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Mirjam Brüllmann leitet die Musikschule und ist offenen für Ideen

Ein Haus der Musik für alle

Ascheberg

Wer mit Mirjam Brüllmann spricht, merkt schnell, dass sie angekommen ist. Mit Leib und Seele – in Ascheberg. Doch nicht einmal 100 Tage ist sie jetzt Leiterin der Musikschule – und hat schon einiges in die Wege geleitet. Beruflich und privat.

Bettina Laerbusch

Nicht nur diejenigen, die Unterricht haben möchten, sondern auch alle, die in einem Ensemble mitspielen möchten, sind in der Musikschule willkommen, sagt Leiterin Mirjam Brüllmann. Foto: Bettina Laerbusch

Ihre beiden Kinder, 14 und 11 Jahre alt, sind gerade bei ihr. Der 100-prozentige Digitalunterricht in Bayern macht‘s möglich. Normalerweise wohnen sie mehrere 100 Kilometer weit weg – im Landkreis Erding, noch hinter München (aus dem Norden betrachtet). Seit dem 1. März ist das so. Seit dem leitet Mirjam Brüllmann die Musikschule Ascheberg. Noch wohnt sie in einer Ferienwohnung. Dringend sucht sie ein neues Zuhause – für die ganze Familie, zu der auch noch der Papa der beiden Kids gehört. Die Kinder, das steht fest, werden nach den Sommerferien in Münster zur Schule gehen.

Musikerin mit Leib und Seele

Was hat Mirjam Brüllmann dazu gebracht, in Ascheberg eine Stelle anzunehmen? Die 44-Jährige ist Musikerin mit Leib und Seele, soviel ist sicher. Sie hat unter anderem im Kammerorchester Berlin Geige gespielt, war auf Konzertreisen in Südkorea oder Österreich und etlichen anderen Ländern. Doch jede Lebensphase, sagt sie, habe ihre eigene Zeit. Wer mit ihr spricht, merkt schnell, dass die 44-Jährige angekommen ist. Ja, in Ascheberg. Wer mit ihr spricht, merkt auch schnell: Diese Frau ist nicht nur durch und durch Musikerin, sondern zudem jemand, der es liebt, „verschiedene Leute zusammenzubringen und etwas mit ihnen zu machen, was sie sonst nicht getan hätten“. Es freue sie, sprudelt es aus ihr heraus, „wenn Kinder zum ersten Mal erleben, was zusammen entstehen kann“.

Früherziehung digital

Apropos Kinder. Keine Frage, in einer Pandemie ist es deutlich schwieriger, Menschen mitzureißen. Kreativität ist gefordert. Mehr denn je. So findet in der Musikschule Ascheberg nach wie vor die Musikalische Früherziehung mit jetzt 25 Kindern in vier Gruppen statt. „Die ist so wichtig.“ Und das Zeitfenster umfasse nur zwei Jahre. Ein Jahr (Corona) ist somit schon verloren. Oder doch nicht? Nein, in Ascheberg zumindest nicht ganz. Denn: Mirjam Brüllmann und ihre Kollegin Andrea Thül-Reddig bieten die Früherziehung nach wie vor an – nur eben digital. Und das soll funktionieren mit Vier- und Fünfjährigen? „Ja, das klappt immer besser“, sagt Mirjam Brüllmann und erläutert das Wie. Immer ein Elternteil sitze mit am Computer. „Ich bin den Eltern sehr dankbar, dass sie die Zeit dafür aufbringen und auch über ihr Feedback.“ Damit die Kinder fasziniert sind, verbinden die beiden Lehrerinnen die Welt, die man anfassen kann, mit der virtuellen. Heißt konkret: Wenn die Gruppe etwa das Lied vom Kuckuck singt, schaltet nur das Kind, das gerade den Laut des Vogels singt beziehungsweise imitiert, den Bildschirm ein. Oder: Steht ein Specht im Mittelpunkt eines Liedes, darf mit dem Kochlöffel auf den Bildschirm geklopft werden.

Die Welt zum Anfassen einbinden

Mirjam Brüllmann hat in den zwei Monaten, in denen sie jetzt in Ascheberg ist, auch schon das Corona-Abzeichen ins Leben gerufen. Die Vorspiel-Situation, die es in normalen Zeiten in den Musikschulen gebe, sei immens wichtig. Corona macht dem schon seit einem Jahr einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Das Problem: „Man verlernt, auf einen Punkt hinzuarbeiten. Man erarbeitet ein Stück viel gründlicher, wenn man es vorspielt“, erläutert die Musikschulleiterin. Deshalb habe sie das Corona-Abzeichen eingeführt: Die Schülerinnen und Schüler spielen online vor; sie erhalten im Anschluss eine Urkunde und einen Turnbeutel mit aufgedrucktem Abzeichen. „Das kommt sehr gut an“, sagt die 44-Jährige. Die Freude darüber ist ihr deutlich anzumerken. „Das Vorspieltraining hilft Kindern auch für später: beim Reden vor einer Gruppe, zum Beispiel beim Halten eines Referats, oder später dann im Vorstellungsgespräch.“

Brach liegt der ganze Tanzbereich der Musikschule: die Dance-Akademie. Hier hofft Mirjam Brüllmann sehr, dass der Kreis Coesfeld und das Wetter bald Hip-Hop, Modern Dance und vielleicht auch Klassisches Ballett draußen zulassen werden.

Dance-Akademie bald draußen?

Dass Musikschüler – egal welchen Alters – durch Corona abspringen oder schon abgesprungen sind, diese Sorge hat Mirjam Brüllmann durchaus. 25 Kinder nehmen derzeit an der Früherziehung teil, doppelt so viele seien es in normalen Zeiten. Die Ensembles leiden. Einzelunterricht per Video, das funktioniere noch ganz gut, doch es gelinge nicht, mit mehreren gleichzeitig zu spielen, da die Töne nicht gleichzeitig ankämen. Präsenzunterricht ist mit maximal fünf Personen zurzeit erlaubt. Ein Streicherensemble möchte die Leiterin gründen – neben dem Aufbau-Blasorchester, der Big Band, dem Blasorchester, dem Zupfensemble und den zwei Chören, die es gibt.

Leute anziehen

Natürlich wünscht sich Mirjam Brüllmann, dass die Welt Corona bald im Griff hat. Und darüber hinaus? „Dass es hier weiterhin so gut läuft; dass die Musikschule ein wichtiges Standbein der Gemeinde Ascheberg bleibt und viele Leute weiterhin anzieht hierherzukommen.“

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