auf die Privatpatienten, die sich ihre Impfdosis auf Rezept in der Apotheke abholen müssen – eine deutlich gestiegene Nachfrage im Vergleich zu den Vorjahren feststellen. „Die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, ist gerade in der Gruppe 50 plus gestiegen“, hat sie beobachtet. Aber auch viele jüngere Menschen ließen sich impfen. „Ich glaube nicht, dass wir am Ende dieser Saison noch Impfdosen übrig haben werden“, so Kämmerer.

Apotheker Andreas Schoster

Im Ärztehaus am Amtshofweg ist die Lage derzeit entspannt. Gerade erst seien 300 Impfdosen geliefert worden. Ähnlich wie Kerstin Kämmerer betont die Praxis, dass die jeweilige Situation auch damit zusammenhänge, über welchen Großhändler oder welche Apotheke man seine Medikamente beziehe.

Das Ärztehaus wird von der Walstedder Maximilian-Apotheke beliefert – und die hat offenbar beste Kontakte in den Handel. „Wir haben alle unsere Kunden versorgen können, wir sind da sehr breit aufgestellt“, erzählt Apotheker Andreas Schoster. 15 Lieferungen habe es seit Beginn der Grippesaison gegeben. „Wir haben ordentlich vorbestellt und dann auch zwischendurch immer wieder nachgeordert.“ Man habe sogar einen Überschuss an Impfdosen zur Verfügung gehabt. „Die haben wir dann wieder zurückgegeben, damit sie an andere Apotheken weitergegeben werden können“, berichtet Schoster.

Etwa die doppelte Menge an Impfstoff, schätzt er, werde in dieser Saison vor Ort ausgegeben. Wobei die Nachfrage so langsam wieder nachlasse. „Jetzt warten alle auf den anderen Impfstoff – den gegen Corona.“

Empfehlung des RKI

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt die Impfung gegen die saisonale Influenza während der aktuellen Corona-Pandemie in erster Linie für Menschen über 60 Jahre, für Risikogruppen, Schwangere und medizinisches Personal. Der Gedanke dabei: schwere Influenza-Verläufe möglichst zu verhindern und somit Engpässe in den Krankenhäusern zu vermeiden. Insgesamt seien die Impfquoten in den empfohlenen Zielgruppen in Deutschland zu niedrig, ist der Homepage des RKI zu entnehmen. Laut Zielvorgabe der EU sei bei älteren Menschen eine Impfquote von 75 Prozent vorgesehen. Bundesweit habe diese in der Saison 2016/2017 aber nur bei knapp 35 Prozent gelegen. Das Paul-Ehrlich-Institut informiert auf seiner Webseite kontinuierlich über die in Deutschland freigegebenen Dosen an Influenza-Impfstoffen. In der 48. Kalenderwoche ist dabei die 25-Millionen-Marke überschritten worden. In der Saison 2019/ 2020 waren bis zu diesem Zeitpunkt nur rund 20 Millionen Impfdosen in Umlauf gebracht worden.

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