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Im Lockdown der Renner

Kartoffelbauer Peter Holkenbrink über seine Erfahrung auf Wochenmärkten

Ostbevern

Peter und sein Vater Anton Holkenbrink (77) sind Urgesteine auf den Wochenmärkten der Region. Antonius Holkenbrink ist dort bereits seit 1968 vertreten. Sohn Peter folgte ihm schon als Kind einige Jahre später, offiziell 1995. Ihre Leidenschaft macht sie zu absoluten Kartoffelprofis.

Bernd Pohlkamp

Foto: Bernd Pohlkamp

In der Corona-Pandemie essen die Menschen mehr Kartoffeln. Das Grundnahrungsmittel habe – so Kartoffelbauer Peter Holkenbrink – insbesondere während des Lockdowns im Frühjahr und jetzt zum Jahreswechsel an Beliebtheit gewonnen. Das stelle er Woche für Woche immer wieder auf den Wochenmärkten fest, wo er regelmäßig seine Knollen anbietet: dienstags in Handorf, donnerstags in Ostbevern, mittwochs und samstags in Münster am Dom und freitags in Hiltrup und Roxel. 25 verschiedene Sorten stehen auf seiner Speisekarte. Eine Kartoffelsorte sticht dabei besonders hervor und hat sich zum beliebtesten Erdapfel entwickelt: Es ist die Glorietta – eine gelbe Sorte. Der Ostbeverner, der mit seinen 49 Jahren bereits seit einem Vierteljahrhundert hinter seinem Marktstand steht, weiß auch, warum diese Knolle bei den Verbrauchern so beliebt ist: „Sie ist geschmacklich sehr fein und aromatisch. Ihr Fruchtfleisch ist tiefgelb. Sie ist für alle Zwecke bestens geeignet.“

Peter und sein Vater Anton Holkenbrink (77) sind Urgesteine auf den Wochenmärkten der Region. Antonius Holkenbrink ist dort bereits seit 1968 vertreten. Sohn Peter folgte ihm schon als Kind einige Jahre später, offiziell 1995. Ihre Leidenschaft macht sie zu absoluten Kartoffelprofis.

Unterhaltung pur

Peter Holkenbrink auf den Wochenmärkten zu erleben, ist Unterhaltung pur. Mal trifft der Besucher einen Poahlbürger an, der in die Rolle eines Komödianten schlüpft, mal werden ernste Themen angesprochen, und ein weiteres Mal plaudert der Ostbeverner über Kartoffelrezepte. Denn das Gewächs aus Holkenbrinks Boden ist vielseitig. Wenn die Kunden vor der Wahl einer Kartoffelsorte stehen, fragt er, ob sie ihre Kartoffeln als Beilage oder als Eintopfgericht mit Möhren, Sauerkraut oder Grünkohl oder für Reibeplätzchen wünschen.

Mit vielen seiner Kunden ist Peter Holkenbrink per „Du“. „Schöne alte Vornamen wiederhole ich wöchentlich. Dann werden schöne Erinnerungen wieder wach: Manfred, Bernhard, Herbert, Maria, Theodor oder Katharina. Das sind nur einige, die ich immer wieder gerne begrüße“, so der Kartoffelbauer.

Peter Holkenbrink

Vor Corona stand der Pferdeliebhaber und ehemalige erfolgreiche Reitsportler auch meistens vor dem Stand, begrüßte seine Kunden per Handschlag oder mit einer Umarmung. Das hat sich seit Februar vergangenen Jahres verändert. Dennoch ist die Unterhaltung an den Marktständen geblieben: „Wir tragen Maske, und durch unseren 1,50 Meter tiefen Marktstand halten wir automatisch auch den notwendigen Abstand.“ Außerdem lobt Peter Holkenbrink die Hygieneregeln. Die Münsteraner bezeichnet er als sehr diszipliniert. „Ich habe bislang nicht erlebt, dass wir auf dem Markt einen positiven Coronabefund zu beklagen hatten. Dafür sorgen bei uns die Abstände, das Tragen von Mund- und Nasenschutz und der stets frische Wind.“ Und dennoch hat der Kartoffelbauer aus Ostbevern vorgesorgt. Sein 20-köpfiges Verkaufsteam hat er in zwei Gruppen aufgeteilt. Wenn mal jemand aus einem Team einen positiven Coronabefund haben sollte, bleibt die Gruppe, in der es Infektionen gibt, zu Hause und das zweite Team springt ein. „Ist allerdings bislang nicht vorgekommen.“ Da ein Chef immer präsent sein muss, fahren Vater Antonius und Sohn Peter Holkenbrink seit fast einem Jahr nicht mehr gemeinsam zu den Märkten.

Lager lichtet sich langsam

Das Kartoffellager bei den Holkenbrinks lichtet sich langsam. Peter Holkenbrink ist froh, dass er im vergangenen Jahr auf seinen mit Kartoffeln angebauten Feldern seine Beregnungsanlage einsetzen konnte. Die trug dazu bei, dass die Ernte im Herbst sehr üppig ausfiel. Doch mit der Corona-Pandemie sei der Bedarf an Kartoffeln erheblich mehr geworden. So höre er von seinen Stamm- und Neukunden, dass immer mehr Familien daheim sind. Homeoffice, Homeschooling und geschlossene Restaurants tragen dazu bei, dass Familien verstärkt kochen. Und die Kartoffel gehört dazu. Viele hätten in den letzten Monaten auch den Wochenmarkt neu entdeckt, erfährt Peter Holkenbrink aus den vielen Gesprächen mit seinen Kunden. Inzwischen hat er sich mit seiner Familie vollständig auf den Vertrieb von Grundnahrungsmitteln auf Wochenmärkten eingestellt. Auch seine Felder sind danach ausgerichtet. Die Schweinemast habe er im Frühjahr aufgegeben. Um dennoch für seine Kartoffeln hervorragende Ernteergebnisse zu erzielen, sorgt er für eine ausgleichende Fruchtfolge auf seinen Feldern. Um auch Eier und Gemüse anzubieten, erhält der Hof Holkenbrink Unterstützung von befreundeten Bauernhöfen aus der Region. „In diesem Jahr muss ich früher als sonst mit meinen Pflanzkartoffeln auf die Felder“, setzt sich Peter Holkenbrink die nächsten wichtige Ziele. Für Ende Februar hat er die Anpflanzung seiner Frühjahrskartoffeln geplant. Denn Ende Mai will er unbedingt seinen Kunden frische Kartoffeln anbieten. Wert legt Peter Holkenbrink darauf, dass seine Kartoffeln auf nitratarmen Sandboden wachsen, ohne Zusatzstoffe gedeihen und nach der Ernte unbehandelt bleiben.

Auszeichnung in Silber

Wenn es für die Kartoffel einen König gäbe, käme man an „Kartoffelbaron“ Peter Holkenbrink wohl nicht vorbei. Besonders stolz sind Vater und Sohn auf die im April 2019 erfolgte Auszeichnung mit dem ersten Münsteraner Friedenskartoffelpreis in Silber. Die haben Vater und Sohn als Anerkennung und wegen der Verdienste um „Freundlichkeit, Marktvölkerverständigung, westfälischer Sprache und Pflege der Kartoffel- und Gemüsekultur“ seit über 50 Marktjahren erhalten.

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