Egon Lenz kann der Zwangspause auch Positives abgewinnen

„Fast ein bisschen wie Urlaub“

Ascheberg

Egon Lenz, Anfang 80, liebt die Arbeit in seinem Sportcenter an der Industriestraße. Derzeit ruht logischerweise der Betrieb. Der Ascheberger kann der inzwischen sechsmonatigen Zwangspause aber auch etwas Positives abgewinnen.

Florian Levenig

In normalen Zeiten ein Paradies für Badmintonspieler: das Sportcenter von Egon Lenz. Auch die Geräte im Fitnessraum (kl. Bild) bleiben seit Monaten ungenutzt. Foto: flo

Das mit den „Lost Places“ – Orte in der Gemeinde, an denen sich pandemiebedingt über Wochen und Monate nichts regt – darf man in dem Fall wörtlich nehmen und hat mit Corona nur am Rande zu tun. Wer nicht ortskundig ist oder über kein Navi verfügt, geht bereits während der Anreise unweigerlich verloren. Von der Industriestraße im Gewerbegebiet Ascheberg West führt ein Stichweg, halb versteckt, zum Sportcenter Lenz.

Die beiden geräumigen Parkplätze vor und hinter dem Gebäude, auf denen üblicherweise die Nummernschilder verraten, dass dies ein begehrter Anlaufpunkt für aktive Menschen aus dem gesamten Münsterland ist: menschenleer. Egon Lenz, rüstige 81, sperrt auf und führt einen über lange Gänge, gewährt Einblicke in dunkle Hallen, die jetzt, wo kein Indoor-Sport möglich ist, etwas leicht Dystopisches haben – ein Eindruck, den die metallenen Drehkreuze und die modernen „Foltergeräte“ im Fitnessraum nur noch verstärken.

Glück im Unglück

Dabei ist es, mit Blick auf die Krise, sogar ein Glücksfall, dass hier – normalerweise – alles voll automatisch abläuft. Personal, das Lenz unweigerlich in Kurzarbeit hätte schicken müssen, gibt es nicht, sieht man von den drei, vier Minijobbern ab, die die Theke und den Sportgeräte-Verleih schmeißen.

Getränke und Snacks – eigentlich ist der Gastrobereich täglich ab 17.30 (montags bis freitags), 14.30 (samstags) oder 12.30 Uhr (an Sonntagen) geöffnet – hat hier schon lange niemand mehr serviert. Trotz der Plexiglasscheiben, die Lenz nach dem ersten Lockdown am Tresen installiert hat. Dennoch ist Lenz guter Dinge, den Betrieb spätestens im Juni wieder hochfahren zu können.

Foto:

Die Service-Kräfte bleiben wohl bei der Stange. Und dass die Kunden nach der inzwischen halbjährigen Pause wegbleiben, kann sich Lenz „kaum vorstellen. Die rufen dutzendfach jeden Tag an, weil sie wissen wollen, wann wir wieder öffnen.“ Auch habe er als Unternehmer – selten genug in diesen Tagen – keine Existenzängste. Da ihm Grund und Gebäude gehören, müsse er lediglich für Strom, Gas und Wasser aufkommen. Ein bisschen, lacht Lenz, sei die Zwangspause „fast wie Urlaub“.

Re-Start im Juni?

Gleichwohl könne er den Re-Start kaum erwarten: „Ich liebe die Arbeit, auch mit Anfang 80.“ Wenn der Laden brummt und sich bis zu 300 Leute am Tag auf den elf Badminton-Courts, den zehn Squash-Boxen und dem einen Tennisplatz austoben oder im 300 Quadratmeter großen Fitness-Bereich pumpen: Da geht dem Ascheberger, der in Unna ein weiteres Zentrum dieser Art betreibt, das Herz auf.

Zu tun gebe es immer was, sagt Lenz und zeigt einem „meinen Lieblingsraum“: erinnert an einen XL-Hobbykeller, zugestellt mit Werkzeug, Farbeimern und Co. Das meiste repariere er selbst, gelernt ist gelernt. In seinem früheren Leben war Lenz Architekt, das Sportcenter im Gewerbegebiet hat er vor knapp drei Jahrzehnten eröffnet.

Auch jetzt muss der Inhaber regelmäßig nach dem Rechten sehen. Erst kürzlich sei in einer Halle ein Wasserrohr geplatzt. Als wäre das alles nicht schon schlimm genug. Schaden: „zwischen 6000 und 8000 Euro. Zahlt aber die Versicherung.“ Wenigstens etwas.

Startseite