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Torben Müller-Wille hilft als Genesungsbegleiter psychisch erkrankten Menschen

Auf ein offenes Wort

Kreis Coesfeld. Sie kam mitten in der Examensphase, da war er gerade 24 Jahre alt. Torben Müller-Wille aus Dülmen erinnert sich noch gut an die Worte eines Dozenten des Repetitoriums in Münster, der aufgrund des Lernstresses wörtlich sagte: „Bei einem von ihnen wird eine Psychose ausbrechen!“. Er war der eine von ihnen. „Suizidgedanken im Wahn sind keine Seltenheit. Ich hatte große Ängste und mein Freundeskreis wendete sich zusehends von mir ab“, gesteht er heute offen. Mit der klassischen Medizin, einer guten Psycho-, Sport-, Ego- und Kunsttherapie und viel Geduld mit sich selbst, fand er einen Weg aus der Krise. Gefreut hätte er sich über einen Vermittler zwischen ihm und den Behandelnden in seinem Umfeld. So etwas wie ein Genesungsbegleiter.

Ulla Wolanewitz

Hobbymusiker Torben Müller-Wille hilft als Genesungsbegleiter psychisch erkrankten Menschen. Er durchlitt selber eine Psychose und hätte sich damals so etwas wie einen Begleiter gewünscht. Foto: Juri Michalev

Noch vor fünf Jahren stand er als Anwalt im Gerichtssaal, aber seit einem Jahr widmet sich der 39-Jährige hauptberuflich einem ganz anderen Berufsfeld. Täglich fährt er nach Dortmund-Aplerbeck in die LWL-Klinik, um anderen Menschen als Genesungsbegleiter zu helfen. Dort, auf seiner Station, werden vorrangig Menschen, die psychotisch erkrankt sind, behandelt. Und in diese kann sich Torben Müller-Wille sehr gut hineinversetzen, der auch als Hobbymusiker unter dem Pseudonym Tom Westborn unterwegs ist.

Seine vorherigen beruflichen Tätigkeiten, sowohl als Jurist als auch später in der Leistungsabteilung beim Jobcenter, wo er unter anderem Anträge bewilligte oder ablehnte, haben ihm allerdings zu viel seelischen Stress bereitet. So wurden Gelder nicht ausgezahlt, weil die Prüfung sich aufgrund von fehlenden Unterlagen hinzog. Ehemalige Straf-Mandanten liefen ihm auf der Straße über den Weg und drohten ihm mit Schlägen. Er geriet immer wieder unter Druck oder in Situationen, die ihn sehr belasteten. Anders wäre es vielleicht gewesen, wenn er mit seiner Erkrankung offen umgegangen wäre. „Mein Chef, meine Kollegen, meine Freunde und sogar meine Schwiegereltern wussten nichts von meiner Erkrankung. Heute weiß ich, dass es mehr Anstrengung bereitet, etwas geheim zu halten, als offen darüber zu sprechen.“

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