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„Diebstahlplage“ im Kreis Coesfeld reißt nicht ab

Banden gehen täglich auf Beutezug

Kreis Coesfeld

Die Masche ist fast immer die gleiche: Menschen werden vor dem Discounter oder beim Bäcker von einer fremden Person in ein Gespräch verwickelt, während ein zweiter Täter unbemerkt die Geldbörse aus der Handtasche oder dem Rucksack stiehlt. Die Serie von Taschendiebstählen, die nach diesem Muster ablaufen, reißt im Kreis Coesfeld nicht ab. „Es ist tatsächlich eine Diebstahlplage, das kann man nicht anders sagen“, bestätigt Britta Venker von der Pressestelle der Kreispolizeibehörde.

Von Florian Schütte

Taschendiebstähle verzeichnet die Polizei zurzeit gehäuft – vor allem vor Supermärkten. Opfer sind längst nicht mehr nur ältere Personen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind – auch Personen unter 30 würden laut Polizei immer häufiger bestohlen. Foto: Symbolbild: dpa

Dabei handelt es sich zumeist um Banden ausländischer Herkunft, die vom Ruhrgebiet aus im Kreis Coesfeld auf Beutezug gehen. Die Opfer: Längst nicht mehr nur ältere Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Auch Jüngere würden immer häufiger bestohlen. „Zwischendurch war es mal etwas ruhiger, aber mittlerweile kommen jeden Tag neue Fälle rein“, berichtet Venker, die gerade den nächsten Fall bearbeitet – einen Diebstahl in Billerbeck. Konkrete Zahlen arbeitet die Polizei gerade auf. Nur so viel: Betroffen sei das ganze Kreisgebiet, aber weniger der Südkreis. „Die Täter schlagen in einem Ort zu und fahren dann in den nächsten“, sagt Venker und nennt als Beispiel eine Geldbörse, die in Lüdinghausen gestohlen und am selben Tag noch in Hiddingsel aufgetaucht sei. Die Polizei appelliert in diesem Zusammenhang: verdächtige Personen besser einmal mehr melden als zu wenig. „Auch Kennzeichen und Automarken nehmen wir als Hinweis gerne“, betont Venker. Alles, was recht ist, um den Tätern das Handwerk zu legen.

Denn: „Die Schäden sind für ältere Personen immens und oft gehen die Täter dann auch noch zur Bank und räumen das Konto leer“, sagt Johannes Duda. Der Außenstellenleiter des Weißen Rings in Coesfeld kann mehrere Beispiele nennen, in denen ältere Menschen um ihr Erspartes gebracht wurden. So wurden einer Frau in Coesfeld beispielsweise 2000 Euro vom Bankkonto abgebucht. „Shoulder Surfing“ nennt die Polizei die Masche, bei der die Täter die Eingabe der Pin beobachten und dann zuschlagen. „Innerhalb kürzester Zeit wird dann oft für mehrere Tausend Euro eingekauft: Kaffee, Rasierklingen, Elektronik – alles, was sich zu Geld machen lässt“, bestätigt Venker und spricht von „Verwertungstaten“. In solchen Fällen gerät auch der Weiße Ring, der Kriminalitätsopfern hilft, an seine Grenzen. „Wenn die Bedürftigkeit besteht, können wir zwar Soforthilfe leisten, aber wir können nicht den kompletten Betrag erstatten“, gibt Duda zu bedenken. Von vielen Opfern erfahre der Weiße Ring aber erst gar nicht, da die Scham bei einigen Betroffenen groß sei, so Duda.

„Wenn wir etwas ermitteln, dann hauptsächlich über die eingesetzten Kreditkarten und die Videoaufzeichnungen der Geldautomaten oder der Supermärkte“, erklärt Venker. Doch für eine Öffentlichkeitsfahndung seien hohe rechtliche Hürden zu nehmen. Zudem suchten sich die Täter meist speziell Supermärkte ohne Videoüberwachung aus. Darum: „Auffälliges Verhalten immer melden. Die Polizei ist Tag und Nacht da“, appelliert Britta Venker an die Wachsamkeit der Bürgerinnen und Bürger im Kreis Coesfeld.

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