Jubel-Königspaar erinnert sich: Frisch verliebt auf den Thron

„Das wirkt alles noch surreal“

Ascheberg

Sie waren vier Tage ein Paar, dann wollte Patrick Drees den Schützenvogel locker schießen. Der machte den Abflug, Drees zum König und Nadja Baumann nach einer bangen Wartezeit zur Königin. Zehn Jahre später ist das stressigste Wochenende des Lebens immer noch präsent.

Theo Heitbaum

Patrick Drees und Nadja Baumann regieren die Ascheberger Bürgerschützen 2011. Foto: Theo Heitbaum

„Es war das stressigste Wochenende meines Lebens.“ Als Patrick Drees Christi Himmelfahrt 2011 um 17.04 Uhr bei strahlend blauem Himmel aus allen Wolken fiel, war Nadja Baumann weit entfernt. Der Holland-Kurzurlaub mit den Eltern sollte ruhig und entspannt werden. Er endete jäh: Über Niederzier ging es ins fremde Ascheberg und dort direkt auf den Thron der Bürgerschützen. Vier Tage war sie gerade Freundin des Aschebergers, da hatte er sie schon unfreiwillig zur Königin gemacht. Zehn Jahre liegt das inzwischen zurück.

„Immer wenn ich in Ascheberg Michael Mersmann treffe, werde ich an den Tag erinnert. Er war es, der mich überredet hat, den Vogel locker zu schießen“, blickt Drees zurück. Der Fußballer, der für den TuS Ascheberg und Union Lüdinghausen schon viele Tore erzielt hatte, landete an der Vogelstange einen Volltreffer. Das Holz brach völlig unerwartet auseinander, und Drees schlug die Hände über dem Kopf zusammen.

Volltreffer deutete sich nicht an

Es folgten bange Momente. Die Freundin war nicht zu erreichen. Während der Ascheberger nervös mit dem Handy am Ohr über die Festwiese tigerte, ging Nadja Baumann mit den Eltern spazieren. Ihr Handy lag im Auto. Neben entgangenen Anrufen war bei der Rückkehr dort eine SMS zu lesen: „Rufe mich dringend an!“

Der Rückruf ließ nach dem Vogel auch einen Stein vom Herzen des neuen Schützenkönigs auf Schlingermanns Weide zu Boden fallen: „Als Nadja ja gesagt hat, war für mich alles gut“, fiel der Druck von der unverhofften Majestät ab. Im Rückblick sagt der 35-Jährige: „Das wirkt alles noch surreal.“

Natürlich machte auf der Schützenwiese die Geschichte von der jungen Liebe die Runde. Mit ihr eine Prognose, über die beide heute herzhaft lachen. „Wenn sie in fünf Wochen noch zusammen sind, dann hält das länger“, unkte das Schützenvolk. Denn die Insider rechneten schnell aus, dass an den folgenden vier Wochen drei Gastauftritte bei Nachbarvereinen anstanden. „Ich habe gedacht: Hört das denn nie auf?“, erinnert sich Baumann.

Denn das Paar war damals zudem mitten in der Klausurenphase des Studiums. „Wir haben uns auf dem Weg von Köln zu einem Fest im Auto umgezogen“, sagt Drees, und Baumann ergänzt: „Und geschminkt.“

Verrückte Zeiten, zu denen auch gehört, dass sie die Familie Drees – bis auf Patricks Bruder Christoph – Christi Himmelfahrt 2011 noch nicht kannte. Die erste Begegnung auch mit seinen Freunden und Bekannten fand im Schützenfest-Scheinwerferlicht statt.

Jubiläumsblumenstrauß fällt mit dem Fest aus

Patrick Drees hat auch in den Folgejahren wenig von den Schützenfesten verpasst. Nadja Baumann hat ihre Besuche etwas zurückgefahren: „Ich war jedes Jahr an einem Tag da, manchmal auch mehr.“ Dieses Jahr hätte es am Sonntag Blumen fürs Jubiläumspaar gegeben. Hätte. Corona hat schon vor einem Jahr keine fröhliche Feier zugelassen. Die Majestäten 2011 wären als Paar erschienen. Natürlich vermisst der Ascheberger das Fest mit dem Treffen alter Bekannter mehr als die gebürtige Rheinländerin. „Natürlich fehlen mir die ungezwungenen Treffen, einfach mit Freunden zusammenzusitzen. Ich bin nicht so der Typ für die große Party“, sagt Baumann.

Fußball-Karriere ist beendet

Patrick Drees ist trotz räumlicher Distanz immer im Vorstand geblieben. Das hat er auch weiterhin vor: „Wir haben gerade einen Generationswechsel. Die Truppe ist gut, es macht Spaß“, erklärt der Protokollführer.

Mit dem Fußball hat Drees schon lange aufgehört. „Das Aufstiegstrikot von Union Lüdinghausen hängt in einem Rahmen in unserer Wohnung“, hat er ein Erinnerungsstück an den Bezirksliga-Titelgewinn und eine tolle Truppe aus der Saison 2011/2012 behalten. Fit fühlt der frühere Mittelfeldstratege sich allerdings schon: „Seit die Fitnessstudios geschlossen haben, gehe ich fünf Mal die Wochen laufen. Körperlich so gut drauf war ich während meiner besten Fußballzeit, glaube ich, nicht.“

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