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Herde in der Deipen Wiese als Landschaftspfleger aktiv

Ziegen-Einsatz ohne Meckerei

Davensberg

Die Rolle als Landschaftspfleger auf vier Beinen ist gar nicht mal so leicht. Jetzt sind es Anglo-Nubier-Ziegen, die diese Aufgabe auf der Deipen Wiese in Davensberg übernehmen. Monika Putzier stellt ihre Herde dafür gerne zur Verfügung.

Theo Heitbaum

Die Anglo-Nubia-Ziegen fühlen sich in der Deipen Wiese in Davensberg wohl. Foto: Theo Heitbaum

Als sie ihre Arbeit als Landschaftspfleger in der Deipen Wiese antraten, war ungewiss, wie lange die Dienste der Anglo-Nubier Ziegen benötigt würden. Die Prognose reichte von wenigen Wochen bis zum Frühjahr. Eine halbes Jahr später mag niemand auf die Herde von Monika Putzier verzichten. „Es gibt genug zu knabbern“, erklärt Hermann Grube, der sich für den Hegering Ascheberg um die Fläche kümmert.

Weidefläche neu modelliert

Vor fünf Jahren wurde die damalige Weidelandschaft neu modelliert. Der Emmerbach erhielt ein Schlängelbett, das sich ankommendes Wasser mit dem Altarm teilt. Kommt viel Wasser, werden weite Teile des Gebietes überflutet. Weil Mutterboden abgefahren wurde, wirkte die Fläche anfangs wie eine Mondlandschaft. Die Rückkehr von Flora und Fauna wird von einem Monitoring durch Gemeinde, Kreis und Bezirksregierung begleitet. Nabu und Hegering sind ebenfalls beteiligt. Von Beginn an war klar, dass die Fläche durch Tiere beweidet werden soll. „Drei Großvieheinheiten sind dafür festgesetzt“, informiert Tiefbauingenieur Christian Scheipers aus der Ascheberger Verwaltung. Eine kleine Herde von Soay-Schafen, die der Hegering beschafft hatte, musste wegen der Dürre 2019 die Rasenmäherdienste einstellen. Sie sind inzwischen wieder verkauft.

Stellt ihre Herde gerne zur Verfügung: Monika Putzer und ihre Anglo-Nubier-Ziegen. Foto: Theo Heitbaum

Ende des vergangenen Jahres kamen die Beteiligten dann zum Ergebnis, dass gegen den starken Erlenbewuchs etwas getan werden müsse. „In einigen Bereichen ist das gewollt, an anderer Stelle wird aber ein offenes Gewässer benötigt, weil dort die geschützte Helmazurjungfer lebt“, berichtet Scheipers über unterschiedliche Anliegen, die unter einen Hut gebracht werden wollen. Norbert Menke, der das Geschehen für den Nabu begleitet, unterstreicht die Notwendigkeit an genau diesem Punkt: „Der Raum für die Libelle ist durch den Bewuchs immer kleiner geworden. Deswegen musste etwas passieren.“ Die Anglo-Nubier Ziegen lebten sich auf der Fläche schnell ein. Der Erlen nahmen sie sich aber erst im Frühjahr an. Die Beobachter vermuten, dass sie die Rinde erst abgeknabbert haben, als die Wurzeln wieder Wasser in die Pflanze befördert haben. „Jetzt“, so Grube, „sieht man an vielen Stellen, dass die Rinde abgefressen worden ist.“ Die Bäume würden, was gewollt sei, absterben.

Entwicklung verläuft zweigeteilt

Das Gelände hat sich zweigeteilt entwickelt. Links des Emmerbachs ist gerade durch die Erlen schon viel gewachsen. Auf der rechten Seite sieht es eher karg aus. Bei einer Runde im April wurde in dem Bereich aber eine kleine Invasion der Traubenkirsche beobachtet. „Die ist kontraproduktiv, weil sie zu viel Platz einnehmen würde“, informiert Scheipers. Menke berichtet von einer Aktion, bei der Kirschaustrieb entfernt worden sei: Man habe dann aber entschieden, diese Fläche für kurze Zeit den Ziegen anzuvertrauen. Damit tue man auch etwas gegen die Disteln, die zuletzt von Nachbarn als Plage bezeichnet worden waren.

Die Ziegen haben nichts zu meckern, wie Besitzerin Monika Putzier berichtet: „Sie fühlen sich wohl in Davensberg.“ Neun Lämmer wurden schon geboren. Einige auf der Fläche. Wenn sich Schwierigkeiten andeuteten, auch daheim. Die Aschebergerin hat kein Problem damit ihre Ziegen länger in der Deipen Wiese zu lassen. Ihre Bitte an Spaziergänger ist, die Tiere nicht zu füttern. Eine Ausnahme hat sie bewilligt: Ein Davensberger kommt mit Möhren, um sich bei den Tieren zu bedanken. Denn seit sie dort sind, geht es seiner kranken Frau besser. Nicht zur sie freut sich an den vierbeinigen Landschaftsgärtnern.

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