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Küster, Kirchenmusiker, Tüftler: Das Daruper Genie Josef Schwab

Aus alten Teilen ein Auto gebaut

Kreis Coesfeld

Josef Schwab war ein besonderer Küster: Nicht nur, dass er auch Organist und Kirchenchorleiter in Nottuln-Darup war, er war auch ein Erfinder. Und was für einer. Schon früh entdeckte er alternative Antriebe für Fahrrad und Dreirad, er erfand eine ferngesteuerte Liedanzeige für die Kirche und aus alten Teilen baute er ein Auto zusammen – möglicherweise, das ist nicht ganz sicher – war es das erste Auto in Darup. Er konzipierte sogar eine eigene Orgel. „Josef Schwab war ein echtes Genie“, sagt Johann Bross aus Darup, der mit Axel Köhler über den früheren Küster recherchierte, der von 1903 bis 1971 lebte. „50 Jahre ist Josef Schwab nun tot – Zeit, um an ihn zu erinnern, damit er nicht in Vergessenheit gerät“, sagt Köhler. Deswegen ist Josef Schwab eine eigene Ausstellung gewidmet und Thema des geschichtlichen Teils der Daruper Landpartie, die an diesem Wochenende stattfindet. „Von seinen Erfindungen und seiner Musik hatte die Bevölkerung im Dorf viel“, sagt Köhler.

Von Viola ter Horst

Organist, Chorleiter, Tüftler, Erfinder: Josef Schwab (1903-1971) baute aus alten Teilen sogar ein Auto. Foto:

Schwab ließ sie daran teilhaben. Schon als Jugendlicher interessierte er sich für Technik und experimentierte, wie er sein Elternhaus in der Daruper Bauerschaft Gladbeck mit Elektrizität versorgen könnte. Mit einem Wasserrad betrieb er einen Generator und brachte eine Glühlampe zum Leuchten, berichtet sein Sohn Peter in einer Biographie über seinen Vater, die er anlässlich der Daruper Landpartie veröffentlicht. „Unter dem lebhaften Beifall der Familie und der Nachbarschaft.“

Legendär ist das Auto, das der Küster aus alten Teilen baute. Der Motor wurde über eine Kardanwelle angetrieben; in rasantem Fahrstil ratterte er durch die Baumberge-Hügel. Nicht immer funktionierte bergab die Fußbremse so wie sie sollte.

Die Tenne der Küsterei bot Platz genug für Experimente. Aber auch sonst war in dem Küsterhaus, das später mit dem Bau einer Straße abgerissen wurde, einiges los. „Josef Schwabs Frau Agnes war Schneidermeisterin und gründete eine eigene Schneiderei in dem Haus“, berichtet Johann Bross. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Dinge knapp waren, entwickelte Schwab eine Alkohol-Destillation – auch wenn er sich, so schreibt Peter Schwab, für den Schnaps selber nicht interessierte, sondern für die Technik. Zum Probieren kamen aber viele Daruper gerne im Küsterhaus vorbei – „bis sich Josef Schwab eine Anzeige einhandelte“, berichtet Bross. Und so endete die vielversprechende Erprobungsphase der Alkohol-Destillation. Wie es öfter der Fall war. Denn für Schwab war es dann ein Erfolg, wenn sich seine Theorie in die Praxis umsetzen ließ und das Experiment gelang. So entstanden Elektroantriebe für Fahrzeuge und eine Hinterradsteuerung. Oder ein Fahrrad mit Spiralfedern, um darüber die Energie zum Bremsen rückzugewinnen. Zu einem seiner großen Projekt gehörte der Bau einer Orgel.

Die künstlerische und handwerkliche Ader leitete Josef Schwab offenbar an seine Kinder weiter: Sein Sohn Siegfried gründete die Kunstgießerei Schwab in Münster-Sprakel. Die Schwabsche Orgel kam irgendwann zurück in die Familie und wurde in der Kunstgießerei restauriert und wieder aufgebaut.

Musik war neben dem Tüfteln die große Leidenschaft von Josef Schwab. Ärger gab es, als der Kirchenmusiker zusammen mit einem weiteren Chor eine anspruchsvolle Messe einstudierte und aufführen wollte. Zum Auftritt in der katholischen Kirche kam es nämlich nicht. Dem zweiten Chor, mit dem Schwab probte, gehörten auch evangelische Christen an und der damalige Pfarrer verbot aus diesen Gründen die Aufführung. Die Enttäuschung war riesig. Zwischen Josef Schwab und dem Pfarrer gab es „beachtliche Meinungsverschiedenheiten“, wie sein Sohn Peter schreibt. Der Konflikt habe später bereinigt werden können und sei schließlich mit der Neubesetzung der Pfarrstelle in Vergessenheit geraten.

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