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Nienborger wollte nur Umweltverschmutzung beseitigen

Plötzlich unter Verdacht

Nienborg

Schnell machte die Geschichte in der örtlichen Facebook-Gruppe die Runde: Irgendwer hatte in der Bauerschaft Callenbeck wahrscheinlich am Pfingstwochenende einen kompletten Satz Reifen auf Stahlfelgen samt Radkappen mit VW-Emblem illegal am Straßenrand entsorgt.

Till Goerke

Irgendwer hat die Reifen an den Pfingsttagen in der Bauerschaft entsorgt. Christian Steinweg sammelte sie ein und stellte sie im Netz zum Verkauf ein. Das ließ manche vermuten, dass er der Verursacher der Umweltverschmutzung sei. Foto: Mensing

Die Umweltsünde sorgte für mächtig Empörung im sozialen Netzwerk. Etliche Nutzer ließen ihrem Unmut freien Lauf. Einer ließ es nicht beim Kommentieren: Christian Steinweg packte an.

​Doch der Reihe nach. Entdeckt wurde die Umweltsünde am Pfingstmontag, in den Mittagsstunden tauchte der Post auf der Internetplattform Facebook auf. Auch Christian Steinweg las das.

Doch im Gegensatz zu allen anderen beließ es Christian Steinweg nicht nur beim Meckern, sondern fuhr zur Fundstelle und lud die Reifen samt Radkappen in sein Auto. „Wir waren auf dem Rückweg nach einem Besuch bei den Schwiegereltern, als ich mich dazu spontan entschieden habe“, sagt der Nienborger.

​Genau habe er nicht gewusst, wo die Reifen liegen. „Ich bin einfach langsam die besagte Straße abgefahren.“ Irgendwann habe er die Reifen dann entdeckt und in sein Auto gepackt. Einfach, damit diese aus Natur verschwinden und die Polizei Zeit hat, sich um wichtigere Dinge zu kümmern. „Nur meckern hilft nicht, man muss anpacken.“

Fast um die Ohren geflogen

Und doch wäre ihm seine Aktion fast um die Ohren geflogen. Denn Steinweg stellte die Reifen und Radkappen bei einer Internet-Kleinanzeigenbörse zum Verkauf ein. Der Erlös ist bereits fest für ein großes Eis für seine drei Kinder und die Ehefrau verplant. „Für den Hund gibt es einen Hundekuchen.“

Ein Facebook-Nutzer entdeckte die Reifen auf der Internet-Aktionsbörse und stellte den Zusammenhang zu den illegal entsorgten Reifen her, nach dem Motto: Da hat jemand die Reifen nicht verkauft bekommen und hat sie jetzt einfach illegal entsorgt.

Auch wenn in der Anzeige „Festpreis“ steht: Für Heeker und Nienborger würde Christian Steinweg 20 Prozent Rabatt geben. Foto: Foto: Screenshot

„Da bekam ich schon etwas Angst. Ich wollte ja nicht, dass noch die Polizei bei mir vor der Tür steht“, erinnert sich Christian Steinweg. Also entschloss sich der Nienborger, in die Offensive zu gehen.

​Unter dem entsprechenden Facebook-Post veröffentliche er ein langes Statement, in dem er den Verdacht, er sei der Verursacher, zu entkräften versucht. Ausführlich schildert Christian Steinweg den ganzen Vorgang. „Ich habe doch nichts Falsches gemacht. Ich wollte nur helfen.“

Naturschutz ist selbstverständlich

Dessen ungeachtet sei es eine Selbstverständlichkeit die Natur zu schützen. „Ich sammele oft Müll beim Spazierengehen ein und entsorge den bei uns in der Mülltonne“, sagt Steinweg.

Warum immer wieder Leute ihren Müll arglos wegwerfen, kann er nicht nachvollziehen.

Erst recht nicht bei alten Autoreifen.

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