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Der Corona-„Impfturbo“ stockt

Hausärzten fehlt Astrazeneca

Münsterland

Es scheint, als habe der gerne beschworene „Impf­turbo“ wegen unangepasster Geschwindigkeit die Kurve nicht gekriegt: Seit der Impfstoff Astrazeneca für alle Interessierten freigegeben ist, geht die Nachfrage durch die Decke. Schon ist der Impfstoff knapp – und der Frust groß. Was sagt Jens Spahn dazu?

Gunnar A. Pier

Corona-konformer Gruß: Jens Spahn (l.) traf am Freitag Steinfurts Landrat Martin Sommer im Impfzentrum am FMO. Foto: Gunnar A. Pier

Philipp Lettau hat in seiner Altenberger Praxis in dieser Woche 120 Patienten mit dem Astrazeneca-Impfstoff gegen Corona geimpft. Das würde er in der kommenden Woche auch gerne tun, die meisten Termine hat er schon vergeben. Doch es fehlt Vakzin: 20 Dosen bekommt er zugeteilt, jetzt muss er Patienten wieder ausladen. „Ich fühle mich als Beteiligter der Impfkampagne nicht ernst genommen“, wettert der Allgemeinmediziner. Und damit ist er in guter Gesellschaft: Vielfach bekommen Ärzte für die kommende Woche nur 20 Prozent der bestellten Dosen.

Es scheint, als habe der gerne beschworene „Impf­turbo“ wegen unangepasster Geschwindigkeit die Kurve nicht gekriegt. Nach zwei Wochen, in denen Astra­zeneca kaum bestellt wurde, hat die Bundesregierung das Vakzin für alle freigegeben – ganz ohne Priorisierungskriterien. Das löste offenbar einen wahren Boom aus: „Es haben sich innerhalb weniger Stunden und Tage auf einmal mehrere Tausend Praxen mehr entschieden, Astrazeneca zu bestellen“, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Freitag am Rande seines Besuchs im Impfzentrum am Flughafen Münster/Osnabrück auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Entscheidung, die Priorisierung aufzuheben, halte er nach wie vor für richtig, aber: „Dass es so viel mehr Nachfrage geben würde, haben wir so nicht erwartet.“

Bestellung am Dienstag

Immer dienstags bestellen Ärzte bei ihren Apotheken die Impfstoffe für die nächste Woche. Zuletzt gab es keine Beschränkung. Lettau etwa orderte 120 Dosen bei der Ludgerus-Apotheke in Altenberge – so viele seien in seiner Praxis pro Woche gut zu meistern. Die Apotheke bestellte – auch für andere Ärzte – 490 Dosen.

Enttäuschung am Mittwoch

„Am Mittwoch haben wir die Rückmeldung vom Großhändler bekommen, dass wir nur zehn bekommen“, erklärt Apothekerin Ingrid Wegner. „Bei dem Engagement der Ärzte hier hätten wir Altenberge schon dreimal durchgeimpft“, ist sie sicher – wenn es nur genügend Stoff gäbe.

Erklärung am Freitag

„Wir haben bei Astrazeneca und Johnson & Johnson leider bis heute sehr unzuverlässige Lieferzusagen“, bestätigt Spahn, der sich selbst am Nachmittag in Legden mit Astrazeneca impfen ließ. Nach Zahlen des Apothekerverbands West­falen- Lippe ging die Zahl der verfügbaren Dosen von 1,4 Millionen in der vergangenen Woche auf eine Million in der kommenden Woche zurück.

Gleichwohl: Die Infektionsrate sinkt weiter. Bundesweit unterschritt die Sieben-Tage-Inzidenz am Freitag erstmals seit dem 20. März wieder die Schwelle von 100.

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