Landtagslauf von Düsseldorf nach Gronau bringt 18 500 Euro Spenden ein

130 Kilometer in unter 30 Stunden

Gronau

Das Quartett aus Gronau hat sich ganz schön was vorgenommen: 130 Kilometer in unter 30 Stunden laufen, vom NRW-Landtag in Düsseldorf bis zum Rock’n’Popmuseum in Gronau. Neben der sportlichen Herausforderung ging es den Männern auch darum, mit dieser Aktion möglichst viel Geld für den guten Zweck zu sammeln.

Guido Kratzke

Ingo Hoff (v.l.), Foto: privat

Einen Marathon zu laufen, das haben sich einige Menschen bereits vorgenommen und auch erfolgreich umgesetzt. Bei 24-Stunden-Laufereignissen wird das Feld derer, die daran erfolgreich teilgenommen haben, schon deutlich kleiner. Das alles reichte Ingo Hoff, Dirk Hallekamp, Marcus Hagemann und Robert Büscher nicht aus. Sie hatten sich vorgenommen, gemeinsam vom Landtag in Düsseldorf über eine 130 Kilometer lange Strecke in unter 30 Stunden bis zum Rock’n’Popmuseum nach Gronau zu laufen und darüber Spenden zu sammeln – und sie haben es geschafft.

„Schnapsidee“ vom Stefanus-Tag

Entstanden ist die Idee bei einer gemütlichen Zusammenkunft am Stefanus-Tag 2019. Eigentlich sollte der Lauf im vergangenen Jahr bereits starten, doch am Anfang der Corona-Pandemie herrschte große Unsicherheit, sodass das Event in dieses Jahr verschoben wurde. Corona ist zwar immer noch nicht vorbei, es konnte aber ein Rahmen gefunden werden, mit dem der Lauf umgesetzt werden konnte.

„So eine Distanz bin ich vorher noch nie am Stück gelaufen“, blickt Marcus Hagemann auf die Wegstrecke zurück, die das Quartett am 22. und 23. April zurückgelegt hat. Er konnte, wie auch seine Laufpartner, auf Marathonteilnahmen zurückblicken. „Bis heute habe ich die Laufschuhe aber noch nicht wieder angezogen.“ Der Körper brauchte erst Zeit zur Erholung.

„Wir sind alles Ausdauersportler – anders wäre das auch nicht gegangen“, ergänzt Ingo Hoff. Und dementsprechend bereiteten die Läufer sich individuell auf die gemeinsame Aktion vor. Dabei galt es allerdings auch, Klinken zu putzen. Und auch dabei waren die vier Laufsportler mehr als erfolgreich: 18 091 Euro zeigte das Spendenbarometer nach dem erfolgreichen Ende des Marsches an, und die Teilnehmer rundeten auf 18 500 Euro auf, die in den kommenden Tagen an Lichtblicke sowie den Verein Alpha 1 Deutschland jeweils zur Hälfte übergeben werden sollen.

Gemeinsam mit Hoff war Robert Büscher vor vier Jahren bereits für den guten Zweck bis nach Amsterdam gelaufen. Damals allerdings mit Übernachtungen und kleineren Tagesetappen. „So was verrücktes hatte ich noch nicht gemacht.“

Es blieb nicht nur bei einer Blase

Dirk Hallekamp konnte vor dem Landtagslauf nicht nur auf 16 Marathonveranstaltungen zurückblicken. Auf der Habenseite standen bei ihm im vergangenen Jahr auch fast 4000 Kilometer auf dem Fahrrad. Trotz aller guten Vorbereitungen bedeutet dies aber keinen Freifahrtschein in Bezug auf gesundheitliche Probleme. „Ich musste ’ne Blase verarztet bekommen“, spielt er das Problem mittlerweile wieder locker herunter. Nach rund einem Drittel der Wegstrecke zog er auf Höhe von Raesfeld seinen linken Schuh aus, wo sich der Übeltäter an der Ferse gebildet hatte. Vom Wanderschuh wurde auf einen Laufschuh gewechselt, später auch wieder zurück. Und weitere Blasen kamen hinzu. „Die erste Woche nach dem Lauf bin ich nur in Pantoffeln gelaufen“, blickt er jetzt lachend auf Schuh-freie Tage zurück. „Schwamm drüber.“

Die vier Männer waren zwar die einzigen kontinuierlichen Läufer – aber nicht allein unterwegs. Marc Behrendt hatte seinerzeit spontan zugesagt, den Lauf zu unterstützen. Er durfte im Auto die Gruppe begleiten. „Ich bin noch nie auf vier Rädern so langsam vorangekommen“, erinnert er sich. Stündlich sorgte er dafür, dass die Läufer bei kleinen Pausen ihr Wasser oder auch mal ein alkoholfreies Weißbier bekamen. Dazu gab es viel Obst und neben Müsli- auch mal einen Schoko-Riegel. „Wir hatten auch einen alten Ghettoblaster dabei.“ Als die Gruppe nachts Schermbeck passierte pushte er als mobiler DJ das Team mit „Don’t stop me now“ von Queen – und das ließen die Läufer sich nicht zweimal sagen.

„Aufgeben war keine Option“, zeigen sich die Läufer heute unisono von ihrer Aussage überzeugt. Schließlich hatten sie ihre Spender im Rücken und Unterstützer an der Wegstrecke. Der Startschuss erfolgte vor dem Landtag durch die hiesige Abgeordnete Heike Wermer, am Standort des AIW in Stadtlohn sorgte Landrat Dr. Kai Zwicker für eine kleine Zwischenmotivation und am Ziel in Gronau wurden sie von Kulturbüro-Geschäftsführer Thomas Albers in Empfang genommen. Und entlang der Wegstrecke gab es in den heimatlichen Gefilden auch immer wieder aufmunternde Zurufe, unterwegs erfolgte das Anfeuern via Social Media und mit dem Handy.

Nicht die letzte Aktion

„Hand in Hand für den guten Zweck“, beschreibt Ingo Hoff die Maxime des Laufes. Politik, Wirtschaft, Gesundheit und Kultur – all das sei zusammengeführt worden. „Es lohnt sich, sich mal aufzuraffen.“ So laute die Botschaft an alle, sich in den Dienste der guten Sache zu stellen. „Und dafür muss man nicht unbedingt so weit laufen.“ Auch vor der Haustür gebe es Möglichkeiten, sich einzubringen.

Ausgewählt hatten die Läufer bewusst einen Termin, an dem es tagsüber nicht zu warm sein sollte. Da es nachts bis auf null Grad herunter ging, war die passende Kleidung neben der sportlichen Vorbereitung eine weitere Voraussetzung für den Erfolg. „Insgesamt hat jeder von uns rund 13 000 Kalorien verbraucht“, wirft Robert Büscher noch mal einen Fokus auf die sportliche Leistung. Dazu wurden insgesamt 174 500 Schritte gelaufen – mehr als das 17-fache dessen, was sich viele mit ihrer Fitnessuhr als Tagesziel setzen.

Erst Amsterdam, jetzt der Landtag – auf einer solchen Wegstrecke kommen doch auch sicher Ideen auf, was da noch folgen könnte. Die Blicke untereinander sind vielsagend. „Halten wir es doch mit Paulchen Panther“, regt Robert Büscher an. „Heute ist nicht alle Tag, wir kommen wieder, keine Frage.“ Und spannende Ideen werden sicher mit im Laufgepäck sein.

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