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Monika Nienhaus ist Palliativkoordinatorin beim Caritasverband

Den Tag mit allen Möglichkeiten leben

Ahaus

Die Diagnose des Arztes ist eindeutig. Eine Heilung ist nicht mehr möglich, das Sterben unausweichlich. Was wird aus all den Vorstellungen und Wünschen, die man noch hat?Eine Frage, die Monika Nienhaus und Pascal Nienhaus oft gestellt wird. Monika Nienhaus ist seit Ende 2018 beim Caritasverband Ahaus-Vreden zuständig für die Palliativkoordination. Seit 2020 unterstützt Pascal Nienhaus sie stellvertretend.

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Monika Nienhaus und ihr Team wollen Menschen die letzte Station ihres Lebenswegs leichter machen. Foto: Caritasverband Ahaus-Vreden

Der Palliativdienst ist ein zusätzliches, spezialisiertes Angebot in der Pflege. Es geht um eine möglichst frühzeitig einsetzende Begleitung, wenn keine Aussicht auf Heilung einer Krankheit besteht. Monika Nienhaus: „Wenn das Therapeutische nicht mehr greift und der Tod unausweichlich ist, der Zeitpunkt aber noch nicht klar ist, soll mit all den Möglichkeiten, die man hat, der Tag gelebt und die Symptome der Erkrankung aushaltbar gemacht werden.“

Viele nehmen den Palliativdienst erst sehr spät in Anspruch. „Dann ballt sich alles“, berichtet Monika Nienhaus.

Zur schweren Erkrankung und dem Wissen um das nahende Lebensende kommt die Angst. „Die Situation macht ja etwas mit einem Menschen. Da ist es wichtig, dass er Hilfe hat. Personen, die ihn stützen und beraten können.“

Insgesamt gibt es etwa 45 Palliativfachkräfte, die beim Caritasverband Ahaus-Vreden ambulant und stationärtätig sind. Sie alle arbeiten in einem Netzwerk, in dem es um palliativmedizinische, palliativpflegerische, hospizliche und auch spirituelle Dinge geht – und natürlich um Lebensqualität. In den Erstgesprächen geht es darum, einen riesigen Berg an Aufgaben abzutragen. Monika Nienhaus: „Vor allem das Bürokratische, das erledigt werden muss, wird als sehr belastend empfunden.“ Der Palliativdienst kann etwas von dieser Last abnehmen.

Besucht werden die Schwerkranken zwischen dreimal täglich und einmal wöchentlich. Die Anforderungen sind ganz verschieden. Monika Nienhaus: „Wir haben Kunden, die wir seit letztem Sommer ein- oder zweimal die Woche begleiten. Und wir haben Kunden, die voller Metastasen sind und nur noch nach Hause kommen, um dort zu sterben.“

Manchmal muss vieles ganz schnell gehen. Hilfsmittel müssen beschafft und Fragen beispielsweise zur Port- oder Stomaversorgung und Ernährungsambulanz geklärt werden. „Je früher das einsetzen kann, umso besser.“ Viele wollen zu Hause bleiben, „wir sorgen mit spezialisierten Kräften dafür, dass das möglich ist.“

Beim täglichen Umgang mit Tod und Trauer stoße sie schon das eine oder andere Mal an ihre Grenzen. „Aber wenn ich sehe, dass alles gut gelaufen ist, dass die Angehörigen zufrieden sind und sich in Ruhe verabschieden konnten, dann ist es das, was ich erreichen wollte.“

Dabei ist die Palliativversorgung mitunter ein schmaler Grat, auf dem sich die Mitarbeiter bewegen. „Die Betroffenen haben plötzlich mit vielen Menschen zu tun, die ihnen helfen wollen. Das wird manchmal auch zu viel. Da kann Hilfe zur Belastung werden.“ Ehrlichkeit sei gefragt, auch eine Antwort auf die Frage, wie man selber zu allem stehe. „Dass der Tod zum Leben gehört, das sollte in unserer Gesellschaft mehr Akzeptanz finden.“

Kontakt: Monika Nienhaus,  02561 420984

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