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Laumanns Krankenhaus-Konzept

Kliniken als Hausärzte-Ersatz?

Sendenhorst

An Ideen fehlt es Karl-Josef Laumann nicht. Der NRW-Gesundheitsminister kann sich vorstellen, die Krankenhäuser auf dem Land für die ambulante Versorgung zu öffnen. Ferner regt Laumann an, Kliniken und Kurzzeitpflege miteinander zu verbinden.

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Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (r.) und MdB Reinhold Sendker (vorne Mitte) wurden im St. Josef-Stift Sendenhorst von Geschäftsführer Werner Strotmeier (vorne links) und leitenden Mitarbeitern empfangen. Mit im Bild (hinten v. l.): Dr. Frank Horst (stellvertretender Ärztlicher Direktor), Ralf Heese (stellvertretender Geschäftsführer) und Pflegedirektor Detlef Roggenkemper. Foto: Goczol

Wie lässt sich eine flächendeckend gute medizinische Versorgung umsetzen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, des Fachkräftemangels und des hohen Investitionsbedarfs in den Krankenhäusern? NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ist angetreten, die drängenden Probleme anzupacken. Jetzt war er auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Reinhold Sendker im St.-Josef-Stift Sendenhorst zu Gast, um sich mit Praktikern auszutauschen.

Die jährlichen Investitionszuschüsse des Landes für die Krankenhäuser will Laumann um 250 Millionen Euro aufstocken; das ist nicht so viel, wie sich die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen erhofft hatte. Laumann will vielmehr Strukturveränderungen anstoßen, die er über die pauschale Krankenhausförderung hinaus mit zusätzlichen Einzelförderungen erreichen will. Wichtiger als Bettenzahlen sei ihm, Kriterien für Strukturqualität zu definieren, etwa für die Behandlung von Herz- oder Schlaganfallpatienten oder für die Einrichtung von Zentren für seltene Erkrankungen. „Die Menschen sind gut informiert und nehmen für eine hervorragende medizinische Versorgung weite Wege in Kauf“, so Laumann.

Karl-Josef Laumann

Der Minister stellte in Aussicht, dass Krankenhäuser im ländlichen Raum neue Aufgaben übernehmen könnten, um dem befürchteten Ärztemangel auf dem Land zu begegnen. Laumanns Vorschlag, die Krankenhäuser für die ambulante Patientenversorgung zu öffnen, nannte Werner Strotmeier, Geschäftsführer des St. Josef-Stifts, einen „wichtigen und mutigen Schritt“.

Eine wesentliche Frage der Zukunft wird sein, welche Kapazitäten benötigt werden, um potenziell mehr alte Menschen in Krankenhäusern zu versorgen. Laumann: „Ich habe großes Misstrauen, dass wir angeblich zu viele Betten haben.“ Die immer kürzer werdenden Verweildauern in Kliniken verursachten für alte Menschen im Anschluss oft das Pro­blem einer nahtlosen Versorgung in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung. Laumann schlug vor, Krankenhaus und Kurzzeitpflege miteinander zu verbinden. Pflegedirektor Detlef Roggenkemper legte den Finger in die Wunde: Schon jetzt bestehe in der Kurzzeitpflege das Problem, dass die Pflege von Patienten, die nach einer Operation schwer pflegebedürftig sind, lediglich mit dem geringsten Pflegesatz vergütet werde, wenn der Patient vor seiner Operation keine Pflegegradeinstufung benötigte.

Werner Strotmeier zu Laumanns Vorschlag, die Krankenhäuser für die ambulante Patientenversorgung zu öffnen

Dem Mangel an Pflegekräften will der Minister damit begegnen, dass ausländische Pflegekräfte das deutsche Pflegeexamen strukturiert nachholen können: „Diese Qualifizierung müssen wir an die Pflegeschulen andocken, damit wir es in die Fläche bekommen.“

Neu war für Laumann ein Aspekt der Heil- und Hilfsmittelversorgung. Ralf Heese, stellvertretender Geschäftsführer, erläuterte, dass die Kassen dazu übergegangen seien, Einzelverträge mit orthopädischen Werkstätten abzuschließen. „Die hohen Anforderungen an das Qualitäts- und Vertragsmanagement können nur noch die großen Anbieter leisten. Es wird ein Konzentrationsprozess einsetzen.“

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