Kreisverband Coesfeld der corona-kritischen „BasisPartei“ gegründet

Billerbecker will für Bundestag kandidieren

Kreis Coesfeld

Die umstrittene, als corona-kritisch geltende „BasisPartei“ hat einen Kreisverband Coesfeld gegründet. Sie plant, bei der Bundestagswahl anzutreten. Mit dem Altenpfleger Heinz Eul aus Billerbeck soll ein Bundestagskandidat im hiesigen Wahlkreis ins Rennen geschickt werden.

Von Viola ter Horst

Der Vorstand des Kreisverbands von der „Basis“: v.l. Heinz Eul, Nicole Benning, Thomas Rüb, Gregor Christmann, Tanja Schnase, Sky Christmann, Carmen Ernst, Detlef Flüshöh. Foto: Foto: privat

Die Kleinstpartei gründete sich 2020 bei den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen. Auf Querdenker wollen sich die Mitglieder aber nicht reduzieren lassen. „Ich möchte Menschen zum Nachdenken bringen“, sagt Eul, der auch als Vorsitzender des Kreisverbands gewählt wurde, zu seinen Beweggründen. „Ich bin kein Coronaleugner, aber ich sehe die Pandemiemaßnahmen kritisch.“ Die Auswirkungen seien verheerend und die Meinungsvielfalt sei in der Pandemie „abhanden gekommen“. Zwar sei er grundsätzlich kein Impfgegner, aber die neuen genbasierten Impfstoffe machten ihm „viel Angst“, sagt Eul gegenüber unserer Zeitung. Die Nebenwirkungen seien unklar. Entsetzt sei er, dass auch Kinder geimpft werden und einem unkalkulierbaren Risiko ausgesetzt werden sollen.

Der Kreisverband Coesfeld wurde nach Mitteilung von Eul mit 19 Mitgliedern in Dülmen gegründet. Neben Eul wurde Carmen Ernst aus Coesfeld als weitere Vorsitzende gewählt. Beisitzer wurden Detlef Flüshöh aus Dülmen, Gregor Christmann, Thomas Rüb und Sky Christmann aus Senden, Nicole Benning aus Nordkirchen und Tanja Schnase aus Lüdinghausen sowie Monika Lammers aus Billerbeck als Schatzmeisterin.

„Ich fühlte mich allein mit meinen Zweifeln und Fragen“, berichtet Eul, wie es zu seiner Mitwirkung bei der Basis gekommen ist. „Als ein Nachbar von mir einen Antrag auf Mitgliedschaft bei der Basis stellte, wurde mir klar, dass viel mehr Menschen das Krisenmanagement kritisch sehen.“

Eul, der in Coesfeld in der Vergangenheit ein Altenheim leitete und sich dann in Billerbeck mit einem Pflegedienst selbstständig machte, sieht seinen Schwerpunkt im Bereich Gesundheit, wo er in der Basis mitwirken will.

Ziel der Basis-Partei ist es, über vier Säulen basisdemokratische Prozesse zu entwickeln, „fernab der üblichen Klischees von Rechts und Links“: Freiheit, Machtbegrenzung, Achtsamkeit und Schwarmintelligenz. Transparente Politik und direkte Demokratie lauten die Schlagworte. Dass sich der „Basis“ namhafte Personen aus der Querdenker-Szene anschlossen, sieht Eul als „Stempel“, mit dem wir leben müssen“.

Um als Bundestagskandidat antreten zu können, gibt es für Eul noch eine Hürde. Weil die Basis noch ganz neu ist, braucht er Unterstützerunterschriften. Mindestens 200, wie der Kreis Coesfeld auf Nachfrage mitteilt. Die Unterlagen muss dann der Kreiswahlausschuss auf seine Richtigkeit überprüfen. 

Namhafte Querdenker-Mitstreiter

Die Basisdemokratische Partei, kurz dieBasis, hat sich 2020 mit 45 Mitgliedern aus Gegenern der Corona-Maßnahmen gegründet. Im Mai 2021 zählte die Partei eigenen Angaben zufolge bundesweit 16 000 Mitglieder. Namhafte Personen aus der Querdenkerszene stießen zu der Partei. In NRW wollen als Spitzenkandidaten etwa der Anwalt Dirk Sattelmaier kandidieren, der als Redner bei Querdenker-Demos auftrat. Aber auch die Wissenschaftler Sucharit Bhakdi und Karina Reiß, die das umstrittene Sachbuch „Corona Fehlalarm?“ schrieben und in Querdenker-Kreisen große Beliebtheit genießen, zählen in NRW zu den Spitzenleuten. Das Coronavirus sei keine Bedrohung, behauptet Bhakdi in einem Video. Aufmerksamkeit brachte der Basis in diesem Monat, als Schauspieler Volker Bruch erklärte, er wolle ihr beitreten. Der Star der Serie „Babylon Berlin“ war auch an der Initiative #allesdichtmachen beteiligt. vth

Kommentar

Wolf im Schafspelz

Von Viola ter Horst

Du bist wir“: Auf dem ersten Blick hört sich das charmant an, was die „Basis“ da von sich gibt. Mit einem populären Schlagwort wie „Achtsamkeit“, das in den letzten Jahren in allen möglichen Lebensbereichen Einzug erhalten hat, mit schicken Begriffen wie „transparente Demokratie“ und „Schwarmintelligenz“, vor allem aber mit einer grundsätzlich kritischen Haltung spricht sie zunehmend Menschen an. Auf dem zweiten Blick steckt hinter der freundlichen Fassade, hinter den wohl geschnitzten Worten aber nicht mehr als ein Sammelbecken für Kritiker und Querdenker, die mit teils hanebüchenen Argumenten gegen Pandemie-Maßnahmen rebellieren.

Eine Partei, die besonders die kritische Mitte in der Gesellschaft anzieht. In der sich auch Mitglieder finden lassen, die mal bei den Grünen oder der SPD waren. Aber vielleicht auch AfD. Alles dabei. Heilpraktiker, Ärzte, Wissenschaftler, die behaupten, dass das Coronavirus nicht weiter gefährlich sei und es mit Grippeviren gleichsetzen. Beliebtes Argument: Es gebe ja nicht mehr Tote als sonst. Impfgegegner, Coronaleugner durch die Hintertür. Dabei geht es den Basis-Leuten vielleicht sogar um viel mehr, sie wollen grundsätzlich eine andere Politik und direkt mitwirken. Basisdemokratisch. Dagegen ist ja nichts zu sagen. Wohl aber dagegen, sich einer Gruppierung anzuschließen, die von kruden Querdenker- und Coronaleugner-Argumenten strotzt und im Schafspelz daherkommt.

Startseite