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Wassertreten erfrischt in der einzigen Kneipp-Kita im Kreis     

Affenbande im Storchengang     

Dülmen. „Ein Quakie! Ein Quakie!“ Die kleine Nele ist ganz aus dem Häuschen, als sie am Treppenaufgang des Edelstahlbeckens einen braunen Frosch entdeckt. Thomas Schulte-Vorwick, der in der Awo-Kindertageseinrichtung an der August-Brust-Straße in Dülmen sein freiwilliges soziales Jahr absolviert, fängt ihn mit der Hand ein – und dann kommen auch die anderen Kinder der „Affenbande“ – so heißt Neles Gruppe – herbeigeströmt, um das Tier genauer in Augenschein zu nehmen. Einer hat sich schnell der Hose und des T-Shirts entledigt. Nur mit Windel geht er ins Wasser. Die anderen krempeln sich Röckchen und Hosen hoch, damit die Kleidung nicht nass wird. „Wie machen wir es richtig?“ fragt Kita-Leiterin Marion Uhlending, als sich der Kinder-Erzieher-Tross nach dem Frosch-Gucken in Bewegung setzt. Schritt für Schritt tasten sich die Ein- bis Sechsjährigen im für sie knietiefen Wasser vor – jedes Bein wird dabei immer ein Stück hochgehoben – „wie es der Storch macht“, erklärt Maik.

Detlef Scherle

Einen weiten Ausflug mussten die Kinder des Familienzentrums für diese Kneipp-Anwendung nicht machen. Das Wassertretbecken, „schon ein Stück Luxus“, wie Uhlending findet, lädt direkt im Garten der Einrichtung zu gesunden Runden ein. „Täglich wird es von allen Gruppen genutzt“, berichtet sie. Das gehört zum pädagogischen Konzept. Die Awo-Einrichtung ist nämlich vom Kneipp-Bund in Deutschland offiziell als Kneipp-Kita zertifiziert. Seit 2012. Als bislang einziger Kindergarten im Kreis Coesfeld. Eng kooperiert die Fünf-Gruppen-Einrichtung, die von 105 Kindern besucht wird, mit dem örtlichen Kneipp-Verein, der zum Beispiel abends in den Räumlichkeiten Gesundheits-Veranstaltungen durchführt, an denen wiederum auch die Eltern der Kinder teilnehmen können.

„Um zertifiziert zu werden, müssen wir bestimmte Auflagen erfüllen“, erklärt Uhlending bei einem Rundgang durch die Kita, der in der Küche beginnt: „Wir kochen hier frisch“, erzählt sie. Die Ernährung spiele bei Kneipp eine große Rolle, ausgewogen soll sie sein. So gibt es nur ein- bis zweimal die Woche Fleisch. Bei Nudeln und Reis wird auf Vollkornprodukte geachtet. Einige Zutaten bauen die kleinen Gärtner sogar selbst an: So windet sich draußen eine Schlangengurken-Pflanze an der Wand hoch. Kräuterbeete duften verführerisch mediterran. „Jede Gruppe hat eines“, berichtet Uhlending. Für den Frühstücksquark oder die Kapuzinerkresse-Butter können dann dort direkt frische Kräuter geschnitten werden.

In einer Zusatz-Ausbildung haben sich fast alle 25 Mitarbeiterinnen zu Gesundheits-Erzieherinnen weiterbilden lassen – die Kneipp-Auflage wäre schon bei der Hälfte erfüllt gewesen. Aber alle seien „total überzeugt“ von dem Konzept, das sie auf Tagungen mit anderen Awo-Kitas, die schon länger danach arbeiten, kennen gelernt haben.

„Regelmäßig führen wir auch Inhouse-Schulungen durch“, so Uhlending, zuletzt ein Seminar mit einer Wildkräuter-Expertin. Die Wanderung rund um die Einrichtung machen die Erzieherinnen jetzt mit den Kindern, um mit ihnen heilkräftige Pflanzen zu sammeln, aus denen sie dann Salben, Tees oder Tinkturen selbst herstellen. Regelmäßig sind sie mit den Kindern auch zu Gast im Vital-Bereich des Freizeitbades „düb“, wo sie gemeinsam saunieren.

Stolz sind die Mitarbeiterinnen darauf dass ihr Konzept demnächst in einem pädagogischen Fachbuch Eingang findet. Der Erziehungswissenschaftler Prof. Tassilo Knauf legt sein „Handbuch der pädagogischen Ansätze“ neu auf und hat dafür in Dülmen recherchiert.

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