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Gronauer vom Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes freigesprochen

Urteil bringt nur Verlierer hervor

Gronau/Ahaus

Als der Vorsitzende Richter am Schöffengericht Ahaus den Freispruch verkündete, war er selbst nicht glücklich mit dem Urteil. Nicht, weil er den Angeklagten für schuldig hielt. Sondern weil die Beweisaufnahme ohne neue Erkenntnisse abgeschlossen wurde.„Das Urteil hat nur Verlierer hervorgebracht – aber es war kein anderes möglich“, beschrieb der Richter seine eigene Einschätzung und die der Schöffen.

Bernd Schäfer

Foto:

Der Angeklagte habe sich sicherlich gewünscht, dass die Vorwürfe gegen ihn komplett ausgeräumt worden wären. Die als Nebenklägerin auftretende junge Frau, dass er zu einer Strafe verurteilt wird.

Mitte der 2000er-Jahre, so die Anklage, soll der heute 39-jährige Gronauer die damals achtjährige Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin in der gemeinsamen Wohnung in Gronau mindestens zweimal erheblich sexuell missbraucht haben. Dabei habe er dem Mädchen gedroht, dass er ihrer Mutter, die bei beiden angeblichen Taten nicht zu Hause gewesen sein soll, etwas antun werde, wenn sie ihr etwas davon erzähle.

Erst Jahre später hatte die mittlerweile 22-Jährige die Vorwürfe bei einer psychologischen Therapiesitzung erhoben.

In der Gerichtsverhandlung mochten sowohl der Angeklagte als auch die als Nebenklägerin auftretende Frau keine Angaben zu dem vermeintlichen Geschehen machen.

Dabei hatte deren Anwältin zuvor noch erfolgreich darum gebeten, während der Aussage den Angeklagten und die Öffentlichkeit aus dem Gerichtssaal auszuschließen: Ihre Angst vor der großen Belastung sei so groß, dass eine erhebliche Verschlechterung ihres psychischen Zustands zu befürchten sei.

Doch auch ohne den Angeklagten und die Öffentlichkeit war die Frau nicht dazu zu bewegen, die zuvor bei der Therapie und einer anschließenden polizeilichen Vernehmung erhobenen Vorwürfe zu wiederholen und vor allem zu präzisieren.

„Die Aussage bei der Polizei hat durchaus einige Fragen offengelassen, die heute hätten ausgeräumt werden müssen“, merkte der Richter bei der Urteilsverkündung an, dass eine Schuld des Angeklagten für ihn und die Schöffen nur aufgrund der Polizeiprotokolle nicht eindeutig bewiesen sei. Trotzdem fühlte sich die junge Frau auch nach einer kurzen Verhandlungsunterbrechung, in der sie sich mit ihrer Mutter und ihrer Rechtsanwältin besprach, nicht in der Lage, etwas zu den Vorwürfen auszusagen und machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Deshalb sah auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft von einer weiteren Verfolgung der Anklage ab. „Die heutige Vernehmung konnte die Anklageschrift nicht bestätigen“, sagte sie in ihrem Schlussplädoyer. Da das vermeintliche Opfer keine Angaben machte, gebe es keine Beweismittel für eine weitere Verfolgung.

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