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Russlanddeutscher angeblich „sprachlich nicht so begabt“

AfD: Eigener Kandidat soll Diskussionen fern bleiben

Kreis Coesfeld

Es gibt eine Reihe an Podiumsdiskussionen mit den Bundestagskandidaten aus dem hiesigen Wahlkreis Coesfeld-Steinfurt II. Die Politiker stellen sich vor, diskutieren, streiten. Doch einer fehlt: Der Direktkandidat der AfD, Dr. Leonhard Martin aus Emsdetten. Die AfD hat ihren eigenen Kandidaten jetzt aufgefordert, nicht mehr an Podiumsdiskussionen teilzunehmen. Grund dafür sind nach Schilderungen Martins angebliche sprachliche Schwierigkeiten des Russlanddeutschen.

Von Viola ter Horst

Spricht angeblich problematisch: Dr. Leonhard Martin, Direktkandidat der AfD im hiesigen Wahlkreis. Foto:

Nach der ersten Podiumsdiskussion am 31. August in Nottuln seien Vorstandsmitglieder der AfD auf ihn mit der „dringenden Bitte“ zugekommen, die künftigen Veranstaltungen, bei denen der Diplom-Ingenieur eigentlich mitreden wollte, abzusagen, berichtet Martin auf Nachfrage. Als Grund hätten die Parteikollegen angegeben, dass er sprachlich und rhetorisch nicht so begabt sei.

Dabei spricht Martin, der seit 1996 in Deutschland lebt und für die AfD im Kreistag Steinfurt vertreten ist, zwar mit Akzent, aber fließend und gut verständlich deutsch. Davon sind seine Kollegen aber offenbar nicht alle überzeugt. „Ich habe nun die weiteren Podiumsdiskussionen abgesagt, zu denen ich eingeladen war“, sagt Martin. Schweren Herzens, „aber wenn eine Mehrheit der Meinung ist, dass mein Auftreten für die Partei nicht förderlich ist, dann muss ich das akzeptieren“, so der Ingenieur. Und: „Auch das ist Demokratie.“

Die Diskussion in Nottuln, die die dortige Kaufmannschaft organisiert hatte, wurde auch aufgezeichnet und ist auf Youtube zu sehen.

Eine Nachfrage unserer Zeitung beim Sprecher der AfD Kreis Coesfeld, Jens Kellmann, blieb gestern unbeantwortet.

Für Martin fallen nun eine Reihe an Wahlkampf-Elementen weg. So verzichtet der Maschinenbauer nicht nur auf Auftritte, sondern auch auf Interviews mit Audioaufzeichnung.

Die Enttäuschung ist Martin, der auch selber im AfD-Vorstand vertreten ist, anzumerken, denn aus seiner Sicht hätte er gerade mit seinem Akzent für die AfD in der Community der Russlanddeutschen punkten können.

Einwände will der überzeugte und treue AfDler aber nicht gegen die deutliche Bitte erheben, den Podiumsauftritten im Wahlkampf fernzubleiben – und rebellieren schon gar nicht. „Ich würde die Partei niemals verlassen“, sagt er. 

 Was für ein Hohn 

Kommentar zum Thema von
Viola ter Horst 

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