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Das 17. Jazzfest 2005

Musikalische Vielfalt trotz Absagen

Gronau

In einer Serie blicken wir auf das Gronauer Jazzfest zurück. Heute geht es um die 17. Auflage vom 22. April bis 1. Mai 2005.

Martin Borck

Smiley Ricks und seiner Mardi Gras Indian Band. Foto: Martin Borck

Während in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan das Konklave zur Wahl eines neuen Papstes stattfand, bereitete sich Gronau auf die 17. Ausgabe des Jazzfestes vor. Der Papst war schneller: Josef Ratzinger wurde drei Tage vor dem ersten Konzert des 17. Jazzfests zum Papst gewählt. „Habemus Papam“, hieß es in Rom. Es wird wohl keinen kausalen Zusammenhang geben – aber am selben Tag sagte Deutschlands Rocksängerin Nummer 1, Nina Hagen, ihren geplanten Auftritt mit der Bigband Leipzig auf dem Jazzfest Gronau ab. Die Gründe lagen im Dunkeln. Man munkelte von angeblichen Todesdrohungen. Für Jazzfestorganisatoren Elmar Hoff und Otto Lohle ein herber Schlag – denn in der Kürze der Zeit konnte kein Ersatz gefunden werden. Und es war schon die zweite Absage: Ex-Stones-Bassist Bill Wyman mit seinen Rhythm Kings konnte ebenfalls nicht auftreten, weil seine Sidemen Albert Lee und Mike Sanchez aus anderen vertraglichen Vereinbarungen nicht herauszulösen waren. Nur: Das hatte die Agentur den Jazzfestmachern erst mitgeteilt, als das Programm schon in alle Welt verschickt worden war.

Aber es waren genug andere musikalische Schmankerl zu erleben. Zum Beispiel die englische Band Colosseum und die Bill Evans Group. Colosseum mit Jon Hiseman am Schlagzeug, Mark Clarke am Bass, Dave Clem Clempson an der Gitarre, Sänger Chris Farlowe und nicht zuletzt Saxofonistin Barbara Thompson spielten zeitlos gute, auf dem Blues fußende Musik.

Der amerikanische Saxofonist Bill Evans mit seiner Soulgrass Band brachte einen innovativen Mix mit Blue­grass-Elementen und Funk – wobei es schon eine Herausforderung ist, diese beiden Richtungen so zu arrangieren, dass es passt. Doch Fusion-Ass Bill Evans schaffte das.

Wer den Bassisten Marcus Miller mal außerhalb der Bühne treffen wollte, musste sich in den Eper Park begeben. Dort spielte er mit den Mitgliedern seiner Band Basketball – und zeigte sich als nahbarer, sympathischer Mensch. Auf der Bühne schalteten Miller und seine Musiker den Funk-Turbo ein und groovten wie wild. Wobei der Freund der tiefen Töne auch zur Bassklarinette griff und klanglich erfrischend andere Tupfer setzte

In der Big-Band-Night vermittelte das King of Swing Orchestra den Sound der Swing-Ära. Das Orchester widmete sich der Musik von Count Basie, der in jenem Jahr 101. Geburtstag hätte feiern können.

Die Musik und Kultur von Louisiana - die Wiege des Jazz‘ stand in New Orleans, nahm breiten Raum ein – Nicht nur, dass die Sängerin und musikalische Botschafterin der Stadt, Lillian Boutté, wieder mal in der Stadt gastierte; doch im Mississippi-Delta gedeihen noch ganz andere musikalische Gewächse: Smiley Ricks und seine Mardi Gras Indian Band gaben einen Einblick in die von afrikanischen Mythen und Mysterien beeinflussten musikalischen Richtungen. In ihren Federkleidern sorgten sie für gewisses Aufsehen.

Familienfreundlich das Programm beim sonntäglichen Frühschoppen: Trevor Richards und seine All Stars Band präsentierten New Orleans Jazz, und Bob Kerr mit seiner Whoopee Band verbreitete erneut gute Laune mit einer gehörigen Portion britischen Humor mit Pfefferminzsoße.

Ein ungewöhnliches Ereignis wurde ins Jazzfest integriert: Perkussionist Andreas Hermjakob, vielen Gronauern als umtriebiger Musiker bekannt und beim Jazzfest im Hintergrund tätig, legte nach fünfjährigem Studium am Konservatorium Enschede sein Examen ab. Sein Diplomkonzert in der damals „Kaleidoskop“ genannten Lokalität im WZG bestand er mit Glanz und Gloria. Als einer der Juroren mit dabei: Perkussionist Nippy Noya, der schon mit unzähligen Musikern gespielt hat und damals Dozent am Konservatorium war. Heute ist Andreas Hermjakob Leiter der Musikschule in Ochtrup.

Mit Petra Böing, Bärbel Dömer, Marlies Immick und Heinz Hönerlage wurden langjährige Helfer hinter der Bühne wurden geehrt.

Freitagabend, Samstag und Sonntag hing erneut eine dicke Klangwolke über der Innenstadt.

Den fulminanten Abschluss des Jazzfestes bildete erneut ein Gospelkonzert in der Stadtkirche mit den Unstoppable Gospel Creators. Ihre beseelte Musik riss das Publikum von den Bänken.

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