1. www.azonline.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Nienborg
  6. >
  7. Jungfische sind Pioniere

  8. >

Fischer wollen die Quappe wieder in der Dinkel ansiedeln

Jungfische sind Pioniere

Nienborg

Hunderte von ihnen wuseln in einem großen, mit Wasser gefüllten Sack. Drei bis fünf Zentimeter – mehr messen die kleinen Fische noch nicht. Behutsam hebt Rainer Borgert, Gewässerwart beim ASV Nienborg, den Sack oberhalb der historischen Wassermühle in die Dinkel.

Till Goerke

Hunderte von kleinen Fischen einer ganz besonderen Art setzte der ASV Nienborg jetzt in die Dinkel. Foto: Till Goerke

Innerhalb weniger Sekunden strömen Hunderte winziger Quappen in den Fluss. Ihr Schicksal? Ungewiss. Es ist ein Arten-Experiment.

Mit einer Art, die in den zurückliegenden Jahrzehnten bis auf einen winzigen Restbestand in der Lippe aus den hiesigen Gewässern verschwunden war. Ausgewachsen können die bodenlebenden und nachtaktiven Fische auf ein Gewicht von bis zu 34 Kilogramm kommen. Davon sind die kleinen Quappen in der Dinkel natürlich noch weit entfernt.

​„Es ist ein Versuch, wir hoffen, dass möglichst viele der Jungfische überleben“, so ASV-Gewässerwart Borgert. Mit der Wiederansiedlung der Quappe hat der Angelverein bereits im vergangenen Jahr begonnen. Sowohl 2020 als auch jetzt wurden 1000 Jungfische in die Dinkel gesetzt – die eine Hälfte oberhalb, die andere unterhalb der Wassermühle. Alle Jungfische sind Nachzuchten aus dem Lippe-Restbestand. An dem Projekt „Quappen in der Dinkel“ beteiligen sich insgesamt fünf Angelvereine aus Nienborg, Heek, Epe, Gronau und Legden. Geliefert werden die Jungfische vom Landesfischereiverband Westfalen und Lippe, der in den ersten Jahren auch die Kosten der Wiederansiedlung trägt. Später sollen sich die Angelvereine finanziell beteiligen.

Beschränkte Befischung

​„So weit sind wir aber noch nicht“, macht Carsten Nolting vom Landesfischerverband deutlich. Der Diplom-Biologe hat in seinem Lieferwagen etliche Säcke mit Quappen dabei. „Ich fahre der Reihe nach die Angelvereine ab“, so Nolting. Nach der Übergabe liegt es dann in den Händen der Angelvereine, die Fische in die Dinkel zu entlassen und das primäre Monitoring durchzuführen. Der Landesfischereiverband unterstützt die Vereine dabei aber auch. Das Monitoring beinhaltet, obwohl die Quappe streng geschützt ist, auch eine beschränkte Befischung. Mit Sondergenehmigung versteht sich. „Es geht darum, dass wir so nachhalten können, wie sich die Quappe in den Gewässern entwickelt“, erklärt Carsten Nolting.

​Über eine App können die Angler mit wenigen Klicks an den Fischereiverband übermitteln, wenn sie eine Quappe gefangen haben. Dabei geht es dann auch um die Größe und den Gesundheitszustand der Tiere. „Wie es sich alles entwickelt, können wir noch nicht sagen, aber wir sind froh, bei solch einem wichtigen Projekt dabei zu sein“, sagt ASV-Gewässerwart Borgert.

Vor vielen Jahrzehnten schon in der Dinkel

Denn längst wissen die Fischereiexperten noch nicht alles über die Quappe und ihre Lebensweise. Klar ist aber, dass der Bestand durch den technischen Gewässerausbau sowie Schmutz- und Warmwassereinleitungen innerhalb kürzester Zeit zu einer massiv bedrohten Fischart wurde. Und klar ist auch, dass es die Quappe vor vielen Jahrzehnten schon einmal in der Dinkel gab.

„Gott sei Dank hat sich die Wasserqualität mittlerweile in vielen Gewässern deutlich verbessert“, hat Carsten Nolting Hoffnung, dass sich die Quappe auch die Dinkel nachhaltig zurückerobern kann. Laut des Diplom-Biologen wäre eine Überlebensquote von zehn Prozent schon ein großer Erfolg. Bei 2000 in Nienborg eingesetzten Quappen wären das 200 Stück.

Startseite