1. www.azonline.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Ascheberg
  6. >
  7. Der wiederentdeckte Kirchenschatz

  8. >

Broschüre befasst sich mit Votivgaben aus der Gemeinde St. Lambertus Ascheberg

Der wiederentdeckte Kirchenschatz

Ascheberg/Münster

Die Gemeinde St. Lambertus Ascheberg will für Votivgaben, die auf dem Boden des Pfarrhauses entdeckt wurden, eine Schatzkammer in der Kirche einrichten. Welchen Wert der Schatz tatsächlich darstellt, ist in einer neuen Broschüre nachzulesen. Sie würdigt die „kostbare Wiederentdeckung“.

wn

Im Beisein von Stephan Kube (l.) und Martin Kaspar (r.) überreichte Prof. Dr. Johann Michael Fritz (2.v.r.) die Publikation an Dr. Ralf Hammecke, Verwaltungsdirektor im Bischöflichen Generalvikariat Münster. Foto: Ann-Christin Ladermann

Wer weiß, ob der Schatz der Ascheberger Glaubensgeschichte ohne den Anstoß der Geschwister-Fritz-Stiftung jemals eine Würdigung in ihrer jetzigen Form erhalten hätte? Längst gibt es Pläne, eine Art Schatzkammer zu errichten, in der die „vergessene Ascheberger Katharinentracht“ und die „Katharinenpyramiden“ präsentiert werden. In der Pfarrei sind für das Projekt schon mehr als 70 000 Euro an Spenden gesammelt worden.

Vorab hat Professor Dr. Johann Michael Fritz, der sich zusammen mit seiner Schwester für den Erhalt sakraler Kunst einsetzt, die Geschichte der „kostbaren Wiederentdeckung“, so der Titel, veröffentlicht. Die 32-seitige Broschüre, die im Aschendorff Verlag erschienen ist, überreichte er nun zusammen mit Fotograf Stephan Kube und Martin Kaspar von der Abteilung Kunst und Kultur an Dr. Ralf Hammecke, Verwaltungsdirektor im Bischöflichen Generalvikariat Münster.

Gemeinde sammelt Spenden

Die Geschwister-Fritz-Stiftung hatte 2013 erklärt, sich an den Restaurierungskosten eines eindrucksvollen Altar-Gemäldes in der Pfarrkirche St. Lambertus zu beteiligen. Dabei erfuhr Johann Fritz von rund 570 gut erhaltenen Votivgaben. In Ascheberg werden Gaben an die heilige Katharina erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1483 erwähnt.

Das Bergkristallgefäß in Form eines Löwen, das eine Reliquie enthält, die aber keinem Heiligen mehr zugeordnet werden kann. Foto: Stephan Kube

Mit dem Blick eines ausgewiesenen Kenners der Goldschmiedekunst erkannte Fritz unter den Votivgaben einen ungewöhnlichen Gegenstand: ein Bergkristall-Gefäß in Form eines Löwen. Nach eingehender Untersuchung stellten die Experten fest, dass es sich um einen kostbaren „Fatimidischen Bergkristall“ aus dem 11. Jahrhundert handelt, der als Reliquiar umgenutzt wurde. „Er stammt wahrscheinlich aus dem vorderen Orient und gelangte in der Zeit der Kreuzzüge in unseren Kulturkreis“, erklärt Fritz und bedauert, dass sich die Reliquie nicht mehr einem Heiligen zuordnen lässt: „Im Inneren des Löwen sieht man feinen Stoff mit bräunlichen Blutspuren und, dahinter eingeklemmt, einen Pergament- oder Papierstreifen, auf dem, leider nicht mehr lesbar, wohl der Name des Heiligen stand, von dem die Reliquie stammt.“

Wie der Bergkristall nach Ascheberg gelangt ist, lässt sich nicht mehr ermitteln. Fritz stellt in der Publikation die These auf, dass der münsterische Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen (1606 bis 1678) mit der Weitergabe des Stückes nach Ascheberg vielleicht die Wallfahrt in dem westfälischen Ort stärken wollte.

Hammecke freut sich, dass mit der Zusammenfassung der „kostbaren Wiederentdeckung“ der besondere Schatz der Ascheberger Glaubensgeschichte gewürdigt wird. „Gerade die Entdeckung des Bergkristall-Gefäßes ist ein eindrucksvolles Beispiel eines interreligiösen Kulturtransfers“, betont der Verwaltungsdirektor und dankt den Geschwistern Fritz für ihren Einsatz.

Für Fritz ist es ein Herzensanliegen, die Ornamenta Ecclesiae, zu denen auch die Votivgaben zu Ehren der heiligen Katharina von Alexandrien in Ascheberg zählen, zu erhalten. „Diese und viele weitere Werke sind unsere Patienten, deren Wiederherstellung wir unterstützen“, betont er, „und es gibt noch viele Patienten, für deren Heilung wir Stifter und Spender brauchen.“

Broschüre ist im Buchhandel zu haben

Die Publikation „Kostbare Wiederentdeckung. Eine vergessene Verehrung der heiligen Katharina von Alexandrien und ihr Getier, nebst einem Abenteurer aus Ägypten in St. Lambertus zu Ascheberg“, herausgegeben von Johann Michael Fritz, ist im Aschendorff Verlag erschienen und kann im Einzelhandel unter der ISBN-Nummer 978-3-402-24784-6 für 12,80 Euro erworben werden. Die Broschüre enthält Beiträge von Johann Michael Fritz, Norbert Köster, Elisabeth Hemfort und Martin Kaspar.

Startseite