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Glück auf – der Hufschmied kommt

Dampfende Pferdefüße

Kreis Coesfeld

Alles Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde. So besagt es ein geläufiges Sprichwort unter passionierten Pferdeliebhabern. Für Laurenz Rumphorst ist dieses Glück etwas anders gelagert. Der 27-Jährge arbeitet seit 2019 als selbstständiger Hufschmied. Vor zwei Jahren trat er die Nachfolge von Heinz Backenecker in Nottuln an, in dessen Betrieb er zuvor einige Jahre tätig war und im wahrsten Sinne des Wortes Feuer fing für diesen ehrbaren Handwerksberuf. Genagelte Hufeisen, so gibt es zu lesen, wurden bereits von den Kelten erfunden. Es waren dann die Römer die dieses Verfahren weiter entwickelten. Für den jungen Nottulner hat es mit „Fortune“ zu tun, dass er bei jedem Wind und Wetter diesem schweren Beruf nachgehen kann, wobei er täglich mehrfach das Glückssymbol „Hufeisen“ passend schmiedet.

Von Ulla Wolanewitz

Hufschmied Laurenz Rumphorst und Mitarbeiter Marvin Delkus beim Aufbringen des Hufeisens. „Salvator“ nimmt auch den Dampf tiefenentspannt hin. Foto: Fotos: Ulla Wolanewitz

Im Volksglauben rangierte das Pferd immer als Symbol für Stärke und Kraft. Das Hufeisen, das das Tier schützt, entwickelte sich daher zum Glücksbringer. Mit der Öffnung nach oben gilt es als Brunnen, der das Glück einfangen soll. Vielfach wurde es an Schiffsmaste genagelt, um eine sichere Seefahrt zu garantieren. Auch fand es an Haus- und Hofeingängen und Kaminen einen Platz, um böse Geister abzuwehren.

„Wähle einen Beruf, den du liebst und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten“, zitiert der junge Hufschmied zufrieden den chinesischen Philosophen Konfuzius, während er für kurze Zeit im Rauch verschwindet, weil er gerade einem Pferdehuf ein neues Eisen aufbrennt. Nein, Handschuhe trägt er keine, auch nicht, wenn er das heiße Eisen mit der Zange aus dem Feuer holt und auf dem Amboss mehrmals passend schmiedet bis es richtig gut sitzt. Der dreijährige Friese Salvator, der an diesem eiskalten Dezembertag neue „Sandalen“ bekommt, ist absolut tiefenentspannt und zuckt bei all dieser Pediküre nicht mit der Wimper. Das Pferd muss geradestehen und die Lichtverhältnisse gut sein.

Das sind die Bedingungen, die es braucht, um einen guten Huf anzupassen. Damit das gut gelingt, wird das Eisen einige Male bis etwa 900 Grad erhitzt und immer wieder entsprechend fein geschmiedet. „Ein schlecht sitzendes Hufeisen behindert das Pferd ebenso beim Laufen wie in Schuh, der uns beim Gehen drückt“, erklärt der Hufschmied.

Bevor sich der Nottulner endgültig für diesen Beruf entschied, absolvierte er zunächst eine dreijährige Ausbildung als Metallbauer in einer Fahrzeugfabrik in Münster, die sich auf den Waggonbau spezialisiert hat. Da er sich aber bereits in jungen Jahren in einem Praktikum bei Backenecker für das Pferde beschlagen begeisterte, kam er nach seiner Lehre wieder hierher zurück. Nach zweieinhalb Jahren der Assistenz, besuchte er die Hufbeschlagschule Niemerg in Münster, um sich entsprechend zertifizieren zu lassen.

Seitdem steht er sozusagen täglich Kopf. Sobald er die schützende Lederschürze angelegt hat, greift er zum Pferdefuß, den er sich zwischen die Beine klemmt. Dann wird zunächst ringsum der Huf -mit dem entsprechenden Pediküre-Werkzeug - beschnitten, vom überflüssigen Horn befreit und ebenso der Huf ausgekratzt. Der Fachmann mit Erfahrung, weiß dabei natürlich, worauf es ankommt und wo, die empfindlichen Stellen sind, die es zu schonen gilt, damit kein Blut fließt.

Nein, selber gehört Laurenz Rumphorst nicht zu den Reitern. Allerdings besitzt er eine Zuchtstute, die ihm in diesem Jahr ein schönes Fohlen beschert hat. Der Kreis Coesfeld, so sagt er, sei noch ganz gut mit Hufschmieden aufgestellt. Er jedenfalls freut sich jeden Morgen aufs Neue - heute hier, morgen dort - seinem Handwerk nachgehen zu können. Ebenso freuts den Pferdebesitzer, wenn er für die entsprechende „pediküre de cheval“ sorgt.

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