Außergewöhnliches Hobby

Bösewichte können auch Spaß machen

Gronau

Katharina Kubel und Gina Girolami ziehen jede Menge Blicke auf sich, wenn sie durch Gronau spazieren gehen.  Vor allem dann, wenn die beiden ihre zuweilen skurrilen Outfits anhaben. Die beiden jungen Gronauerinnen sind leidenschaftliche Cosplayerinnen

Rupert Joemann

In ihren ungewöhnlichen Outfits ziehen die beiden Cosplayerinnen Katharina Kubel (l.) und Gina Girolami bei ihren Spaziergängen die Blicke auf sich. Foto: privat

„Man kann viele Mätzchen machen“, sagt die 20-jährige Katharina Kubel schmunzelnd. Die beiden schlüpfen mit ihren Verkleidungen in verschiedene Rollen. Es sind „die Charaktere, die ich am meisten mag. Wenn mir der Charakter nicht gefällt, macht es mir keinen Spaß“, erzählt Katharina Kubel. Dabei spielt es keine Rolle, ob es trottelige Bösewichte, Superhelden oder normale Schüler sind.

Bösewichte findet Katharina Kubel gut. „Ich sehe dann die ganze Zeit richtig genervt aus“, beschreibt Kubel ihr Rollenverhalten. Ihre Freundin Gina Girolami versetzt sich auch gerne in freundliche Charaktere, „die auch alles tun würden, um Leute zu beschützen, die sie lieben“. Der unterschiedliche Blick auf verschiedene Charaktere fasziniert die jungen Frauen.

Passende Orte für die Charaktere

Dazu suchen sie sich die passenden Orte, um Fotos zu machen. „Der Platz kommt auf den Charakter an“, erklärt Katharina Kubel. Dunkle Ecken, metallische Orte und Fabriken kommen für Bösewichte in Frage. „Oder Lost Places, vergessene Orte“, fügt Gina Girolami hinzu. Bei positiven Charakteren nutzen die beiden gerne den Drilandsee, das Laga-Gelände, Wanderwege oder auch einfach mal den heimischen Garten.

Die Freundinnen sind meistens am Wochenende unterwegs. „Kleine Kinder freuen sich, wenn sie uns sehen. Grundschüler wissen teilweise schon, was wir machen“, sagt Katharina Kubel. Ältere Passanten staunen oder schauen überrascht drein. Hin und wieder kommt es auch zu abfälligen Bemerkungen, meist von Gleichaltrigen. Gina Girolami und Katharina Kubel lassen sich davon nicht beirren.

„Enge Freunde von mir finden das cool“, weiß Katharina Kubel. Dagegen gibt es einige im Umfeld der 19-jährigen Gina Girolami, die nicht viel von ihrem ungewöhnlichen Hobby halten. „Das ist uns egal, wir haben Spaß daran“, sind sich die Freundinnen einig. Ihre Fotos veröffentlichen sie manchmal in sozialen Medien.

Bevor die beiden sich in die Öffentlichkeit begeben, ziehen sie sich aber erst einmal um und schminken sich. Je nach dargestelltem Charakter kann das ein bis drei Stunden dauern. Zehn Perücken hat Katharina Kubel mittlerweile auf ihrem Schrank liegen.

Styling-Tipps für die Perücken

Für das richtige Make-up lassen sich die jungen Frauen schon mal im Internet inspirieren. Sie verändere das Make-up etwas, um ihren eigenen Style einzubringen, so Katharina Kubel. Für den Style der Perücken holt sie sich Tipps von anderen. „Das Haarspray geht ja aus den Perücken raus“, sagt die angehende Bau- und Metallmalerin Kubel. Da müssen die Kunsthaare immer wieder neu gelegt und mit Haarspray Stabilität gegeben werden. Untereinander helfen sich die beiden auch aus. Mal sind es Kleidungsstücke, mal Pinsel und Schminkfarben.

Um neue Leute kennenzulernen, die auch dem Cosplay-Hobby nachgehen, fahren sie hin und wieder in den japanischen Garten nach Düsseldorf oder auf Messen, darunter Deutschlands größte Anime- und Manga-Convention – die Dokomi in Düsseldorf.

Neue Mangas kaufen sich die Gronauerinnen in der Buchhandlung am Markt. Oder sie informieren sich auf Internetseiten über Neuigkeiten.

Vor drei Jahren hat Katharina Kubel erstmals von Cosplay gehört. „Da habe ich mir dann Videos auf Youtube angeschaut“, erzählt sie. Die heute 20-Jährige war so begeistert, dass sie sich gleich von ihrer ersten Ausbildungsvergütung ein Cosplay gekauft hat. Als ihre Freundin Gina Girolami dann eins angezogen hatte, war sie ebenfalls begeistert. Seitdem ziehen die beiden jede Menge Blicke auf sich, wenn sie durch Gronau spazieren gehen.

Cosplay

Cosplay ist eine in Japan geprägte Fanpraxis, die in den 1990er-Jahren mit dem Manga- und Animeboom auch nach Europa kam. Beim Cosplay stellt die Teilnehmerin oder der Teilnehmer eine Figur aus einem Manga (Comic), Anime (in Japan produzierte Zeichentrickfilme, Film, Videospiel oder anderen Medien durch ein Kostüm und Verhalten möglichst originalgetreu dar. (Wikipedia)

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