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NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer verteilt Grundgesetz-Ausgaben an Zehntklässler der Sekundarschule

„Wir haben Ihnen viel zugemutet“

Schöppingen

Die Folgen der Corona-Pandemie für die Schülerinnen und Schüler sind ungewiss. „Wir wissen noch nicht, was es für die Jüngeren in Zukunft bedeutet“, sagte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Freitagvormittag während ihres Besuchs anlässlich des Verfassungstags vor Zehntklässlern.

Rupert Joemann

Was die Corona-Pandemie für die Zukunft der jüngeren Menschen einmal bedeuten wird, kann auch NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer noch nicht sagen. Foto: Rupert Joemann

„Wir haben Ihnen viel zugemutet“, sagte die Ministerin zu einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern in der Mensa der Sekundarschule Horstmar-Schöppingen. Die Veranstaltung wurde per Video live in die Klassenräume der Zehntklässler übertragen.

Das sahen die Schülersprecher Alina Feemers und Jost Laubrock ähnlich. „Durch die Ausgangssperre, das Maskentragen und die Kontaktbeschränkungen wird in unsere Freiheit eingegriffen. Auch wir Schüler haben mit diesen Maßnahmen eine große Last zu tragen“, sagte Jost Laubrock. Die Jugendlichen dürften sich nicht mit Freunden treffen und hätten meistens kein Hobby zum Ausgleich. Die Prüfungen mussten sie aber trotz langen Distanzunterrichts normal schreiben. Laubrock: „Nur durch unsere gute Zusammenarbeit haben wir die Zeit gemeistert.“

Verantwortung für ältere Generationen übernommen

Trotz aller Einschränkungen sei das Grundgesetz aktuell in einer guten Verfassung, so Laubrock. „Ja, das ist es, weil wir als junge Menschen die Einschränkungen mitgetragen und ihren Sinn verstanden haben“, sagte Alina Feemers.

„Ihr habt Verantwortung für ältere Generationen übernommen“, lobte Schulleiter Hubertus Drude das Verhalten der Jugendlichen. Ohne Einsicht, so Drude, sei das vorgelebte Verhalten aktuell nicht möglich. „Wir als Schule“, so Jost Laubrock, hätten gelernt, „dass man schwierige Krisen nur gemeinsam überstehen kann – mit Zusammenhalt, Solidarität, Verzicht, Respekt, Flexibilität, Wertschätzung, Achtung vor dem Leben und den Generationen“.

„Das Grundgesetz kennt keine Unterschiede. Jeder Mensch ist wertvoll“, sagte Schöppingens Bürgermeister Franz-Josef Franzbach. Für Yvonne Gebauer ist das Grundgesetz „wie ein Haus, in dem wir gut leben können“. Diesen Vergleich habe die NRW-Schulministerin von einem 17-jährigen Jungen aus Eritrea übernommen. Und Gebauer zitierte noch ein syrisches Mädchen: „Das Grundgesetz garantiert uns Freiheiten, die wir nicht kannten.“ Diese Freiheiten gelte es zu bewahren. Dabei müsse das Grundgesetz entwickelt und „den neuen Realitäten angepasst“ werden, so Yvonne Gebauer.

Die Grundrechte, ist die FDP-Politikerin überzeugt, müssten gelebt werden. „Durch Ihr alltägliches couragiertes Verhalten schützen Sie das Grundgesetz“, sagte die 54-Jährige zu den Schülerinnen und Schülern gewandt.

Wichtigste Regeln für den Staat

„Dieses Gesetz enthält die wichtigsten Regeln für den Staat und damit auch für das Zusammenleben der Menschen. An dieses Grundgesetz sind alle Regierungen und Behörden und auch unsere Schule gebunden“, sagte Alina Feemers.

Darauf bezog sich auch Lehrerin Alexandra Korten: Der Nachsatz von Artikel 1, die Würde des Menschen ist unantastbar, „sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“, erinnere an die Verpflichtung des Staates.

Dass nicht alles eine Selbstverständlichkeit sei, zeigte Korten am Beispiel von Elisabeth Selbert. Die SPD-Politikerin gehörte 1948/49 dem Parlamentarischen Rat an, der das Grundgesetz erarbeitete. Selbert hatte sich dafür eingesetzt, dass im Artikel 3 die Gleichberechtigung von Frauen und Männern aufgenommen wurde. Damals war das keine Selbstverständlichkeit.

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