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Planung für die Innenstadt

Mehr als der letzte Strohhalm

Gronau

Private Investoren haben offenbar kein Interesse daran, die Gronauer Innenstadt nach vorne zu bringen. Also hat die Stadt jetzt selbst das Heft des Handelns in die Hand genommen. Das birgt Vorteile und Risiken.

Guido Kratzke

Die Stadt hat die Planung für das Hertie-Kurti-Areal selber in die Hand genommen und will auch als Bauherr tätig werden. Ob es dazu kommt, dass der Bürgermeister auch selber im Bagger sitzen wird, so wie es unser Zeichner sieht, wird die Zeit zeigen . . . Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Der Beifall der Ratsmitglieder nach der Präsentation der Stadtverwaltung zur neuen Mitte Gronaus hatte was von Höflichkeitsapplaus. Die Aufbruchstimmung, die die Verwaltungsspitze mit dem Projekt in Gronau schaffen möchte, fiel relativ verhalten aus.

An den gezeigten Plänen wird es wahrscheinlich nicht gelegen haben. Vielmehr an den Rahmenbedingungen, unter denen sie und die Überlegungen zur Realisierung zustande gekommen sind. Schließlich ist es nicht der erste Plan, den die Kommunalpolitiker sich anschauen durften – und wahrscheinlich auch noch nicht der finale, denn die Diskussionen innerhalb der städtischen Gremien könnten in den kommenden Wochen noch für Veränderungen sorgen.

Hausaufgaben erledigt

Die Politik hat vor 18 Monaten die Entscheidung getroffen, das Heft des Handels selbst in die Hand zu nehmen. Die Verwaltung hat jetzt ihrerseits die Hausaufgaben erledigt und eine Planung vorgelegt, bei der die öffentliche Nutzung im Mittelpunkt steht und gleichzeitig Raum für eine Weiterentwicklung des Einzelhandels vorgesehen wurde. Bürgermeister und Wirtschaftsförderin betonen, es gebe ernsthafte Interessenten – allerdings können die der Öffentlichkeit derzeit noch nicht präsentiert werden. Abhängig von der Vertrauensbasis zur Kommunalpolitik könnten hinter verschlossenen Türen erste Namen gefallen sein. Die vonseiten der Bürgerschaft immer wieder gehandelten großen Namen wie Media Markt, Saturn oder H&M werden es wohl nicht sein, da für sie Städte in der Größenordnung Gronaus nicht im Fokus stehen. Auch der aus der Bürgerschaft immer mal wieder eingeforderte Vollsortimenter wie ein E-Center oder Kaufland, der als Supermarkt sicher Frequenz bringen würde, wurde vom Stadtbaurat an dieser Stelle abgelehnt.

Ausbluten von Standorten vermeiden

Die Verwaltungsspitze verweist darauf, man habe geschaut, was in Gronau fehle und habe bei der Vermietung das Heft des Handelns in der eigenen Hand. Das gelte auch dann, wenn beispielsweise ein Ausbluten bisheriger Einzelhandelsstandorte durch Umzüge vermieden werden müsse. Sollte das Projekt Wirklichkeit werden, so wird sich die Verwaltung an ihren Taten messen lassen müssen.

Wichtig dürfte es angesichts der für den Einzelhandel unsicheren Zeiten sein, mit nicht zu optimistischen Mieteinnahmen in diesem Bereich zu kalkulieren.

Die Finanzierung des Projektes, das sich sicher irgendwo im mittleren zweistelligen Millionenbereich befinden wird, stellt auch eine kleine Herausforderung dar. Nicht nur steuerliche Dinge, sondern auch der dauerhafte Unterhalt und die Verwaltung der Flächen stellt eine Aufgabe dar für die Mitarbeiter der Stadt und ihrer Tochtergesellschaften, auf die die verschiedenen Aufgaben aufgeteilt werden sollen, die es bislang in der Form nicht gab. Niedrige Kommunalzinsen und Förderprogramme dürften die Realisierung möglich machen.

Natürlich ist an dieser Stelle viel Geld in die Hand zu nehmen. Spätestens nach dem Drio-Aus dürfte allerdings klar sein, dass private Investitionen an dieser Stelle aktuell eher unwahrscheinlich sind. Und wird es richtig gemacht, so wird auch kein Geld verbrannt. Es werden Werte geschaffen.

Aufbruchstimmung erzielen

Da auch an anderen Orten in der Stadt Projekte sich in der Realisierungsphase befinden, dürfte es nicht unwahrscheinlich sein, dass mit einem Leuchtturm wie der Bebauung der Hertie-Grube und des Kurt-Schumacher-Platzes eine Aufbruchstimmung in Gronau erzielt werden könnte. Im Hinterkopf ist noch immer die Laga, die nach dem Aus der Textilindustrie schon einmal dafür sorgte, dass die Bürgergesellschaft sich neu aufstellte und auch in anderen Bereichen positive Entwicklungen zu verzeichnen waren. Auch wenn der Effekt mittlerweile verpufft ist, so wirken einige Dinge noch heute nach.

Wichtig ist, dass sich die Politik in den kommenden Wochen festlegt. Schwierig macht die Entscheidung, dass es keinen vorliegenden Plan B gibt. Die Losung für ein schnelles Ergebnis (und da reden wir immer noch von mehreren Jahren) lautet: „Friss oder stirb.“

Was ist Ihre Meinung? Schreiben Sie uns gerne! WN, Redaktion, Pumpenstraße 3, 48599 Gronau oder redaktion.gro @wn.de

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